Länder im Überblick: Bundesländer-Ranking

Länder im Überblick: Bundesländer-Ranking

Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen - wie schneiden sie ab?

Bayern: Viel Licht, etwas Schatten Dem 28. September 2008 blickt Günther Beckstein mit eher gemischten Gefühlen entgegen. An diesem Tag ist Landtagswahl in Bayern – und Becksteins Amtsvorgänger als Ministerpräsident, Edmund Stoiber, hat die Latte beim letzten Mal mit 60,7 Prozent fast unerreichbar hoch gehängt. Die Demoskopen erwarten deutliche Stimmenverluste für die CSU und ihren Spitzenkandidaten Beckstein – was schon jetzt für Grummeln an der verunsicherten Parteibasis sorgt.   Das freut die Opposition zwar. Inhaltlich hingegen tut sie sich schwer, die Regierung zu attackieren. Denn ökonomisch geht es Bayern blendend. Was Wirtschaftskraft und Wohlstand angeht, ist der Freistaat nicht zu toppen – folgerichtig landete er auf Platz eins im Niveauranking der WirtschaftsWoche. In der Dynamikwertung schafften die Bayern außerdem Platz drei und sind somit das einzige Bundesland, das es in beiden Teilrankings aufs Siegertreppchen schaffte. Dies ist eine bemerkenswerte Leistung, schließlich ist es allemal schwieriger, sich von einem hohen Leistungsniveau noch weiter zu verbessern, als von ganz unten durchzustarten. Das einstige Agrarland Bayern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem leistungsstarken Industrie- und Forschungsstandort gemausert – mit guter Sozialstruktur, großem Wohlstand und hoher Lebensqualität. Der Freistaat kann mit der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldung und dem höchsten Wirtschaftswachstum aller Länder aufwarten, ebenso mit der niedrigsten Kriminalität, höchsten Aufklärungsquote sowie dem (nach Hamburg) stärksten Bevölkerungszuwachs. Die Arbeitsplatzversorgung, also der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren, liegt in Bayern bei 73,1 Prozent; im Bundesdurchschnitt sind es nur 68,4 Prozent. Jeder Einwohner verfügt jährlich über eine Kaufkraft von 20.340 Euro – auch dies bedeutet Rang eins. Und auf 100 Einwohner kommen hier statistisch gesehen nur 3,1 Hartz-IV-Empfänger – im Bundesdurchschnitt sind es mehr als doppelt so viele.   Das Land profitiert von einer guten Wirtschaftsstruktur, einer Mischung von global aufgestellten Konzernen und innovativen Mittelständlern und von Industrie-und Dienstleistungsgewerbe. So sieht sich Bayern als wichtigster Versicherungsplatz in Deutschland, ist aber auch stark bei Fahrzeug- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik oder Biotechnologie.   Das Ranking bringt aber auch Negatives zutage: Der Anteil der Studenten an den 18- bis 40-Jährigen – mithin das Leistungsträgerpotenzial von morgen – liegt in Bayern nur bei 6,7 Prozent (Rang 13). Beim Bürokratie-Index, den die IW Consult anhand von Firmenbefragungen für die WirtschaftsWoche erstellt hat, erhält Bayern nur mäßige Noten. Auch in der Familienpolitik gibt es Nachholbedarf: Die Mieten in den Städten sind überdurchschnittlich hoch, die Angebote für Kinderbetreuung vergleichsweise niedrig.   Da gibt es für Günther Beckstein also doch noch einiges zu tun. Mecklenburg-Vorpommern: Aufschwung ohne Schlote Was in aller Welt macht der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern in North Carolina? Jürgen Seidel (CDU) zog es in der vorvergangenen Woche in die US-Stadt Charlotte. Die liegt, kein Witz, in der Region „Mecklenburg County“, und Seidel warb dort vor Reiseagenten um neue Touristen für den deutschen Nordosten. Schon 2007 kamen 5000 US-Urlauber ins Land, weitere 70.000 liefen mit Kreuzfahrtschiffen in Warnemünde ein. Seidel: „Wir haben durch den G8-Gipfel an Bekanntheit in den USA gewonnen, die Zahl der Gäste ist aber ausbaufähig.“ Der US-Trip des Ministers illustriert, welche Strategie das strukturschwache Bundesland bei seiner ökonomischen Aufholjagd verfolgt. Die große Koalition in Schwerin setzt auf den Tourismus, flankiert von einer wachsenden „Wellness-Wirtschaft“. Das Land will sich in Deutschland zur ersten Adresse für Gesundheit aufschwingen; schon jetzt gibt es hier 57 staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte und 65 Vorsorge- und Reha-Kliniken. Fast 90.000 Menschen arbeiten bereits in der Wellness-Branche, Tendenz steigend.   Industriell hingegen sieht es mau aus, sieht man von einer starken Ernährungswirtschaft ab und industriellen Nischen wie der Holzwirtschaft, die sich vor allem rund um Wismar etabliert hat. Das Land leidet zudem an Bevölkerungsschwund und schwacher Kaufkraft; bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger nur in Berlin noch höher. Umso bemerkenswerter, wie sich die Rahmendaten in den vergangenen Jahren verbessert haben. Auch wenn Mecklenburg-Vorpommern von ganz unten kommt (Niveauranking: Rang 14) und es daher leichter hat, seine wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren zu verbessern: Platz zwei im Dynamikranking ist eine Überraschung. Beispiel Jobs: Die Arbeitslosenquote liegt zwar immer noch auf dem höchsten Stand aller Bundesländer. Sie ist aber seit 2004 fast nirgendwo so stark gesunken wie hier. Während viele westdeutsche Flächenländer lustig neue Schulden machen, ist an der Ostsee der Haushalt im Lot: Die Pro-Kopf-Verschuldung sank 2007 im Vergleich zu 2004 um 0,7 Prozent. Zum Vergleich: In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bremen und dem Saarland stieg sie zweistellig. Trotz der sparsamen Haushaltsführung liegt die Investitionsquote in Meck-Pomm über dem Schnitt aller Länder.

Auch dies ist für die Wirtschaft interessant: Die Lohnkosten sind so niedrig wie nirgendwo sonst in der Republik. Die Gewerbesteuer-Hebesätze der Kommunen liegen bei im Schnitt 320 Prozent – nur Sachsen-Anhalt ist günstiger.

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