Landesbanken : Die zweifelhaften Geschäfte der Bayerischen Landesbank

Landesbanken : Die zweifelhaften Geschäfte der Bayerischen Landesbank

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Bayerische Landesbank: Hunderte Millionen Euro versenkt

Dramatischer Höhepunkt eines verlustreichen Übernahme-Abenteuers: Kaum zu glauben, wie die Bayerische Landesbank in Osteuropa Hunderte Millionen Euro versenkt hat.

Die Staatsanwälte fahren am frühen Mittwochmorgen vor, in der Brienner Straße in München, in Klagenfurt und Luxemburg. Sie durchsuchen Geschäftsräume der BayernLB, nehmen Unterlagen mit, auch Privat-wohnungen sind ihr Ziel. Es geht um den Verdacht der Untreue beim Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria 2007. Der damalige Chef der BayernLB Werner Schmidt, so die Vermutung, könnte wissentlich einen überhöhten Kaufpreis gezahlt haben. Schmidt musste die Bank 2008 nach Bekanntwerden von Milliardenverlusten verlassen.

Die Razzia ist der bisherige Höhepunkt der fehlgeschlagenen Expansion des Münchner Instituts nach Osteuropa. Statt stabilen Wachstums hat die Bank dort bisher nur Verluste in hoher dreistelliger Millionenhöhe eingefahren. Weitere Belastungen drohen und gefährden den Sanierungskurs. Denn die Hypo-Alpe-Adria leidet stärker als alle anderen Banken unter der Krise in Osteuropa und der steigenden Zahl von Kreditausfällen. Hinter dem Übernahme-Abenteuer verbirgt sich eine wahre Räuberpistole um Spezln in Bayern, Österreich und auf dem Balkan, um dubiose Geschäfte, verlustbringende Schlösser und falsche Bilanzen.

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Das von Jörg Haider regierte Kärnten ist größter Anteilseigner

Ende 2006 sucht Schmidt dringend ein tragfähiges Geschäftsmodell mit Wachstumschancen für sein Institut. Der Blick fällt nach Osteuropa. Institute wie die italienische UniCredit erzielen dort mit ihrer Tochter Bank Austria jährlich zweistellige Zuwachsraten.

Nach der gescheiterten Übernahme der österreichischen Bawag wirft Schmidt ein Auge auf die in Klagenfurt ansässige Hypo Group Alpe Adria (HGAA), die stark in Osteuropa engagiert ist. Größter Anteilseigner ist Kärnten, das damals vom 2008 verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider regiert wird. Die Bank hat ein rasantes Wachstum hingelegt, genießt aber alles andere als einen tadellosen Ruf.

Schon 2006 zogen die Wirtschaftsprüfer Confida und Deloitte die Testate für den Jahresabschluss 2004 zurück, weil sie verdeckte Währungsspekulationsverluste in Höhe von 325 Millionen Euro entdeckt hatten. 2007 wurden Geldwäsche-Vorwürfe laut. Die österreichische Nationalbank stellte laut Medienberichten fest, dass es kein adäquates Prüfverfahren gegeben habe, mit dem verdächtige Geldströme gestoppt werden könnten.

Zweifelhafte Geschäfte

Auch stand das Institut wegen dubioser Immobiliendeals in Kroatien unter Beschuss, in die die Bank als Finanzierer und personell verwickelt gewesen sein soll. So kaufte ein bis dahin unbekanntes Unternehmen offenbar zum Spottpreis unter Naturschutz stehende Areale an der istrischen Küste, die dann in Tourismusgebiete umgewidmet wurden und ihren Wert verzweihundertfachten. Aufsichtsratsvorsitzende des Käufers war zufällig die örtliche HGAA-Chefin.

Bankchef Wolfgang Kulterer musste 2006 seinen Hut nehmen und wurde im November 2008 wegen Bilanzfälschung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Auch deutsche Unternehmen schätzten die HGAA als Kreditgeber, der mal ein Auge zudrückt. Im September 2007 etwa berichtet Dieter Heisig, Lebensgefährte der Neckermann-Nichte Marlene, in einem Zeitungsgespräch von seinen Erfahrungen mit der Kärntner Bank. Nur zu gerne habe diese seine Biodieselanlagen mit zweistelligen Millionensummen finanziert, während deutsche Institut das Projekt unisono abgelehnt hätten. Heisig hatte beim Reiten einen HGAA-Manager kennen gelernt.

Nach den Fehlspekulationen braucht die HGAA dringend Kapital. Im Dezember 2006 steigt eine der schillernderen Figuren der Finanzwelt ein. Tilo Berlin, ehemaliger Top-Manager der Deutschen Bank und nun Vermögensverwalter mit Sitz in Hamburg. Berlin, der nebenbei einen Bauernhof in Kärnten bewirtschaftet, hat beste Kontakte in den Adel und zu Industriellenfamilien. In seinem Aufsichtsrat sitzt auch Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch. Berlin treibt rund 250 Millionen Euro auf, um sich zehn Prozent an der HGAA zu sichern. In einem zweiten Schritt übernimmt er mit weiteren Investoren 15 weitere Prozent. „Berlin ist ein hohes Risiko eingegangen“, heißt es in seinem Umfeld.

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