Landesbanken: Eigentümerstreit sorgt bei WestLB für wackliges Fundament

Landesbanken: Eigentümerstreit sorgt bei WestLB für wackliges Fundament

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Die Zentrale der WestLB in Düsseldorf

Ein Streit der Eigentümer manövriert die WestLB in eine Sackgasse. Wie lange halten die Sparkassen noch an ihrer Landesbank fest?

Der Zeitpunkt hätte schlechter nicht sein können. Die Eigentümervertreter der WestLB, die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen und die dortigen Sparkassenvertreter, hockten am vergangenen Dienstag wieder einmal zusammen, um eine Lösung für ihre angeschlagene Landesbank zu finden. Doch mitten in die Sitzung platzten Neuigkeiten, die die Stimmung vergifteten. Die Verbandsvertreter der Sparkassen Michael Breuer und Rolf Gerlach bekamen von einem Vertrauten eine SMS. Darin hieß es, NRW-Finanzminister Helmut Linssen selbst habe einen Brief, den er vor einigen Tagen an die Eigentümer geschrieben hatte, auch verschiedenen Tageszeitungen zugesteckt. Darin schilderte er seine Vorstellungen über die Zukunft der WestLB. Ein „Vertrauensmissbrauch“ aus Sicht der Sparkässler. Die prekäre Situation der WestLB macht die Verhandlungen schon schwierig genug, jetzt stehen auch noch persönliche Animositäten im Weg.

Das Grundproblem: Die Eigentümer werden sich nicht einig, was sie mit der Bank machen sollen. Die Landesregierung fordert einen Zusammenschluss der Bank mit den Sparkassen — für die regionalen Mitgliedsinstitute ist das jedoch nicht verhandelbar; sie wehren sich gegen eine Sanierung der Bank, „die voll zulasten gesunder Sparkassen geht“, wie es in einem internen Sparkassenpapier heißt, das der WirtschaftsWoche vorliegt.

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Die WestLB ist in einer prekären Situation. Erst hatten sich Aktienhändler der Bank verzockt und einen dreistelligen Millionenverlust verursacht. Dann kam auch noch die Finanzkrise hinzu – mit der Folge, dass der Bank Abschreibungen in Milliardenhöhe drohen. Denn auch die WestLB hat in Kreditverbriefungen investiert, also jene Papiere, die derzeit unverkäuflich sind. Zwei Milliarden Euro haben die Eigentümer deshalb in ihre Landesbank gepumpt. Weitere drei Milliarden sollen folgen.

Die Landesregierung würde der WestLB gerne ein neues Geschäftsmodell verpassen, bei dem die Bank enger mit den Sparkassen zusammenrückt. Sie will etwa vereinbaren, dass 90 Prozent der Produkte, die Sparkassen für ihre Kunden einkaufen, von der WestLB kommen; Verbundquote heißt das im Fachjargon. Das brächte der WestLB allerdings nur einen geringen Mehrwert. Die Verbundquote liegt schon bei 84 Prozent. Das Geschäft mit den Sparkassen und den Geschäftskunden zusammen hat der Bank 2006 aber gerade mal einen Gewinn von 86 Millionen Euro vor Steuern eingebracht. Eine Steigerung um sechs Prozentpunkte brächte kaum etwas.

Hinzu kommt, dass auch im Verbundgeschäft Kosten anfallen, die im ausgewiesenen Ertrag noch gar nicht berücksichtigt sind, ihn unterm Strich aber weiter schmälern. Segmentübergreifende Verwaltungskosten fasst die WestLB unter dem Posten „Corporate Center“ zusammen. 2006 summierten sie sich auf satte 880 Millionen Euro, von denen ein – von der WestLB nicht ausgewiesener Anteil — im Verbundgeschäft anfällt. So entpuppt sich die als letzte Rettung gepriesene höhere Verbundquote als Luftnummer.

Die Idee einer Fusion der WestLB mit Sparkassen steht ebenfalls auf wackligem Fundament. Nach Vorstellung der Regierung soll die WestLB per Gesetz die Chance bekommen, Sparkassen zu kaufen. „Doch das lässt sich mit dem europäischen Wettbewerbsrecht nicht vereinbaren“, urteilen Experten aus dem Sparkassenlager; auch unabhängige Unternehmensberater sind skeptisch. Denn die WestLB ist eine Aktiengesellschaft, „und es lässt sich wohl kaum erklären, dass eine AG, die dem Land gehört, eine Sparkasse kaufen darf, eine AG in der Hand von Privatpersonen dagegen nicht“. Bislang sind die öffentlich-rechtlichen Institute durch die Sparkassengesetze der Länder vor Verkauf geschützt.

Eine weiterer Vorschlag ist der Zusammenschluss der NRW-Sparkassen und der WestLB unter dem Dach eines „S-Finanzverbundes“. Dann würden Sparkassen und Landesbank von den Ratingagenturen als eine Einheit betrachtet. Das würde dafür sorgen, dass das Rating der WestLB um fünf Stufen „stärker wäre als stand-alone“, heißt es in einem internen Sparkassen-Papier.

Doch: Geriete die Landesbank in neue Schwierigkeiten, würde es die Sparkassen hart treffen. Kapital würde auch für sie teurer, und das könnte „negative Auswirkungen auf die Kreditversorgung von Wirtschaft und Privaten in NRW nach sich ziehen“, fürchten die Sparkassen.

Eine Einigung der beiden Parteien ist nicht in Sicht. Das könnte die Chancen für eine weitere Lösung erhöhen: eine Schließung der Bank. „Betriebswirtschaftlich die sinnvollste Variante“, wie ein Unternehmensexperte einer internationalen Investmentbank sagt. Einzelne Teile des Instituts wie das Investmentbanking seien noch etwas wert und „könnten weiterverkauft werden“, sagt er. Der Rest müsste geschlossen werden. Die Landesregierung will es so weit nicht kommen lassen. Die Sparkassen dagegen hängen nicht mehr an der WestLB.

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