Landesbanken: HSH-Nordbank könnte noch tiefer in die Krise rutschen

Landesbanken: HSH-Nordbank könnte noch tiefer in die Krise rutschen

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Picture of the HSH Nordbank logo over the entrance to the headquarters of the German bank in Hamburg February 24, 2009. U.S. investor JC Flowers is mulling joining in a 3 billion euro ($3.8 billion) capital hike for ship financier HSH Nordbank, the finance minister of the German state of Schleswig-Holstein was quoted as saying. REUTERS/Christian Charisius (GERMANY)

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat die Vertrauensfrage gestellt, am Donnerstag wird darüber abgestimmt. Zuvor war die Selbstauflösung des Landtages in Schleswig-Holstein am Widerstand der SPD gescheitert. Der Stein des Anstoßes in Schleswig-Holstein, die HSH-Nordbank, könnte noch tiefer im Schlamassel stecken als bisher bekannt. Letzte Hoffnung ist Altmeister Hilmar Kopper, der die Bank retten soll.

Vielleicht hätte Hilmar Kopper den Vertrag von HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher nachträglich mit einer Warnung versehen sollen. Etwa: Achtung, kann Spuren von Erdnüssen enthalten! Vielleicht hätte der neue HSH-Aufsichtsratschef, der vor 15 Jahren die Verluste von Handwerksunternehmen durch die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider als „Peanuts“ abgetan hatte, so die allergischen Reaktionen lindern können, die nun die Parlamente in Hamburg und Schleswig-Holstein erschüttern. Die Länder stehen mit Milliarden für die Landesbank gerade – und die Aufregung um Sonderzahlungen für Nonnenmacher gab den Anstoß für den Bruch der großen Koalition in Schleswig-Holstein. CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen will Neuwahlen noch im Herbst.

Knapp drei Millionen Euro erhält Nonnenmacher als Sonderzahlung  — ziemlich viel für den Chef einer Bank, die nur Milliardenhilfen der an ihr beteiligten Bundesländer und eine Garantie des Bankenrettungsfonds Soffin vor dem Untergang bewahrt haben. Mittendrin im Schlamassel sitzt seit rund zwei Wochen der Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper.

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Der kann nichts für die Prämie, die im November vergangenen Jahres vom Präsidium des Aufsichtsrats beschlossen wurde, um Nonnenmacher seinen Vierfachjob zu versüßen: Der HSH-Chef ist nach der Entlassung mehrerer TopManager auch Finanz-, Risiko- und Organisationsvorstand. Die aktuelle Aufregung dürfte Kopper einen Vorgeschmack darauf geben, was ihn erwartet: eine selbst für den krisenerprobten Manager neue Melange aus politischen Interessen, Wahlkampftaktik und Intransparenz einer Landesbank, die sich mit strukturierten Wertpapieren verzockt hat, in deren Büchern weitere Milliardenrisiken schlummern und die seit Monaten auf der Suche nach einer neuen Führungsmannschaft ist. Es ist der schwerste Job in Koppers Karriere, und das Risiko, dass er scheitert, ist hoch.

Warum tut sich Kopper das an?

Die Lage bei der HSH könnte sich noch schlechter entwickeln als bisher bekannt. „Ich habe Hinweise, dass die Kernkapitalquote der Bank von derzeit neun Prozent nach internen Berechnungen schon in diesem Jahr wieder unter fünf Prozent sinken könnte“, sagt der ehemalige schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette. Die Bank wollte das nicht kommentieren.

Marnette hatte im März seinen Hut genommen, nach eigenen Aussagen, weil er den Sanierungsplan für die HSH nicht mit- tragen wollte. Rutscht die Kernkapitalquote unter vier Prozent, müsste die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Bank schließen. Marnette fürchtet, dass weitere Milliardenspritzen notwendig sein werden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es dieses Jahr noch ein böses Erwachen gibt. Ich habe nur den Eindruck, dass man versucht, dieses Erwachen bis hinter die Bundestagswahl zu verschieben.“

Warum, so fragen sich viele, tut sich Kopper mit 74 Jahren dann noch einmal so einen Job an? Selbst alte Weggefährten hat sein Comeback überrascht, außer einem vagen „Er will noch einmal etwas bewegen“ fällt auch ihnen keine Erklärung ein.

"Mr. Deutschland AG" ist zurück

Das Vertriebenenkind, das seine Karriere in der Nachkriegszeit mit einer Lehre bei einem Vorgängerinstitut der Deutschen Bank in Köln begann und nie studierte, hat in seiner Karriere alles erreicht. Kopper hat den Wandel des Instituts zur globalen Investmentbank angestoßen, „Mr. Deutschland AG“ saß in wichtigen Aufsichtsräten, insgesamt 61 Mandate hatte er im Lauf der Jahre inne, darunter bei Weltkonzernen wie Unilever, Xerox und Akzo Nobel.

2007 gab Kopper sein letztes Amt als Chefkontrolleur von DaimlerChrysler auf. Nun meinten alle, er würde sich den Privilegien eines Bankers im Ruhestand widmen. Er würde seine Hobbys Wandern und Lesen pflegen, ab und zu in seinem Vorstandsbüro in der Deutschen Bank vorbeischauen, als Vorsitzender der Freunde und Förderer der Frankfurter Goethe-Universität den Wohltäter geben und ansonsten mit seiner zweiten Frau Brigitte Seebacher-Brandt, der rührigen Witwe des Ex-Bundeskanzlers, den Herbst des Lebens genießen.

Das geruhsame Dasein hat dem bodenständigen Kopper, den Bekannte als „Macher, der sich nicht gerne in Details verliert“ beschreiben, offenbar nicht gereicht. Eine Ahnung davon, dass er sich weiter einmischen will, bekam die Öffentlichkeit im vergangenen Herbst. Als sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise kein aktiver Banker ins Fernsehen wagte, tauchte auf einmal Kopper in den Talkshows auf und dozierte mit hochrotem Kopf über gierige Privatanleger und unsinnige Zertifikate, von denen er selbstredend kein Einziges besitze.

Nun soll der erfahrene Banker helfen, die Landesbank, die von einem Eklat zum » nächsten schlittert, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Das ist beileibe kein Ehrenamt. „Das ist ein 24-Stunden-Job“, sagt ein Banker.

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