Als Alexander Stuhlmann und Dietrich Rümker vor drei Jahren die Hamburgische Landesbank und die Landesbank Schleswig-Holstein zusammenführten, haben die beiden Vordenker einen neuen Namen für das fusionierte Institut gesucht. Die Wahl fiel schließlich auf HSH Nordbank. „Wir haben bewusst auf die Bezeichnung Landesbank verzichtet“, erinnert sich Stuhlmann, heute Vorstandschef des vereinigten Kreditinstituts. Damit ist das Institut im hohen Norden das einzige, das zumindest im Namen die Verbindung zu seinen Wurzeln gekappt hat. Alle anderen zehn Geldhäuser, die als Bank ihrer Bundesländer sowie als Verrechnungs- und Refinanzierungsstelle der regionalen Sparkassen gegründet wurden, firmieren noch immer als Landesbank oder zumindest unter der Abkürzung LB. Dabei schrumpfen die Gemeinsamkeiten zwischen Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), WestLB, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) oder SaarLB stetig. „Die Landesbanken sind längst keine homogene Gruppe mehr“, sagt Thomas von Lüpke, Chefbankenanalyst bei der Ratingagentur Fitch. Seit dem Wegfall der Staatsgarantien im Juli des vergangenen Jahres entwickeln alle Institute neue Geschäftsmodelle und entfernen sich immer weiter voneinander. „Jede Landesbank konzentriert sich auf ihre Stärken“, sagt Stuhlmann. Gemeinsam ist den Mitgliedern der Bankengruppe weiter die enge Bindung an die Bundesländer. Obwohl die Länder nicht mehr für die Institute haften müssen, halten die Regierungen an den Anteilspaketen fest. Fünf von elf Instituten sind noch immer mehrheitlich im Besitz von Bundesländern. Ganz unterschiedliche Auffassungen haben die einzelnen Landesbanken hingegen darüber, was ihre Aufgabe ist. In einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter den Instituten beschreiben sich die meisten in irgendeiner Form als „Regionalbank“, doch die Ausprägungen weichen deutlich voneinander ab. Die SaarLB hebt ihre Aufgabe als „Kreditbank“ hervor, die Sachsen LB bezeichnet sich als „Verbund- und Spezialbank“, WestLB und Bremer Landesbank charakterisieren sich als „Geschäftsbank“, die Bayerische Landesbank (BayernLB) nennt sich ganz allgemein „Finanzdienstleister“, die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) und die Landesbank Berlin (LBB) sehen sich als „Universalbanken“. Die Bandbreite der Selbstbeschreibungen zeigt, dass die Landesbanken kein einheitliches Profil mehr haben. Die Verwurzelung in der Region und die Funktion als Verbundbank der Sparkassen ergeben sich aus der historischen Funktionsbeschreibung. „Wir haben immer weniger den Charakter einer klassischen Landesbank“, sagt Siegfried Jaschinski, Chef der LBBW, der größten deutschen Landesbank. Sein Haus sieht sich als „Universalbank und internationale Geschäftsbank“ und will so vor allem den Abschied von der alten Aufgabe als staatseigene Förderbank deutlich machen. Noch auffälliger wird die Spannbreite bei den Geschäftsfeldern. Die Sachsen LB kommt mit den Bereichen Kredit- und Kapitalmarktgeschäft aus. Die BayernLB braucht hingegen zehn Segmente, um ihre Tätigkeiten im In- und Ausland abzubilden. Und auch die Schwerpunkte unterscheiden sich erheblich. Nach der reinen Lehre der Sparkassenfamilie sollten sich die Landesbanken vor allem um die Geschäfte kümmern, für die die Sparkassen allein zu klein sind. Die Girozentralen in den Landeshauptstädten sollen also beispielsweise große Kunden bedienen, den Zugang zum Kapitalmarkt sichern und die Finanzierungen ins Ausland begleiten. Tatsächlich nennt nur die Helaba das Segment Großkunden und Investmentbanking als ihr wichtigstes Geschäftsfeld. Für die Sachsen LB und die WestLB, die gerade über ihre Zusammenarbeit sprechen, ist das Kapitalmarktgeschäft, das bei den Düsseldorfern Investmentbanking heißt, besonders bedeutend. Allerdings sind sie nach Volumen von den Marktführern Goldman Sachs oder Deutsche Bank weit entfernt. Für vier Landesbanken, BayernLB und ihre Beteiligung SaarLB, LBBW und ihre Tochter Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), hat das Geschäft mit Unternehmen Vorrang. Für die Nord/LB und ihre Tochter Bremer Landesbank stehen Spezialfinanzierungen im Vordergrund. Dahinter verbergen sich Großkredite für Immobilien, Flugzeuge oder Anlagen. Ein noch spezielleres Hauptgeschäftsfeld hat Stuhlmanns HSH Nordbank Shipping, also die Finanzierung von Schiffen. Dass die Landesbank Berlin, die nach dem Verkauf der Berliner Bank an die Deutsche Bank den Kern der Bankgesellschaft Berlin bildet, längst eine Sonderrolle spielt, zeigt auch ihr wichtigstes Geschäftsfeld. Die LBB kümmert sich vor allem um private Kunden. Das ist eigentlich die Kernaufgabe der Sparkassen. Zwar haben sich die Landesbanken „den Sparkassen ihrer Region angenähert“, sagt Analyst Lüpke. Nahezu alle Institute beteuern die „elementare Bedeutung“ des Geschäftes mit den Sparkassen, doch nur wenige Landesbanken können die Ergebnisse der verstärkten Kooperation beziffern. Den engen Verbund der Landesbanken, die in der Vergangenheit vor allem Großgeschäfte übernahmen, und den Sparkassen, die sich um die Kleinkunden kümmerten, fordern vor allem Lüpke und seine Kollegen von den Ratingagenturen. Mit der Kombination sollen die laufenden Erträge stabilisiert werden. Wie weit die Zusammenarbeit gehen darf, ist einer der gärenden Konflikte innerhalb der Sparkassenorganisation. Die meisten Landesbanken haben bislang nur Vereinbarungen über die Zusammenarbeit mit den Sparkassen abgeschlossen, hingegen haben sich Helaba, LBBW und Nord/LB Sparkassen einverleibt. Helaba-Chef Günther Merl erwartet, dass es in den kommenden Jahren zu „stärker institutionalisierten Formen der Zusammenarbeit bis hin zu Fusionen oder Beteiligungen mit der jeweiligen Landesbank kommen wird“. Das Integrationsmodell wird sich seiner Meinung nach also durchsetzen. Denn die Erfolge der lockeren Kooperation lassen sich nur schwer messen. Relativ einfach lässt sich noch die so genannte Verbundquote ermitteln – diese Kennzahl misst, wie oft Sparkassen die Angebote der Landesbank nutzen. Danach kommen die Helaba, die LBBW und die WestLB über alle Produktgruppen auf eine Durchschnittsquote von mehr als 70 Prozent. Bei der SachsenLB variiert die Quote je nach Geschäftsfeld zwischen 35 und 90 Prozent.
Landesbanken: In voller Fahrt
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