Landesbanken: Unabhängige Leasingfirmen unter Druck

Landesbanken: Unabhängige Leasingfirmen unter Druck

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HSH Nordbank: Die Landesbank hat sich Ende 2008 aus dem Leasinggeschäft zurückgezogen

Unabhängige Leasinggesellschaften geraten unter Druck, weil Landesbanken die Finanzierung zurückfahren.

Auch wenn er selbst einmal Banker war, auf die deutschen Landesbanken ist Johann Wolbert derzeit nicht gut zu sprechen. Der Vorstandschef von Albis Finance in Hamburg, einem der großen unabhängigen Leasinganbieter, erlebt gerade auf der anderen Seite des Schreibtisches, was es heißt, wenn die Landesbanken ihre Bilanzen verkleinern müssen und sich deshalb aus vielen kapitalintensiven Geschäften zurückziehen. Dazu zählt auch der Abzug von Mitteln für Leasinggesellschaften. Die finanzieren so gut wie alles, was Unternehmen – allen voran Mittelständler – unbedingt benötigen: Fuhrparks, IT, Maschinen, Immobilien.

„Erst zog sich Ende vergangenen Jahres die HSH Nordbank aus der Leasingrefinanzierung zurück. Vor Kurzem teilte uns dann auch noch die LBBW mit, dass sie für die Refinanzierung nicht mehr zur Verfügung stehe“, sagt Ex-Dresdner-Bank-Manager Wolbert. „Ich frage mich, wie das damit zusammenpasst, dass die Landesbanken sich doch alle zu großen Mittelstandsfinanzierern wandeln wollen.“

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"Die Lage ist dramatisch"

Wie Albis ergeht es derzeit vielen Leasinggesellschaften. Besonders hart trifft es diejenigen, die nicht an einer Bank oder einem Hersteller hängen. Während Leasinganbieter wie die Mercedes-Benz-Bank sich über Kundeneinlagen refinanzieren und den Mittelzufluss etwa über attraktive Tagesgeldkonditionen erhöhen können, steht den unabhängigen Leasinggesellschaften, die derzeit für rund sieben Milliarden Euro Leasingvolumen stehen, dieser Weg nicht offen.

"Die Lage ist dramatisch", warnt Friedhelm Westebbe, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasingunternehmen (BDL). Im kommenden Jahr, so Westebbe, sei zu befürchten, dass sich die Situation der Branche noch einmal verschlimmern werde. Die Folge sei, dass sich Leasinggesellschaften aus dem Markt zurückzögen, was die Situation für mittelständische Unternehmen erschwere, Investitionen über Leasing zu finanzieren.

„Es gibt kaum noch zwei Handvoll Banken, die derzeit Leasingrefinanzierung anbieten“, sagt Gerhard Fischer, Chef des Leasinganbieters Leasetrend in München. Nicht nur die Landesbanken zögen sich zurück, sondern auch immer mehr andere Institute.

KFW-Hilfe als Rohrkrepierer

Eigentlich will die staatliche KfW-Bank den Leasinggesellschaften helfen, indem sie den unabhängigen unter ihnen seit September den Zugang zum „KfW-Sonderprogramm – Mittelständische Unternehmen“ gewährt. Doch das Angebot erweise sich als „Rohrkrepierer“, klagt BDL-Geschäftsführer Westebbe, weil es an den Erfordernissen der Leasingbranche vorbeigehe. So sei etwa die Laufzeit der KfW-Kredite für Leasinggesellschaften zu kurz. In den kommenden Tagen wolle der Verband mit KfW-Vertretern sprechen, ob die KfW andere Konditionen oder ein anderes Programm anbieten könne.

Albis Leasing will nicht so lange warten und hat vor Kurzem Anteile an der Essener Privatbank Galinat gekauft, um ihre Refinanzierungsbasis zu verbreitern. Etwa ein Drittel der eigenen Refinanzierung soll künftig über die Bank laufen. Außerdem solle die Bank auch anderen Leasinganbietern offenstehen. Wolbert: „Wir werden durch die Bank auch die Möglichkeit haben, einen direkten Zugang zur Europäischen Zentralbank zu erhalten.“ Das soll den finanziellen Druck mittelfristig senken.

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