
Was haben Sie einem Partner zu bieten?
Jede Menge: Die Kernbank ist ja nicht am grünen Tisch entstanden, sondern wir fokussieren uns auf unsere Kernkompetenzen, sind aus Randbereichen ausgestiegen, haben keine Leichen mehr im Keller und im Gegensatz zu manchen anderen das Schlimmste schon hinter uns. Wir haben – und das ist vielleicht neu für die WestLB – Entscheidungen nicht nur getroffen, sondern auch sichergestellt, dass sie durchgesetzt werden. Wir haben die Auflagen der Europäischen Kommission genutzt, um alte Zöpfe abzuschneiden wie teure Kostenstrukturen oder historische Personalgestaltungsmodelle
Elegant ausgedrückt. Was meinen Sie?
Zum Beispiel Vorruhestandsregelungen aus einer anderen Zeit.
Unternehmensberater brüten schon über Planspielen für eine WestLB-Zerschlagung. Lohnt sich die Mühe?
Nein, Sie können davon ausgehen, dass sich der Soffin, das Land und die Sparkassen genau überlegt haben, worin sie über Jahre Milliarden investieren. Das neue Geschäftsmodell wurde von allen Beteiligten umfassenden Stresstests unterzogen und für sinnvoll befunden. Wir haben uns notgedrungen mehr Mühe machen müssen als viele andere, und es hat sich gelohnt. Zudem nutzt jeder neue Vorstandsvorsitzende die Chance, Kehraus zu machen.
Nach Auflage der EU müssen Sie zwei Töchter verkaufen: Die Westdeutsche Immobilienbank bis zum Frühjahr 2010 und die auf Verbraucherkredite spezialisierte Readybank bis zum Frühjahr 2011. Dem Vernehmen nach rennen Ihnen die Interessenten nicht gerade die Türen ein. Würden Sie auch unter Buchwert verkaufen?
Wir könnten das tun, müssen es aber nicht. Es ist auch möglich, den Zeitrahmen zu verlängern.
Sie sind mit NRW und den zwei Sparkassenverbänden als Aktionären Diener dreier oft uneiniger Herren. Wie schwer haben Sie es mit Ihren Eigentümern?
Wir kooperieren, denn wir haben dasselbe Ziel: eine wettbewerbsfähige WestLB.
Sie steuern eine schwer angeschlagene Bank unter strengem EU-Kuratel durch die Auswirkungen der Finanzkrise, Politiker und Sparkassenfürsten im Genick. Sie müssen verkaufen, sparen, kündigen, und Ihr Gehalt ist wegen der Staatshilfen gedeckelt. Warum tun Sie sich das an?
Widerspruch: Die WestLB wurde refokussiert und redimensioniert und steht jetzt auf solidem Fundament. Im Übrigen darf man nicht eine Froschperspektive einnehmen und sich von Tag zu Tag Ziele setzen. Mein Ehrgeiz war, die Abspaltung unserer nichtstrategischen Aktivitäten in eine Abwicklungsbank gut hinzubekommen. Das hat geklappt. Nun muss die WestLB in der Konsolidierung der Landesbanken eine wichtige Rolle spielen. Zukunft kann man aktiv gestalten – auch unter diesen Voraussetzungen. Gehalt ist bei Weitem nicht der einzige Motivator, die Sache muss mir Spaß machen. Ich kann gut abschalten; wenn Sie jede Nacht schweißgebadet aufwachen, machen Sie etwas falsch. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich hier ja sogar noch Bankgeschichte?
Sie sind der sechste WestLB-Chef in sieben Jahren. Wie lange halten Sie durch?
Bis zur Rente 2023!













