Landesbanken: WestLB-Chef Voigtländer: "Keine Leichen im Keller"

InterviewLandesbanken: WestLB-Chef Voigtländer: "Keine Leichen im Keller"

von Stephanie Heise und Anke Henrich

WestLB-Chef Dietrich Voigtländer über falsche politische Rücksichtnahmen, abgeschnittene Zöpfe und berechtigte Boni trotz Staatshilfe.

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Dietrich Voigtländer

WirtschaftsWoche: Herr Voigtländer, Sie haben die Führung der WestLB 2008 mitten in der Finanzkrise übernommen. Seitdem bekommen Sie Druck von allen Seiten. Können Sie der Krise eigentlich etwas Gutes abgewinnen?

Voigtländer: Ohne sie gäbe es den nötigen wirtschaftlichen und politischen Handlungsbedarf in den Ländern und auch im Bund nicht, den Landesbanksektor neu aufzustellen. Wir sind jetzt in einer neuen Bankenepoche. Der Nutzen für den Kunden muss wieder im Vordergrund stehen. Dieser Erkenntnisprozess ist bei dem einen fortgeschrittener als bei dem anderen.

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Wie viel Handlungsspielraum haben Sie denn bei all den restriktiven EU-Vorgaben?

Naheliegenderweise setzen wir die Vorgaben konsequent um, sind davon aber ehrlicherweise nicht immer begeistert, zum Beispiel davon, unsere Niederlassung Paris schließen zu müssen – in der Hauptstadt eines Landes, das seine Unternehmen finanziell und politisch bestens unterstützt. Aber die EU-Eckpunkte waren mir bei meinem Start ja bekannt: Kosten sparen, Personal abbauen, Standorte schließen. Ich habe in meinen 25 Jahren bei den Genossenschaftsbanken 17 Konsolidierungen in allen Varianten hinter mir und dabei gelernt, nicht die Nerven zu verlieren.

Jahrzehntelang mussten WestLB-Chefs oft den teuren Wünschen der NRW-Landespolitiker folgen. Glauben Sie an Besserung?

Schauen Sie ins Aktienrecht: Dort steht, Entscheidungen trifft der Vorstand. Bisher habe ich noch keinen Druck verspürt. Wir sind nicht zuständig für Strukturpolitik. Dafür hat das Land eine Förderbank. Natürlich hat das Land als Miteigentümerin der WestLB ein substanzielles Interesse, sein Eigentum zu schützen. Falsche Rücksichtnahmen kann sich aber keine Landesregierung mehr leisten.

Wird jetzt mit Kreditvergaben keine Politik mehr gemacht?

Die WestLB konzentriert sich auf das Kundengeschäft, auch in kleinen und mittleren Unternehmen.

Da freuen sich aber die Sparkassen...

Keine Sorge, wir arbeiten mit allen Sparkassen der Region vertrauensvoll zusammen, sind zufrieden und möchten das ausbauen. Das macht zurzeit 18 Prozent unserer Erträge aus. Die WestLB konzentriert sich auf die Kreditversorgung deutscher Unternehmen mit Krediten und Kapitalmarktprodukten, finanziert – auch international – Energie- oder Infrastrukturprojekte und strukturiert Finanzprodukte wie Asset Backed Securities.

Waren die nicht gerade noch Teufelszeug?

Solche gebündelten und weiterverkauften Kreditpapiere bleiben sinnvoll, wenn sie mit realen Werten unterlegt sind. Darin haben wir Expertise. Das Vertrauen in uns ist in der Vergangenheit in anderen Bereichen belastet worden. Wir arbeiten daran, es uns zurückzuverdienen.

Sie wollen offenbar ein Musterknabe sein!

Nein, aber berechenbar und durchsetzungsfähig. Unangenehme Entscheidungen darf man nicht aussitzen, sondern muss sie frontal angehen. Unsicherheit ist für alle Beteiligten und fürs Geschäft das Schlimmste.

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