Landmaschinen-Hersteller: Agco-Chef Richenhagen: "Näher an der Bremse"

Landmaschinen-Hersteller: Agco-Chef Richenhagen: "Näher an der Bremse"

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Agco-Chef Martin Richenhagen

Martin Richenhagen, der Chef des US-Landmaschinenkonzerns Agco, zu dem der deutsche Traktorbauer Fendt gehört, über Expansion in der Krise.

WirtschaftsWoche: Herr Richenhagen, die Wirtschaftskrise greift um sich. Wie viele Traktoren und Mähdrescher werden Sie 2009 weniger verkaufen?

Richenhagen: Die Krise wird bei uns keine wesentlichen Spuren hinterlassen. Ich erwarte einen Rückgang des Umsatzes um etwa 500 Millionen auf 7,9 Milliarden Dollar und ein Absinken des Gewinns je Aktie von 4,09 auf 3 bis 3,25 Dollar. Das ist ein ganz ordentliches Ergebnis. Dieser Rückgang hat aber nichts mit der Krise zu tun. Er ist auf Sonderfaktoren in Südamerika sowie auf Wechselkursänderungen zurückzuführen.

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Sie haben entschieden, die Traktorfertigung bei Fendt im Allgäu für 170 Millionen Dollar auszubauen. Ist das Projekt durch den plötzlichen Tod von Fendt-Chef Hermann Merschrot und die Krise gefährdet?

Nein, wir treiben dieses Projekt mit Nachdruck voran. Es ist nicht schlecht, jetzt zu investieren, denn die Kreditkonditionen sind gut und die Lieferanten sind kooperativer als in guten Zeiten. Bei Fendt haben wir unser bisher größtes Einzelinvestitionsprojekt auf den Weg gebracht und wollen die Kapazität bis 2012 von bisher 15.000 auf voraussichtlich 20.000 Traktoren pro Jahr ausweiten. Das wird neue Arbeitsplätze schaffen, wie viele, kann ich noch nicht sagen. Wir haben schon 2008 Tausend neue Stellen geschaffen und beschäftigen zurzeit 15.500 Mitarbeiter. Mit Ausnahme Brasiliens, wo wir die Zeitarbeiter reduzieren, planen wir keinen Personalabbau.

Wieso investieren Sie trotz der Krise?

Weil sich die fundamentalen Voraussetzungen für die Landwirtschaft nicht verändert haben. Die Bevölkerung wächst, Ackerland bleibt ein knappes Gut, und die Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern passen sich denen in den Industrieländern immer mehr an. Es kommt hinzu, dass der Trend zu erneuerbaren Energien anhält. Die landwirtschaftliche Produktion muss in den nächsten 20 Jahren verdoppelt werden. Das verdrängen die meisten Menschen...

...und Sie verdrängen kein bisschen, dass es zurzeit den größten Konjunkturabschwung der vergangenen Jahrzehnte gibt?

Nein, wir reagieren nur auf die weltweit steigende Nachfrage nach High-Tech-Landmaschinen für professionelle Landwirte. Wir fahren mit der gleichen Geschwindigkeit, haben aber den Fuß etwas näher an der Bremse. Auch insgesamt investieren wir weiter viel in Forschung und Entwicklung und bauen in den USA Kapazitäten auf.

Wo sehen Sie denn Ihre großen Märkte?

In Russland liegen 40 Millionen Hektar brach. Das kann langfristig nicht so weitergehen. Die Weizenpreise steigen bereits. Auch Afrika wird bald ein sehr wichtiger Markt. Die haben ein gutes Klima und gute Böden sowie Bedarf und brauchen preiswerte, solide Schlepper. Wir haben das Produkt, aber noch nicht die Produktionsstrukturen. Wir schließen deshalb den Bau eines Montagewerkes in Afrika nicht aus. Das Problem ist die fehlende politische Stabilität. Der größte Schleppermarkt ist Indien. Dort sind wir mit Massey-Ferguson seit Jahrzehnten mit 23 Prozent an einem Joint Venture beteiligt. Das ist nicht ideal, weil wir eigentlich immer Mehrheitsbeteiligungen anstreben, aber sonst ist das ein Modell auch für Afrika und China.

Ist Agco überhaupt in der Lage, in der Krise einen solchen Expansionskurs zu fahren?

Man hat mir lange vorgeworfen, zu wenig aggressiv zu agieren, weil ich mich bei Firmenübernahmen und Aktienrückkäufen zurückgehalten habe. Genau das erweist sich jetzt als Vorteil. Wir stehen finanziell sehr gut da, sind grundsolide aufgestellt, nahezu schuldenfrei und haben 500 Millionen Dollar an Barmitteln.

Agco ist – trotz Ihrer Zurückhaltung – in den vergangenen 16 Jahren vor allem durch Zukäufe gewachsen. Wollen Sie davon nun abrücken?

Unsere Industrie hat sich seit 1950 stark konsolidiert. Damals gab es allein in Deutschland 125 unabhängige Traktorproduzenten. Case New Holland war lange Zeit Marktführer und gehört inzwischen zum Fiat-Konzern. Wenn Fiat Liquidität benötigt, könnte es zu einem Verkauf kommen, aber das ist spekulativ. Es gibt jedoch viele spezialisierte Nischenanbieter oder regionale Familienunternehmen mit einem Umsatz von 50 bis 200 Millionen Euro, die den richtigen Zeitpunkt zum Verkauf verpasst haben. Die interessieren uns.

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