Langzeit-Chefs: Warum jedes Unternehmen einen Jeff Bezos braucht

Langzeit-Chefs: Warum jedes Unternehmen einen Jeff Bezos braucht

, aktualisiert 22. Dezember 2016, 13:59 Uhr
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Der Amazon-Chef gehört zu den wenigen Long-Term-CEOs, die dem Druck nicht nachgeben und unbeirrt langfristige Ziele ansteuern.

von Lisa OenningQuelle:Handelsblatt Online

Weltweit gibt nur etwa ein Dutzend CEOs, die über Jahre eine klare Vision haben und den Blick fürs große Ganze behalten. Dazu gehört auch Amazon-Gründer Jeff Bezos. Eine Studie zeigt, was seinen Erfolg ausmacht.

DüsseldorfJeff Bezos ist das Aschenputtel des Einzelhandels. 1994 hatte der gelernte Informatiker die Vision, einen elektronischen Buchladen zu eröffnen. Den Lesestoff lagerte er zu diesem Zeitpunkt noch in einer Garage ein.

Heute, mehr als 20 Jahre später, ist Amazon der weltweit größte Onlinemarktplatz mit mehr als 300 Millionen Kunden. Im aktuellen Quartal rechnet Bezos mit einem Umsatz von bis zu 45 Milliarden Dollar. „Amazon beherrscht es perfekt, jedes Jahr ein anderes Unternehmen zu sein als im Jahr davor", sagt Thomas Tomkos, Managing-Direktor bei der Personalberatung Russell Reynolds Association.

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Dass Amazon mittlerweile der unangefochtene Monopolist im Onlinehandel ist, ist vor allem der Verdienst des Gründers Jeff Bezos, wie nun auch eine Studie der Personalberatung beweist. Russell Reynolds hat die Profile von 900 CEOs untersucht und kommt zu dem Ergebnis: gute Long-Term-CEOs wie Jeff Bezos oder PepsiCo-Chefin Indra Nooyi sind eine Rarität. Laut Studie besitzen nur 14 Studienteilnehmer die Fähigkeit, eine klare Zukunftsvision zu entwickeln und den Blick für das große Ganze zu behalten. „Es ist schwer, langfristig zu handeln, wenn man nicht langfristig denken kann“, sagt Tomkos.

Untersucht hat die Personalberatung dafür verschiedene Persönlichkeitseigenschaften. Die Long-Term-CEOs weisen demnach in diesen Kategorien stärkere Ausprägungen auf als der Durchschnittschef: Sie sind besonders passioniert, fokussieren sich ausschließlich auf große Probleme, sind offen gegenüber neuen Informationen und können Kunden sowie Investoren durch ihre Kommunikation von neuen Geschäftsideen begeistern.

Jeff Bezos Geschäftsidee des elektronischen Buchladens war ausgefallen und stellte sich als voller Erfolg heraus, sodass auch Investoren auf ihn aufmerksam wurden. Die Geldgeber waren auf seiner Seite und so erweiterte der heute 52-Jährige schrittweise das Sortiment. Dann folgten die Expansion in andere Länder und die Erweiterung des Services von der Prime-Mitgliedschaft über Same Day Delivery bis hin zum Fulfillment-Service.


In Europa ist Veränderung schwierig

Die meisten Long-Term-CEOs arbeiten der Untersuchung zufolge wie Jeff Bezos für US-Konzerne. Europäische Unternehmen bilden das Schlusslicht. Das liegt nach Ansicht von Tomkos daran, dass es in den USA mehr neue Geschäftsmodelle und junge Unternehmen gibt.

In Europa sei es aufgrund der vielen etablierten Geschäftsmodelle schwieriger, die Veränderung – die eine Vision nun mal mit sich bringt – durchzusetzen. Das würden beispielsweise nun vor allem die Autobauer beim Wandel – weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität – zu spüren bekommen.

„Obwohl europäische Länder in der Untersuchung schlechter abschneiden, gibt es hier vor allem viele Familienunternehmen, die sich wie beispielsweise Würth oder Herrenknecht in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt haben und so zur Nummer eins in ihrer Nische geworden sind", sagt Tomkos. Dazu zählten vor allem die Preisträger des „Hidden Champion“-Awards, den der Nachrichtensender n-tv jährlich in verschiedenen Kategorien vergibt.

Ob Jeff Bezos auch noch in 20 Jahren an der Spitze des Online-Imperiums stehen wird, mag Tomkos nicht prognostizieren. „Es ist auf jeden Fall schwer, sich als Unternehmen permanent neu zu erfinden und gleichzeitig erfolgreich sein.“ Tomkos ist überzeugt, dass Bezos permanent neue Visionäre fürs Unternehmen gewinnen muss. „Natürlich kann ein Visionär seine Idee zwei- bis dreimal in seinem Bereich weiterentwickeln.“ Doch wenn es darum gehe, in andere Geschäftsbereiche zu expandieren, seien neue Köpfe mit neuen Ideen von Nöten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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