Larry Page: Googles Kampf gegen sich selbst

Larry Page: Googles Kampf gegen sich selbst

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Larry Page

von Matthias Hohensee

Der künftige Chef, Larry Page, muss bei der Suche nach neuen Geschäften die eigene Allmacht im Web überwinden. Sonst droht ihm, wie der Softwareriese Microsoft eingeschnürt zu werden. Die Kartellwächter erhöhen schon jetzt den Druck.

Den Satz kennt inzwischen jeder in der Internet-Szene. Dass die Botschaft einer wichtigen Ergänzung bedarf, wissen nur Kenner von Google.

"Keine tägliche Aufsicht mehr durch Erwachsene nötig" – so hatte sich Eric Schmidt im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter vorvorige Woche von der Spitze des Suchmaschinen-Giganten verabschiedet. Der erfahrene Manager war den jungen Gründern Larry Page und Sergey Brin von Investoren im Sommer 2001 vor die Nase gesetzt worden.

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Co-Gründer Page darf Google nun zwar alleine lenken. Dafür mehren sich in der US-High-Tech-Hochburg Silicon Valley jetzt die Stimmen, dass das Unternehmen weiterhin unter Aufsicht gehöre.

"Google tritt immer aggressiver auf", sagt Gary Reback. Der einflussreiche Anwalt im Silicon Valley verlangt von den Wettbewerbsbehörden in den USA und in Europa, dass sie den Managern des mächtigen Internet-Konzerns stärker auf die Finger schauen. Reback sieht Parallelen zum wettbewerbsfeindlichen Gebaren von Microsoft in den Neunzigerjahren. Reback war es, der das Kartellverfahren gegen Microsoft ins Rollen brachte, an dessen Ende der US-Softwarekonzern Wettbewerbsauflagen akzeptieren musste, um eine Aufspaltung zu verhindern.

Einflussreiche Gegner bereiten dem künftigen Google-Chef, der im April offiziell antritt, schon jetzt Kopfschmerzen. Denn der 37-Jährige muss nicht nur das Kunststück vollbringen, seinem zwar erfolgreichen, aber zunehmend behäbigen Konzern wieder mehr unternehmerischen Elan einzuhauchen. Page muss auch Geschäfte jenseits der omnipräsenten Suchmaschine finden, die noch immer rund 70 Prozent des Umsatzes beisteuert.

Ruch des Monopolisten

Genau hierbei droht dem Konzern mit den sechs bunten Buchstaben aber das, was Microsoft Ende der Neunzigerjahre in einer ähnlichen Ausgangslage durchmachte. Gründer Bill Gates wollte sich damals mithilfe seines alles beherrschenden Betriebssystems Windows neues Wachstum verschaffen, und zwar im boomenden Internet-Geschäft. Doch der Versuch, seinen Internet-Browser direkt in Windows zu integrieren, wurde von den Aufsichtsbehörden vereitelt. Im Internet-Suchmaschinengeschäft hat Microsoft seitdem nie richtig Fuß fassen können.

Pags Handlungsspielraum ist inzwischen ähnlich beschränkt. Der Kauf aussichtsreicher Unternehmen funktioniert nicht mehr ohne Weiteres. Beispiel ITA, die Suchmaschine, die das Internet nach Flügen durchstöbert: Experten erwarten, dass das US-Justizministerium den geplanten Kauf für 700 Millionen Dollar nur mit strengen Auflagen genehmigt. Online-Reisevermarkter wie Microsoft, Travelocity und Expedia, die Daten von ITA beziehen, hatten interveniert.

Die erste große Ernüchterung musste der scheidende Google-Chef Schmidt im Frühjahr 2009 hinnehmen. Wäre es nach ihm gegangen, würde Google heute mit dem Wettbewerber Yahoo zusammenarbeiten, um Microsoft im Internet weiter klein zu halten. Doch als klar war, dass die Behörden dies ablehnen würden, blies Schmidt den Deal ab. Stattdessen kam Microsoft zum Zug und formte mit Yahoo eine Allianz. Seit August betreibt der Softwarekonzern seine Suchmaschine Bing sowie Yahoo. Den Ruch des Monopolisten ist Google dennoch nicht losgeworden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Comscore liefen im Dezember in den USA 67 Prozent aller Suchanfragen über Google, Microsoft und Yahoo kamen zusammen nur auf 28 Prozent.

Mögliches Kartellverfahren

Noch mehr Druck bekommt Google von der europäischen Wettbewerbsbehörde. Kurz vor Weihnachten verschickten die EU-Kartellwächter streng vertrauliche Fragebögen an 120 Unternehmen in den USA und Europa und baten um E-Mails und Gesprächsnotizen, die Belege für möglicherweise wettbewerbswidriges Verhalten von Google enthalten. Die angeschriebenen Unternehmen müssen bis 11. Februar antworten. Die Fahnder wollen klären, ob Google – wie unter anderem vom Preisvergleichsspezialisten Ciao.com behauptet – seine Suchergebnisse manipuliert hat, um Wettbewerbern zu schaden, oder Unternehmen auf diese Weise sogar erpresst hat.

"Die wollen unter anderem wissen, ob Google uns eine bessere Platzierung versprochen hat, wenn wir stärker werben", sagt der Vertreter eines angeschriebenen Unternehmens.

In Brüssel wird damit gerechnet, dass die Kommission möglicherweise 2012 den nächsten Schritt, ein Kartellverfahren, einleitet und dann ein "Statement of Objection" versendet. Darin würden Beweise gegen Google dargelegt. Für EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia geht es in dem Fall Google um Grundsätzliches: "Ich glaube, dass das Prinzip Wettbewerb in der digitalen Ökonomie mit demselben Nachdruck gewahrt werden muss, wie in der nicht virtuellen Welt."

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