Leasingfinanzierung: Daimler und BMW: Restwertblase geplatzt

KommentarLeasingfinanzierung: Daimler und BMW: Restwertblase geplatzt

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner

Die erneute Gewinnwarnung von Daimler zeigt es deutlich: Auch die Stuttgarter haben sich bei den Restwerten für ihre Gebrauchten verspekuliert. Für das für Daimler und BMW so wichtige Geschäft der Leasingfinanzierung wird das dauerhafte Konsequenzen haben – für viele Dienstwagenfahrer auch.

Keine schöne Zahl, die da in fetten Klammern auf Seite Sieben des aktuellsten Konzernlageberichts steht: 449 Millionen Euro – so viel musste allein die Mercedes Pkw-Sparte im dritten Quartal zurückstellen, weil die Restwerte von Fahrzeugen zu hoch angesetzt worden waren, die bei Mercedes im Leasinggeschäft unterwegs sind und nach Ablauf der Leasingzeit wieder als Gebrauchte an den Mann gebracht werden müssen. Das gleiche Phänomen durften wir kürzlich schon bei BMW beobachten. Die Münchner mussten 700 Millionen Euro zurückstellen, weil ihre Annahmen vor allem in den USA utopisch waren.

Zugegeben: BMW und Daimler konnten nicht unbedingt ahnen, dass die Gebrauchtwagenpreise vor allem in den USA einmal derart unter Druck geraten würden. Dass hier ein Problem auf sie zurollt, war aber schon seit längerem nicht zu übersehen. Hohe Restwertannahmen sind schon seit Jahren ein äußerst beliebtes Instrument, um die Luxuskarossen von BMW, Audi und Mercedes an den Mann zu bringen. Und hier wurde bereits in der Vergangenheit viel Schindluder getrieben. Für die Leasingrate, für die etwa BMW in der Vergangenheit zeitweise den 7er anbot, gab es andernorts gerade mal einen Mittelklasse-Japaner. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass sich so etwas auch mit den kühnsten Restwertannahmen nicht rechnen kann.

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Doch das Spiel wurde munter weiter getrieben: Anstatt offen mit Rabatten zu werben, unterboten sich die so genannten Premiumhersteller lieber etwas unauffälliger bei der Leasingrate. So konnten sich viele einen Audi A4, eine Mercedes C-Klasse oder 3er BMW leisten, deren Gehalt ein solches Fahrzeug eigentlich nicht hergibt. Der Marktanteil von 30 Prozent Premiumautos in Deutschland verrät, dass das Angebot auch gern genutzt wurde.

Für die Hersteller galt derweil: Hauptsache ein Auto kommt vom Hof. In drei Jahren kann man dann ja mal schauen, zu welchem Preis es sich noch verkaufen lässt. Notfalls wurde die Fuhre halt nach Osteuropa geschippert, wo die Gebrauchtwagenpreise etwas höher waren. Doch auch die Aufnahmekapazitäten der Schwellenländer sind nicht grenzenlos und ewig kann die Karawane auch nicht weiter gen Osten ziehen – dann landet sie nämlich irgendwann wieder im Westen.

Jetzt erhalten die Hersteller die Quittung für das riskante Spiel. Und weil derzeit auch Geld für die Refinanzierung des Leasinggeschäfts teurer wird, weil immer mehr Banken aus der Leasingfinanzierung aussteigen, sollte jetzt klar sein: So kann es nicht weitergehen.

Die Premium-Hersteller müssen sich jetzt ernsthaft überlegen, wie eine realistische Leasingrate aussehen muss und mit welchen anderen Argumenten sie die Dienstwagenfahrer locken können, zum Beispiel mit niedrigeren Unterhaltskosten. Einen 5er BMW oder Audi A6 zum Discountpreis sollte es dagegen künftig nicht mehr geben, wenn am Ende ein profitables Geschäft stehen soll. Der Chef des Leasing-Anbieters LeaseTrend, Gerhard Fischer, rechnet übrigens schon jetzt mit einem prozentual zweistelligen Anstieg der Leasingraten. Für viele Dienstwagenfahrer dürfte das allerdings auch bedeuten, dass sie künftig vielleicht eine Fahrzeugklasse niedriger unterwegs sind.

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