Lebensmittel: Böser Geist bei der Bio-Kette Basic

Lebensmittel: Böser Geist bei der Bio-Kette Basic

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Kundin in einer Basic-Filiale in Frankfurt: Sauberes Öko-Image nachhaltig ramponiert

Zwei Firmengründer im Stellungskrieg, ein Rausschmiss mit Folgen – nach dem Ausstieg des Discounters Lidl tobt bei der Bio-Kette Basic ein interner Machtkampf.

Ein Kabelbrand? Ein Kiffer-Treffen? Als der beißend süße Geruch aus dem Vorstandsbüro in der ersten Etage strömt, sind die Mitarbeiter in der Münchner Zentrale der Bio-Kette Basic sofort alarmiert. Doch auf Nachfrage, so berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter, habe die Sekretärin erklärt, niemand brauche sich Sorgen zu machen. Basic-Mitgründer Georg Schweisfurth, der seit Kurzem in dem Büro residiert, verbrenne nur etwas Salbei, um den bösen Geist seines Vorgängers Johannes Priemeier aus dem Zimmer zu treiben.

Schweisfurth will sich zu der Anekdote nicht äußern. Gebracht hat sein Ritual ohnehin wenig: Priemeier, bis November Finanzvorstand bei Basic, spukt weiter durch die Bio-Läden und entfaltet bei der Öko-Truppe mittlerweile eine Wirkung, die dort sonst nur Genmais des US-Konzerns Monsanto erzielen würde – Zwietracht, Wut und Ärger. Zwischen den beiden tobt ein bühnenreifer Kampf um die Macht im Reiche Bio.

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Angefangen hat alles vor acht Monaten. Im Juli 2007 wird bekannt, dass die Schwarz-Gruppe, zu der die umstrittene Discount-Kette Lidl gehört, 23 Prozent von Basic übernommen hat. Ein Sturm der Entrüstung bricht los: Kunden boykottieren Basic, Lieferanten kündigen die Zusammenarbeit auf. Auch intern wächst der Widerstand. Schweisfurth, der rund 22 Prozent an Basic hält, stellt sich an die Spitze der Lidl-Gegner. Am 9. November kapituliert die Schwarz-Gruppe und erklärt, sie werde sich aus dem Aktionärskreis zurückziehen. Kurz zuvor wurde Priemeier entmachtet.

Der hatte gemeinsam mit Basic-Vorstandschef Joseph Spanrunft den Lidl-Deal eingefädelt. Doch während Spanrunft rechtzeitig ins Lager der Lidl-Gegner wechselte, erhält Priemeier seitdem die Quittung: Am 5. November listete der Basic-Aufsichtsrat in einen 14-Punkte-Katalog angebliche Verfehlungen Priemeiers auf. Der Finanzvorstand, so heißt es darin, sei nicht nur für den Ansehensverlust von Basic verantwortlich. Es bestehe auch der „Verdacht auf Untreuehandlungen zulasten der Basic AG“ – ein Todesurteil für den Manager. In den Unterlagen seien überhöhte Handwerkerrechnungen über eine Gesamtsumme von 1.173.000 Euro gefunden worden, heißt es im Aufsichtsratsbeschluss nebulös.

Ob es gerichtsfeste Belege für die These gibt, scheint fraglich. Doch statt Priemeier Gelegenheit zur Aufklärung zu geben, wird dieser, wie sein Anwalt später schreibt, „unter entwürdigenden Umständen“ als Vorstand abberufen, muss sein Büro sofort räumen und erhält Hausverbot bei Basic.

Eine folgenschwere Entscheidung, denn Priemeier hatte als Finanzvorstand nicht nur besten Einblick in die Bücher. Er ist zugleich auch einer der Unternehmensgründer und der größte Einzelaktionär. Gemeinsam mit seiner Familie hält er 25,6 Prozent der Basic-Anteile. Den Untreueverdacht weist er als „völlig absurd“ von sich.

Von Basic will sich dazu niemand offiziell äußern. Doch der ehemalige Aufsichtsrat Theodor Häni sagt: „Wir hätten besser prüfen müssen.“ Er sei „durch eine falsche Information“ zur Stimmabgabe veranlasst worden und ziehe daher sein Votum gegen Priemeier wieder zurück. Priemeiers Gegner Schweisfurth vermutet hinter Hänis Meinungswandel indes „persönliche Interessen“ und ist sicher: „Der Aufsichtsrat der Basic AG steht nach wie vor zur Entlassung von Herrn Priemeier“. Nun muss das Münchner Arbeitsgericht entscheiden, wo Priemeier Klage eingereicht hat.

Vor Gericht dürften sich die Basic-Eigner demnächst öfter sehen. In mittlerweile vier Verfahren befehden sich die Kontrahenten. Neben dem Streit um den Rausschmiss geht es um einen Arrest auf Priemeiers Privatvermögen, den Basic erwirkt hat – unter anderem wegen Fluchtgefahr. Priemeier klagt dagegen. Zudem hat er Beschwerde gegen die Bestellung Schweisfurths zum Mitglied des Aufsichtsrates eingereicht und geht gegen eine geplante Neuordnung des Gremiums vor.

Der Grabenkrieg der beiden größten Aktionäre bindet unterdessen Kräfte, die das Unternehmen dringend braucht. Denn das einst so saubere Öko-Image ist durch die Lidl-Liaison noch immer ramponiert. 2007 verbuchte das Unternehmen laut Insidern einen Umsatz von rund 87 Millionen Euro in Deutschland, geplant waren fast 13 Millionen Euro mehr. Zugleich musste Basic offenbar einem Verlust von rund vier Millionen Euro verkraften. Die Zahlen will Basic nicht kommentieren, bestätigt aber, dass es Umsatzeinbußen gab.

Schlimmer noch: Das Grundproblem des Unternehmens ist ungelöst. Denn nach wie vor hält die Schwarz-Gruppe 23 Prozent der Basic-Anteile. In den nächsten Tagen will die Bio-Kette endlich einen Käufer für das Aktien-Paket präsentieren. Im Gespräch ist dabei eine Pool-Lösung von mehreren Investoren, die sich beteiligen sollen. Aber auch mit dem Bio-Großhändler Denree aus dem oberfränkischen Töpen soll die Schwarz-Gruppe verhandelt haben. Die Zeit drängt: Findet Basic nicht bald einen ökologisch-korrekten Käufer, könnte die sensible Kundschaft erneut auf die Barrikaden gehen.

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