Lebensmittel: Ende des Bio-Booms

Lebensmittel: Ende des Bio-Booms

von Mario Brück

Dämpfer für die erfolgsverwöhnte Bio-Branche: Nachdem es fast zwölf Jahre hoch her ging, ist jetzt Stagnation angesagt. Vor allem bei Aldi, Rewe & Co. wird weniger mit ökologischen Lebensmitteln erlöst. Der Anfang vom Ende des Öko-Trends ist das aber noch lange nicht.

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Lange Zeit waren Bio-Produkte der absolute Renner. Doch im Krisenjahr 2009 bliebn auch sie in den Regalen.

Umweltschützer und Bio-Hersteller machen immer mehr Druck auf die Politik, eine Agrarwende einzuleiten – zum Wohl für Mensch, Tier und Klima. "In Kopenhagen wurde nicht über Landwirtschaft gesprochen und auf der Grünen Woche ist weder von Biolandwirtschaft noch von Klimaschutz die Rede", schimpft Thomas Dosch, Präsident von Bioland Deutschland, im Vorfeld der 75. Grünen Woche in Berlin. Dabei ist für Dosch gerade der Biolandbau die Klimaschutzavantgarde in der globalen Landwirtschaft. Biobauern würden weniger fossile Energie nutzen, durch natürliche Düngung Stickstoffemissionen vermeiden und gleichzeitig Naturschutz und Biodiversität stärken.

An den philantrophen Absichten der Branche hegt niemand Zweifel. Nur: Genutzt haben sie im Krisenjahr 2009 auch nicht. Auch an der Bio-Branche ist der Krisen-Tornado nicht ohne Verwüstungen vorbei gezogen.

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Ende des 12-jährigen Wachstums

Zum Auftakt der Grünen Woche legte die Branche neue Zahlen vor. Während der gesamte Lebensmittelmarkt 2,4 Prozent Umsatz einbüßte, wird bei den Bio-Produzenten über genaue Zahlen noch spekuliert, da die Daten für Dezember noch nicht endgültig aufgearbeitet wurden. 

Doch Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft ist sich sicher, dass 2009 das so gewohnte Plus vor den Umsatzzahlen der Biobranche fehlen wird – seit über 12 Jahren zum ersten Mal. Eher werde der Gesamtumsatz der Branche unter den rund sechs Milliarden Euro Erlösen aus dem Vorjahr liegen, prognostiziert Behr.

Ganz anders war es in der Boom-Phase 2002 bis 2005, als immer mehr Öko-Lebensmittel auf den Markt schwemmten – mit Wachstumsraten von 20 Prozent und mehr. Selbst 2008 ist der Markt trotz Krise immerhin noch um 10 Prozent gewachsen. Jetzt bleibt der Umsatz erst mal da, wo er ist.

In der Branche will man das jedoch noch nicht endgültig wahrhaben. Götz Rehn, Geschäftsführer von Alnatura und Mitglied des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) glaubt, dass es doch noch zu einem kleinen Umsatzzuwachs reichen könnte. Denn klar sei schon jetzt, dass der Fachhandel vier Prozent über den Einnahmen von 2008 liegen werde.

Rotstift kreist auch bei Bio-Produkten

Die Gesamtbilanz für das vergangene Jahr hängt also nun davon ab, wie stark die Einbußen bei den Bioprodukten sind, die in Discountern wie Aldi, Plus und Lidl und großen Lebensmittelmärkten von Edeka, Rewe oder Metro (Real) verkauft werden.

Dort habe es in den letzten Monaten eine wahre "Preisschlacht" gegeben, meint Marktforscher Behr vom AMI. Auch bei Bio-Produkten haben die Billigketten beim Kampf um Marktanteile den Rotstift kreisen lassen. Allein in dieser Woche wurden bei Aldi Süd die Preise für Mozzarella, Pasta und Schnittkäse der Dachmarke „Bio“ gesenkt. Größere Mengen an Bio-Produkten sind die Discounter bei früheren Preissenkungsrunden aber offenbar trotzdem nicht losgeworden.

Durch die Preiskämpfe bei den Billigmärkten ist es sowohl zu einer leichten Einschränkung des Bio-Sortimentes, andererseits zu niedrigeren Preisen gekommen, die nicht durch mehr Verkäufe ausgeglichen werden konnten – das drückt vorrausichtlich den Gesamtumsatz. Schon im Oktober hatte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen Rückgang im Biogeschäft von bis zu zwei Prozent festgestellt.

Im Unterschied zu Massen-Bio-Lebensmitteln in Billigmärkten, die dort als Alternative zu konventionellen Lebensmitteln angeboten werden, wird in reinen Biosupermärkten oder kleinen Bioläden vor allem auf Produkte aus regionaler Herstellung und strengeren Vorschriften für den Anbau gesetzt. Doch gerade der kleine Bioladen um die Ecke hatte es laut Statistik des BÖLW 2009 besonders schwer: 100 Läden mussten im letzen Jahr schließen und nur 50 wurden bundesweit eröffnet.

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