Lebensmittel: Fleischkonzern Bell droht Ärger mit Edeka und Lidl

Lebensmittel: Fleischkonzern Bell droht Ärger mit Edeka und Lidl

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Verschiedene Wurstsorten: Bell ist zur Internationalisierung verdammt

Der Schweizer Fleischriese Bell schluckte in wenigen Wochen die deutschen Wursthersteller Zimbo und Abraham. Jetzt droht Ärger mit Edeka und Lidl.

Andreas Nieling zieht den Mundschutz herunter und brüllt gegen das Röhren der riesigen Maschinen an, die im Hintergrund Fleischstücke zu Brät zerkleinern. „25 Millionen Cervelatwürste stellen wir hier jährlich her. Aneinandergereiht sind das über 3000 Kilometer“, sagt der Leiter der Abteilung Kochpökelware beim Schweizer Fleischkonzern Bell in Basel. Von hier bis nach Moskau seien es rund 2700 Kilometer, fügt der 49-Jährige hinzu, um der gigantischen Zahl noch mehr Wucht zu verleihen.

Bell ist das größte Unternehmen der Fleischwirtschaft im Nachbarland, mehr als 90 Prozent der Schweizer kennen die Marke mit dem rot-grünen Logo. Im Herbst 2008 sorgte das hierzulande unbekannte Unternehmen auch in Deutschland für Furore: Binnen weniger Wochen schluckte Bell die deutschen Traditionsunternehmen Zimbo und Abraham und mutierte zu einem der größten hiesigen Fleischwarenhersteller. Dem droht jetzt Ärger mit den großen Lebensmittelketten Edeka und Lidl: Die stören sich daran, dass die Bell-Mutter, der Schweizer Lebensmittelhändler Coop, eng mit dem deutschen Handelsriesen Rewe zusammenarbeitet.

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Gemischtwarenladen Bell: Von Fleisch über Salate bis Müsli

Bell ist ein Gemischtwarenladen, der nicht nur Fleischwaren, sondern auch Fisch, Salate, Sandwiches und sogar Bircher Müsli anbietet. Damit lässt sich offenbar gutes Geld verdienen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des börsennotierten Fleischkonzerns um 19 Prozent auf das Rekordniveau von knapp zwei Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 1,3 Milliarden Euro). Der Reingewinn legte um gut vier Prozent auf 40 Millionen Euro zu. Bell beschäftigt rund 3300 Menschen an zehn Produktionsstandorten.

Umsatzsprung mit Fleischverarbeiter-Zukäufen

Wenn 2009 die Übernahmen des Vorjahres greifen, macht die Gruppe nochmals einen Sprung: Die Analysten von Vontobel Research rechnen zum Jahresende mit einem Umsatzschub um 36 Prozent auf umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro. Dann produziert Bell an über 25 Standorten quer durch Europa und beschäftigt mehr als doppelt so viele Mitarbeiter – erstmals mehr im Ausland als daheim in der Schweiz.

Der Fleisch- und Wurstwarenhersteller Zimbo aus Bochum, an dem sich Bell im September 2008 mit 70 Prozent beteiligte, erlöste im vergangenen Jahr 290 Millionen Euro und beschäftigt rund 1800 Mitarbeiter. Zimbo hat eine starke Marktstellung bei verpackten Wurst- und Fleischwaren und betreibt in Tschechien und Ungarn 100 Metzgereien. In Rumänien ist ein Filialnetz im Aufbau.

Wenige Wochen nach Zimbo biss Bell erneut zu und übernahm 75 Prozent am Schinkenspezialisten Gebrüder Abraham in Seevetal bei Hamburg. Für die restlichen 25 Prozent hat Bell eine Kaufoption. Mit einem Umsatz von 190 Millionen Euro und 650 Mitarbeitern gilt Abraham als Marktführer für geräucherten und luftgetrockneten Schinken in Deutschland und als einer der bedeutendsten Produzenten in Europa. In sechs Betrieben in Deutschland, Spanien und Belgien stellt Abraham jährlich rund 24.000 Tonnen regionaler Spezialitäten her und vertreibt sie in 21 Ländern Europas sowie in den USA.

Doch die Freude über den Zuwachs wird getrübt. Dabei sind nicht die Übernahmen das Problem, sondern die Bell-Mutter: der Schweizer Einzelhandelskonzern Coop, dem mehr als 60 Prozent der Bell-Aktien gehören. Coop wiederum arbeitet sehr eng mit dem Kölner Rewe-Konzern im Rahmen der europäischen Einkaufsgemeinschaft Copernic zusammen. Zudem brachte Rewe vor wenigen Monaten seine Großverbraucher- und Gastronomie-Aktivitäten in ein Joint Venture mit der Coop ein. Das Unternehmen mit dem Namen Transgourmet ist das zweitgrößte seiner Art in Europa, mit einem Umsatz von über sechs Milliarden Euro und 21.000 Mitarbeitern.

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