Lebensmittel: Preiskampf der Discounter kostet sechs Milliarden Euro

Lebensmittel: Preiskampf der Discounter kostet sechs Milliarden Euro

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ARCHIV - Eine Werbetafel weist in Düsseldorf auf erneut gesunkene Preise beim Discounter Aldi hin. 2009 war das Jahr der Preissenkungen im Lebensmittelhandel

von Mario Brück

Die Preisschlachten zwischen Aldi, Lidl & Co. haben die Verbraucher um rund sechs Milliarden Euro entlastet – die deutschen Hersteller von Lebensmitteln jedoch in das tiefste Umsatztal seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gestürzt.

Monat für Monat, insgesamt 12 mal, schlugen sich die deutschen Billigketten Aldi, Lidl, Penny und Netto im vergangenen Jahr massiv die Preise um die Ohren. Mit verheerenden Folgen für ihre Lieferanten. Die Ernährungsindustrie erzielte 2009 nach Berechnungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) einen Umsatz von 150 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichneten die Hersteller von Abraham-Schinken bis Zentis-Marmelade den stärksten Umsatzrückgang seit Bestehen der Bundesrepublik.

Gekauft wurde trotzdem nicht mehr:  Mengenmäßig blieben Produktion und Absatz von Lebensmitteln und Getränken konstant. Die deutschen Verbraucher zeigten sich – sonst höchst preissensibel – fast unbeeindruckt von den Billigangeboten der Discounter; eine Erfahrung, die gerade auch dem Handel zu denken geben müsse, teilt der Verband mit. Die Verbraucher wurden durch die Preissenkungen des Handels um mehr als sechs Milliarden Euro entlastet – „dieses Konjunkturpaket habe die Lebensmittelindustrie finanziert“, sagt eine Verbandssprecherin.

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Arbeitsplätze gefährdet

Die Erlöse im Exportgeschäft konnten 2009 ebenfalls nicht an die Wachstumsdynamik der Vorjahre anknüpfen; sie gingen preisbedingt um 5,3 Prozent auf 39,2 Mrd. Euro zurück. Das insgesamt rückläufige internationale Preisniveau und der starke Euro zwangen die Exporteure zu Preisnachlässen, um Marktanteile zu halten. In wichtigen Märkten wie Russland und den USA erschwerten protektionistische Maßnahmen im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise den Marktzugang. Die Ernährungsindustrie ist mit 535.000 Beschäftigten einer der größten Industriezweige in Deutschland.

Nach einem miserablen Jahr 2009 erwartet die Ernährungsindustrie in diesem Jahr eine Trendwende mit einem geringen Wachstum. Der Umsatz werde voraussichtlich um ein Prozent ansteigen.Voraussetzung sei allerdings, dass das Exportgeschäft wieder Fahrt aufnehme. Laut einer aktuellen Branchenumfrage der BVE erwartet die Mehrheit der Unternehmen stabile Umsätze im Jahr 2010. Rund 80 Prozent der an der Branchenumfrage beteiligten Unternehmen und Verbände rechnen jedoch mit keiner Verbesserung ihrer ohnehin schwachen Ertragslage, was zur Folge hat, dass weniger Investitionen getätigt werden und der Abbau von Arbeitsplätzen nicht auszuschließen ist.

Kampf um Marktanteile

Die scharfen Preisauseinandersetzungen 2009 fanden vor dem Hintergrund des Kampfes um Marktanteile vor allem im Discount statt, der 44 Prozent der Lebensmittel in Deutschland vertreibt. Die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist im vergangenen Jahr weiter angestiegen; mit dem Ergebnis, dass die mittelständischen Lieferanten der Ernährungsindustrie in Deutschland nur noch fünf großen Lebensmittelhändlern mit einem Marktanteil von 70 Prozent gegenüberstehen.Wie schwierig die Situation im Inlandsmarkt ist, zeigt auch die aktuelle BVE-Branchenumfrage. Demnach erwarten zwar 70 Prozent der befragten Unternehmen und Verbände der Ernährungsindustrie höhere Rohstoff- und Energiekosten, jedoch nur 15 Prozent glauben, diese Preiserhöhungen auch an den Groß- und Einzelhandel weitergeben zu können.Kein anderes Land in der Europäischen Union verfüge über ein vergleichbar niedriges Preisniveau für Lebensmittel wie Deutschland, so der Verband. Der Wettbewerb sei  hierzulande so hart wie in kaum einem anderen Land der EU, und werde zum Teil mit fragwürdigen Praktiken geführt. Diesen Machtmissbrauch zu unterbinden und wettbewerbsrechtliche Missstände zu beheben, sei Aufgabe der Politik.

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