Lebensmittelkonzern: Fit oder fettig: Wohin steuert Nestlé?

Lebensmittelkonzern: Fit oder fettig: Wohin steuert Nestlé?

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Nestlé-Zentrale im schweizerischen Vevey

von Mario Brück

Die Krise konnte Nestlé wenig anhaben. Mit Konstanz und Chuzpe stellt sich der Lebensmittel-Weltmarktführer vom Genfer See den Angriffen der Konkurrenz – und versucht nebenbei noch den Spagat zwischen fit und fettig.

Eingebettet in die Rebhänge der Waadtländer Alpen, überwölbt vom azurblauen Himmel, steht er da, der sechsstöckige Glaspalast am Genfer See. Avenue Nestlé 55 lautet die Adresse in dem 18.000-Einwohner-Städtchen Vevey in der Westschweiz. Hier residiert Nestlé, der weltgrößte Lebensmittelkonzern – vor schneebedeckten Gipfeln und funkelnden Wogen. Wer die flughafenartige Eingangshalle passiert und durch die riesigen Glasfronten blickt, sieht Verliebte am Seeufer oder die Fähre, die lautlos hinüber nach Saint-Gingolph strebt.

Es ist kurz nach zwölf, Paul Bulcke bittet zum Business Lunch, ganz oben, in seinem Speisezimmer, mit Bar, gemütlicher Couch-Ecke und Seeblick. Es werden Blinis mit geräuchertem Lachs und Curry-Dip gereicht, danach Lamm-Carrees in einer Honig-Rosmarin-Soße mit Kartoffeln und Zucchini und zum Nachtisch frische Erdbeeren, dazu ein edler Roter aus Kristallkelchen. Und als krönender Abschluss: ein Nespresso.

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Unübertroffener Gigant

Bulcke lenkt Nestlé seit April 2008. Er plaudert über seine Karrierestationen, schwärmt von seinem BMW-Motorrad und hält eine flammende Rede auf die Vorzüge von Nespresso, dem Italo-Mokka aus der Aluminiumkapsel, Vorzeigemarke des Konzerns.

Der 55-jährige Belgier strahlt Unerschütterlichkeit aus. Keiner auf der Welt, das weiß er, kann ihm zurzeit das Wasser reichen. Nestlé, der Unübertroffene, der Gigant: 107 000 000 000 Schweizer Franken, umgerechnet 72 Milliarden Euro, setzte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr um. Kein Lebensmittelhersteller auf dem Planet ist größer, wie immer man es auch wendet, ob bei den Einnahmen, beim Gewinn, bei der Marktkapitalisierung, der Beschäftigtenzahl oder der Zahl der Marken. Selbst im Krisenjahr 2009 strich Nestlé umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro Gewinn ein und zählte damit zu den zehn Top-Verdienern aller europäischen Unternehmen.

Die Verbraucher sind satt

Bulcke der Unbezwingbare, Nestlé der Dauersieger? Der unauffällige Mittfünfziger ist ein begnadeter Redner, er beherrscht alle Marketing-Sprüche, am liebsten auf Englisch, auch wenn er sie ebenso auf Französisch, Spanisch, Deutsch oder Flämisch herunterspulen könnte. „Nestlé ist in einem gut gebauten Boot mit einem motivierten Team unterwegs“, sagt er zwischen zwei Bissen Lamm oder „Wir wollen Qualität und Genuss in das Leben der Verbraucher bringen“.

Doch die eingängigen Slogans können nicht verdecken: Bulcke muss sich auf Ungemach einstellen. In Europa und Nordamerika sind die Verbraucher satt, die Erlöse schwächeln. Die großen Handelsketten weiten ihr Angebot an billigen Eigenmarken stetig aus und bringen damit die Produkte von Markenherstellern wie Nestlé in Bedrängnis. Und bei Nespresso, der profitabelsten und wachstumsstärksten Marke im Konzern, verliert Nestlé gerade die Pionierposition.

Hier, bei der schicken Espressomaschine mit den bunten Aluminiumkapseln, blüht Nestlé nun jene Schlacht, der sich im Kapitalismus am Ende alle Erfolgreichen stellen müssen: dem Angriff der Nachahmer. Konkurrenten werfen erstmals billige Kaffeekapseln auf den Markt, die kompatibel für das bisher geschlossene Nespresso-System sind. Seitdem Nespresso zur Jahrtausendwende durchstartete, wächst der Absatz jährlich um 30 Prozent – davon wollen die Wettbewerber nun möglichst viel abhaben.

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