Lebensmittelpreise: Schluss mit billig im Supermarkt?

Lebensmittelpreise: Schluss mit billig im Supermarkt?

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Ist bald Schluss mit billig? Blick aus einem Einkaufswagen in Köln in einem Supermarkt

von Mario Brück

Nicht nur Öl- und Benzinpreis schnellen hoch. Auch die Agrarrohstoffe verteuern sich. Das wirkt sich auch auf die Verbraucher in Deutschland aus. Müssen die Supermärkte ihren Preiskrieg beenden? Müssen die Bundesbürger mehr Geld fürs Essen ausgeben?

Die Revolte in Tunesien, die Unruhen in Algerien, der Umsturz in Ägypten. Die politischen Krisen in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel haben eine Gemeinsamkeit: In allen betroffenen Ländern gab es vor dem Ausbruch der Unruhen zum Teil dramatische Anstiege der Preise für Grundnahrungsmittel.

In Ägypten waren es im Schnitt im letzten Quartal 2010 fast 30 Prozent, Weizen als wichtigster Grundstoff für Brot legte im zweiten Halbjahr 2010 sogar um bis zu 75 Prozent zu. Vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten – die dann auch das Rückgrat des Aufstands bildeten – wurden hart getroffen: Sie geben 80 bis 90 Prozent ihres Haushaltsbudgets für Grundnahrungsmittel aus. Höhere Preise bedeuten damit für sie nicht höhere Ausgaben, sondern geringere Einkäufe – und damit vielfach Hunger. In Deutschland oder Österreich werden im Vergleich im Schnitt nur zehn Prozent des Einkommens für Lebensmittel aufgewendet. Vieles erinnert an das Jahr 2008. Ein Jahr, in dem ein Zusammentreffen schlechter Ernten, panischer Marktreaktionen und Exportstopps einiger Regierungen zu Hungerkrisen und öffentliche Unruhen in einigen Ländern der Karibik, in Mexiko und im arabischen Raum führten. Ist also 2011 das neue 2008?

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Mehr Wohlstand führt zu höheren Preisen

Jedenfalls sorgen die zum Teil explosionsartig steigenden Preise für Agrarrohstoffe für immer mehr Unruhe. Jüngst warnte die FAO, die Nahrungsmittel- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen, vor einem Lebensmittel-Preisschock, nachdem ihr Leitindex für landwirtschaftliche Rohstoffe in den letzten Wochen Rekordwerte erreicht hatte. Laut dem Global Food Price Monitor der FAO steigt der Lebensmittelindex seit sieben Monaten stetig. Im Januar legte er im Vergleich mit dem Vormonat um 3,4 Prozent zu und erreichte real und nominal den höchsten Stand seit Beginn der Berechnung im Jahr 1990. Dabei erzielten alle Rohwarengruppen – mit Ausnahme von Fleisch - klare Ausschläge nach oben.

Die Gründe für Preissteigerungen sind vielfältig. Langfristig dürfte der wichtigste sein, dass sich immer größere Teile der wachsenden Weltbevölkerung durch das Ende der Ost-West-Trennung und die daraus erfolgte Globalisierung mehr und besseres Essen leisten können. Das ist die gute Nachricht, die allerdings gleichzeitig Preis steigernd wirkt. Wie westliche Essgewohnheiten in Asien Einzug halten, lässt sich besonders gut in China beobachten, vor allem in den großen Städten. Seit Jahren steigen dort die Einkommen im Schnitt um 15 bis 20 Prozent pro Jahr. China verwandele sich infolge veränderter Essgewohnheiten immer stärker vom Agrarexporteur zum Importeur, kommentiert Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. McDonald’s hat rund 1000 Burger-Buden im Reich der Mitte eröffnet, die Konkurrenz von Kentucky Fried Chicken schläft ebenfalls nicht und ist mit knapp 2500 Hühnchen-Stationen am Start.

Dürre in China treibt die Weizenpreise nach oben

Die Welt wird 2030 um 40 Prozent mehr Grundnahrungsmittel benötigen als heute und 2050 um 70 Prozent mehr. Das geht aus jüngsten OECD-Studien hervor. Diese zusätzlichen Mengen könnten den steigenden Konsum in Schwellenländern wie Indien, China oder Brasilien decken wie auch den Mehrverbrauch durch die wachsende Weltbevölkerung, die von derzeit 6,9 Milliarden Menschen auf 9,1 Milliarden 2050 klettern wird. Dem stehen 1,4 Milliarden Hektar an Anbaugebieten gegenüber, die zurzeit bewirtschaftet werden, und weitere 1,6 Milliarden Hektar, die noch ungenutzt sind. Experten der FAO gehen jedoch davon aus, dass es kaum noch ein Wachstum bei landwirtschaftlichen Nutzflächen geben kann, die künstlich bewässert werden müssen. Damit fällt ein Großteil der freien 1,6 Milliarden Hektar weg – eine Erklärung für das langsame Wachstum der weltweiten Anbauflächen.1960 gab es 1,28 Milliarden Hektar, heute sind es 1,42 Milliarden – ein jährliches Wachstum von gerade einmal 0,2 Prozent.

Kurzfristig treiben jedoch andere Gründe die Rohstoffpreise an die Decke. In China leiden fünf Provinzen, die für rund zwei Drittel der chinesischen Weizenproduktion verantwortlich sind, unter einer Dürre, welche die kommende Ernte bedroht. Entsprechend stieg der US-Weizen-Future jüngst auf knapp neun Dollar pro Bushel, den höchsten Wert seit Jahren. Und angesichts rekordniedriger Lagerbestände erreichte der Preis für Mais mit  sieben Dollar pro Bushel ebenfalls den höchsten Wert seit langem. Seit Juni 2010 hat sich der Preis sogar verdoppelt. Zudem bringt das Wetterphänomen La Niña in mehreren Regionen Turbulenzen: Eine Hitzewelle in Südamerika senkt die Erwartungen für die Ernte, und durch die Flut in Australien fällt die Zuckerernte dort wohl um 20 Prozent niedriger aus. Zudem neigen offenbar manche Regierungen angesichts von Unruhen in der Bevölkerung wegen der hohen Lebensmittelpreise dazu, Agrarrohwaren zu horten.

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