Im Fernduell mit der russischen Olympiasiegerin Natalja Sadowa, 67,24 Meter, lag sie damit deutlich vorn. Ihre ärgste Konkurrentin aber wurde jüngst des Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt. „Wer die Rangliste anführt, ist unerheblich“, sagte Dietzsch im Gespräch mit dem Handelsblatt, „interessant ist nur, was in Göteborg heraus kommt.“ Zwei Mal, bei der WM 2003 und Olympia 2004 in Athen, war sie in den vergangenen Jahren bei Großereignissen bereits in der Qualifikation gescheitert. An ihren Nerven, nicht am Leistungsvermögen. Daran arbeitet sie mittlerweile mit einem Psychologen. „Eine ganz unspektakuläre Sache mit dem Ziel, das vorhandene Potenzial zum richtigen Zeitpunkt mobilisieren zu können“, sagt sie. Wie beim WM-Triumph in Helsinki, wo ihre drei besten Würfe zum Titelgewinn gereicht hätten. Hinzu kam dort ein besonderer Motivationsfaktor: „Ich wollte einigen Herrn vors Schienbein treten.“ Die Verbandsoberen hatten die Athletin mit der „Löwenmähne“ nach dem Aus bei Olympia in den B-Kader verbannt. Mangels Perspektive. „Und alles, was mich wütend macht, bringt mich in meinem Sport weiter“, sagte sie damals. In Göteborg ist sie eine von nicht sehr vielen Gold-Aspiranten des Deutschen Leichtathletik Verbandes. Der zeichnete sie bei den Deutschen Meisterschaften Mitte Juli in Ulm, wo sie ihren neunten nationalen Titel errang, mit dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis aus – die höchste Ehrung des DLV, die verdienten Athleten gewöhnlich zum Abschluss ihrer aktiven Laufbahn verliehen wird. Doch die unumstrittene Patriarchin der vergleichsweise leistungsstarken Werferriege will im Herbst ihrer Karriere die Krone verteidigen so lange es geht. Und derzeit geht es gut. Die 68,51 Meter von Schönebeck sind immerhin die drittbeste Leistung ihrer inzwischen 25 Jahre dauernden Laufbahn. Weiter kam sie nur 1999 (69,51) und 1998 (68,91). In beiden Jahren gewann sie den Titel beim Saisonhöhepunkt. „Sie macht, was für den Erfolg nötig ist“, sagt Trainer Dieter Kollark. Wie lange noch, das will sie von Jahr zu Jahr entscheiden. Für die Europameisterschaft jedenfalls ist sie gerüstet. Vielleicht aber müsste jemand die Grande Dame der deutschen Leichtathletik vor dem Wettkampf noch einmal gehörig ärgern. Denn bei Franka Dietzsch sitzt die Wut nicht im Bauch, sondern im Wurfarm.
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