Leif Östling: Rücktritt von Scania-Chef zeichnet sich ab

Leif Östling: Rücktritt von Scania-Chef zeichnet sich ab

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Scania-Chef Leif Östling

Bei Scania zeichnet sich der Rücktritt des Vorstandschefs ab. VW und MAN kämen dann ihrem Ziel näher: der Gründung einer Lkw-Allianz.

Den Angriff von Hakan Samuelsson konnte Scania-Chef Leif Östling noch abwehren. Der Vorstandsvorsitzende des Münchner MAN-Konzerns hatte Anfang 2007 versucht, den schwedischen Lkw-Hersteller zu übernehmen. Auch einer Allianz mit den Scania-Großgesellschaftern Volkswagen und MAN hat sich Östling bisher erfolgreich widersetzt. Doch die deutschen Aktionäre reißen immer mehr Macht an sich, Östlings Kampf wird zunehmend aussichtslos. Konzerninsider erwarten, dass der Scania-Chef während der Hauptversammlung am 5. Mai seinen Abschied verkündet.

Dabei endet der Vertrag des 62-Jährigen erst im März 2009. Doch aus Bankenkreisen verlautet, dass MAN derzeit stimmrechtslose Aktien gegen stimmberechtigte eintauscht und den Stimmrechtsanteil an Scania in den kommenden Tagen damit erhöhen dürfte. MAN wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Bereits kurz vor Weihnachten hat MAN seine Stimmrechte an Scania von 14,8 auf 15,6 Prozent erhöht. Ein schwedischer Investor hatte den Münchnern im Kundenauftrag stimmberechtigte im Tausch gegen stimmrechtslose Scania-Aktien gegeben. Die, so der Investor, seien an der Börse wegen des größeren Streubesitzes besser handelbar.

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Volkswagen und MAN halten schon jetzt gemeinsam 52 Prozent an Scania und dürften deshalb ihre Position im Aufsichtsrat des schwedischen Unternehmens stärken.

In den kommenden Tagen trifft sich das Nomination Committee, das die Kandidaten für den künftigen Scania-Aufsichtsrat auswählt und dem Vertreter der vier Großaktionäre Volkswagen, MAN, Investor AB und der Familie Wallenberg angehören. Die Deutschen entsenden ThyssenKrupp-Chef und MAN-Aufsichtsrat Ekkehard Schulz sowie VW-Juristin Gudrun Letzel in das Komitee.

Insider erwarten, dass der MAN-Konzern auf einen Sitz im Scania-Aufsichtsrat drängen wird, in dem das Münchner Unternehmen bisher nicht vertreten ist. Auch der Volkswagen-Konzern wird wohl einen weiteren Sitz einfordern. Derzeit schickt er drei Vertreter in das Kontrollgremium. Die beiden deutschen Aktionäre hätten dann fünf der neun Mandate, die den Anteilseignern zustehen.

Dass die Deutschen das anstreben, scheinen auch die übrigen Investoren zu erwarten: Vor wenigen Tagen ließ der Chef der Investorengesellschaft Investor AB, Börje Ekholm, in einem Interview anklingen, man rechne mit einem sinkenden Einfluss im Aufsichtsrat. Investor AB steht unter dem Einfluss der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg.

Ein Abschied des Scania-Chefs wäre für Volkswagen und MAN vor allem deshalb ein Triumph, weil sie noch in der ersten Jahreshälfte ihr Lkw-Bündnis vorantreiben und die Strategien von Scania, MAN und der VW-Lastwagen-Produktion in Brasilien auf Linie bringen wollen. Dabei dürfte Östling eher stören als helfen. Ein Nachfolger für ihn steht dem Vernehmen nach zwar noch nicht fest. Konzernmanager erwarten aber, dass der Aufsichtsrat bis Mitte April einen geeigneten Manager findet. Ein externer Kandidat ist unwahrscheinlich. Denn dann würden vermutlich weitere Top-Manager das Unternehmen verlassen.

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