Leiharbeiter : Zeitarbeitsbranche wehrt sich gegen Lohndumping

Leiharbeiter : Zeitarbeitsbranche wehrt sich gegen Lohndumping

von Harald Schumacher

Die führenden Verbände der Zeitarbeitsbranche wehren sich gegen den Trend, dass Unternehmen die Zahlung von Tariflöhnen durch die Gründung unternehmenseigener Zeitarbeitsfirmen umgehen und ihr Stammpersonal zu hauseigenen Leiharbeitskräften machen.

Die leihen sie dann zu deutlich geringerer Bezahlung von den Leiharbeits-Töchtern zurück.

Dieser Firmentypus schade der gesamten Branche, kritisieren Volker Enkerts, Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), und Ariane Durian, Vorsitzende des konkurrierenden Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), in der WirtschaftsWoche.

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Aktueller Anlass ist die Gründung der Firma Meniar, die Schlecker-Mitarbeiter mit fast halbierten Löhnen an Schlecker-Filialen verleiht. „Ein Zeitarbeitsunternehmen zu gründen, nur um Tarifkonditionen zu umgehen, ist eine Trickserei. Das schadet der Zeitarbeit insgesamt“, sagt BZA-Präsident Enkerts der Wirtschaftswoche. Im BZA sind die Branchengrößen Adecco, Manpower und Randstad organisiert. IGZ-Chefin Durian kritisiert: „Gezieltes Lohndumping ist das.“

Die Branchenverbände BZA und IGZ stört besonders, dass die Trittbrettfahrer das Image der Branche beschädigen. „Die Branchenfremden prägen und gefährden das Image der Zeitarbeit“, so BZA-Chef Enkerts. Er fordert Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung auf, gegen den Etikettenschwindel vorzugehen: „Wir wollen erreichen, dass für interne Zeitarbeit im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz die Gleichbehandlung mit den übrigen Beschäftigten im Unternehmen festgeschrieben wird.“

Aber auch nach geltendem Recht hält der renommierte Münsteraner Arbeitsrechtsexperte Peter Schüren konzerninterne Zeitarbeitfirmen für angreifbar: „Wer eine eigene Zeitarbeitsfirma gründet, die nicht wirklich am Markt aktiv ist, sondern nur an eine Konzernschwester oder an die eigene Muttergesellschaft Personal verleiht, spielt ohne Not mit großen Haftungsrisiken.

Das ist eine rechtsmissbräuchliche Strohmann-Konstruktion. Dieser Verleiher besteht nur, um gültige Tarifverträge mithilfe von Billig-Tarifverträgen zu umgehen“, so Schüren, einer der führenden Experten für Arbeitnehmerüberlassung und den Einsatz von Fremdfirmenpersonal in Deutschland.

Die Unternehmen gingen das Risiko ein, rückwirkend für vier Jahre Lohnnachzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge leisten zu müssen. De Arbeitsrechtsexperte rechnet damit, dass die Gerichte die Firmen-Konstruktion bald kippen werden.

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