Libyen: Deutsche Ölförderer vor Problemen

Libyen: Deutsche Ölförderer vor Problemen

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Ötterminal an der libyschen Mittelmeerküste

von Hans Jakob Ginsburg

Noch ist nichts entschieden. Aber wenn Gaddafis Feinde in dem ölreichen Land am Ruder sind, werden sich die deutschen Energiekonzerne Wintershall und RWE anstrenegen müssen, die Gunst der neuen Herren zu erringen.

Man kann nicht behaupten, Libyens Gewaltherrscher Gaddafi sei für die im Land aktive deutsche Industrie ein großes Problem gewesen. Deutschland hat viele Jahre lang annähernd zehn Prozent seines Erdölbedarfs aus dem nordafrikanischen Wüstenland bezogen. Als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder 2003 zwecks Förderung des Geschäftsklimas Gaddafi aufsuchte, hieß es in seiner Umgebung, das passe einfach zur Aufteilung Nordafrikas in ökonomische Interessengebiete der westlichen Länder: Marokko, Algerien und Tunesien blieben auf unabsehbare Zeit das Terrain der alten Kolonialmacht Frankreich, Ägypten mit seiner starken politischen Abhängigkeit von Washington sei an die USA gebunden, und da bleibe Deutschland als richtiger Außenposten in der Region Libyen.

Vergangene Zeiten. Mit dem Umsturzjahr 2011 ist in Nordafrika sehr vieles ganz anders geworden. Was Libyen angeht, hat die Berliner Politik dafür gesorgt, dass sich die Sympathie der siegreichen Gaddafi-Gegner für Deutschland in Grenzen hält. Natürlich möchte die Regierung Merkel / Westerwelle die unbedachte Stimmenthaltung bei der UN-Abstimmung im März jetzt vergessen machen, hat den so genannten Übergangsrat der Rebellen diplomatisch anerkannt und mit etwas unklaren Versprechen zur Aufbauhilfe gewunken. Aber ein Heimspiel haben die deutschen Ölförderer von RWE und von der BASF-Tochter Wintershall in Bengasi und Tripolis nicht.

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Dem guten Einvernehmen wird es wahrscheinlich auch nicht helfen, dass an der in dem Wüstenland tätigen Wintershall-Tochter zu 49 Prozent der Gazprom-Konzern beteiligt ist. Deutschland mag sich durch seine Außenpolitik 2011 bei den bisherigen Rebellen Sympathie verscherzt haben; die wechselnden Machthaber in Moskau waren dagegen viele Jahrzehnte lang Gaddafi freundschaftlich verbunden: Für die deutschen Ölförderer ist die Liaison mit den Russen darum jetzt eher peinlich.

Aber wie wichtig ist das? Wintershall ist seit 1958 in Libyen aktiv und operiert auf seinen zwei großen Ölfeldern auf Basis ziemlich alter Verträge, die dem libyschen Staat Mitsprache über Produktionsmengen einräumen: Das Land hat sich ja pro forma immer an die Opec-Fördermengen gehalten. Außerdem kassierte Gaddafis Volksrepublik natürlich erhebliche Nutzungsgebühren für die Förderung von zuletzt ungefähr 100 Barrel am Tag, gut sechs Prozent der gesamten Ölförderung des Landes.

Trotzdem sind das komfortable Verträge im Vergleich zu den Abschlüssen, die internationale Ölkonzerne und Konsortien in jüngerer Zeit in Libyen abschlossen: Da erhält die einheimische, natürlich staatliche Ölgesellschaft einen hohen Anteil an dem für das einzelne Förder- und Explorationsgebiet gebildete Joint Venture. Ein solches Abkommen mit Gaddafis Öl-Paladinen hat zum Beispiel die libysche Wintershall-Gazprom-Tochter 2006 für ein großes Gebiet tief im Süden Libyens geschlossen, wo seitdem fleißig exploriert wird. Erst wenn es hinreichende positive Funde gibt, würde eine neue Pipeline Richtung Mittelmeer gebaut werden. Was natürlich bedeutet, dass bei der Finanzierung, der Pipeline und später einmal den Gebühren für die Durchleitung viel von guten Beziehungen der ausländischen Erdölförderer zu den einheimischen Politikern abhängt.

Was die Deutschen – Unternehmer wie Politiker – dazu zwingt, das Verhältnis zu den neuen Herren in Tripolis zumindest nicht schlechter werden zu lassen als die bisherigen Beziehungen zu Gaddafi und seinem Clan.

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