LKW-Markt: MAN sollte Dongfeng fürchten, nicht Scania

KommentarLKW-Markt: MAN sollte Dongfeng fürchten, nicht Scania

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Lkws von Scania und MAN:

von Martin Seiwert

Scania und MAN fürchten bei einer Fusion um ihre Selbstständigkeit. Doch es ist nicht die Fusion, die die Unternehmen bedroht. Es sind chinesische und indische Wettbewerber, die im weltweiten LKW-Geschäft längst den Ton angeben.

Viel Zeit lässt sich Ferdinand Piech wahrlich nicht. Kaum steht fest, dass es bei der Porsche-Übernahme durch VW keinen Weg zurück mehr gibt, erhöht der VW-Aufsichtsratschef den Druck auf ein anderes Paar mit Beziehungsproblemen: MAN und Scania. Piech will die Lkw-Bauer unter dem VW-Dach zu einem schlagkräftigen Team zusammenbinden. Doch die beiden wollen nicht so recht, torpedieren den Zusammenschluss seit Jahren.   

Dabei haben sie so viel gemeinsam. Sie sind Premiummarken im Brummi-Markt, werden von VW kontrolliert, haben eine lange und respektable Firmengeschichte und, dementsprechend, eine ordentliche Truck-Ladung Selbstbewusstsein. Vor allem aber – und das ist, was den Patriarch aus der Porsche-Piech-Dynastie umtreibt – haben sie ein schwerwiegendes Problem, das sie am besten durch einen Zusammenschluss lösen könnten: Sie werden immer unwichtiger.

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Scania und MAN verlieren konstant Marktanteile, weil Hersteller aus Asien die Märkte mit ihren günstigen Trucks fluten. Der weltgrößte Hersteller von Nutzfahrzeugen über sechs Tonnen Nutzlast heißt nicht Daimler. Auch nicht Volvo. Und schon gar nicht MAN oder Scania. Die Rangfolge geht inzwischen so: Dongfeng (China), First Automobile Works (China), Daimler (Deutschland) Tata (Indien), CNHTC (China).

2015 kommt jeder zweite Lkw aus China oder Indien

Gemessen an den weltweit verkauften LKW kommt Dongfeng auf 10,6 Prozent Marktanteil, MAN als achtplatzierter der Weltrangliste auf 3,7 Prozent. Scania landet mit 1,6 Prozent auf Platz 13. In den vergangenen fünf Jahren konnten die größten chinesischen Anbieter beim Weltmarktanteil um durchschnittlich 17 Prozent zulegen, MAN verlor im gleichen Zeitraum 3,5 Prozent und Scania sogar 6,4 Prozent.

2015 wird weltweit jeder zweite LKW in China oder Indien verkauft. Zum Leidwesen von Scania und MAN teilen dieses märchenhafte Wachstum aber fast ausschließlich die einheimischen Hersteller unter sich auf. Fast noch schlimmer ist für die einstigen Branchengrößen jedoch, dass die asiatischen Hersteller sich nicht mehr lange mit ihren heimischen Märkten zufrieden geben werden. Sie setzen mit ihren Produkten schon zum Sprung nach Europa an.

McKinsey-Lkw-Experte Bernd Heid drückt es so aus: "Konzentrierten sich die Schwellenmarktanbieter in den vergangenen Jahren zunächst auf ihre heimischen, stark wachsenden Märkte, drängen diese im zweiten Schritt nun immer mehr in Richtung Export in etablierte Märkte."

Und das tun sie zunehmend mit Produkten, die europäischen Anforderungen und Umweltvorschriften genügen – nicht zuletzt, weil in den Schwellenländern die Umweltgesetze zügig an das westliche Niveau angepasst werden. In den Schwellenmärkten, so heißt es in einer McKinsey-Analyse, gebe es bereits „eine Verschiebung der Nachfrage hin zu höherwertigen Lkw mit verbesserter Motorentechnologie und höheren Nutzlasten.“

Der LKW-Markt ist brutal. Spediteure kämpfen um jeden Cent-Bruchteil pro Fahrtkilometer. Wenn sie chinesische Billig-Trucks mit ordentlicher Qualität bekommen können, werden sie nicht lange zögern. Wollen MAN und Scania ihre Marken und ihre Identität bewahren, sollten sich schnellstmöglich zusammentun. Die Bedrohung für ihre traditionsreichen Marken heißt nicht Ferdinand Piech, sondern Dongfeng. Oder First Automobile Works. Oder Tata. Oder CNHTC.

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