Logistik: Deutsche Post lässt Zukunftsfragen offen

Logistik: Deutsche Post lässt Zukunftsfragen offen

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Ein Briefträger der Deutschen Post schiebt seinen vollgepackten Wagen durch die Straßen. Bald sollen auch E-Mails rechtssicher verschickt werden können.

von Christian Schlesiger

Der Logistikkonzern überrascht mit guten Zahlen für das Jahr 2009. Die Krise gilt als beendet. Doch wichtige Fragen für die Zukunft bleiben offen.

Sichtlich entspannt, leicht lächelnd und locker präsentierte Frank Appel die Jahresergebnisse für 2009. „Ich bin zufrieden", sagt der Vorstandschef der Deutschen Post auf der Bilanz-Pressekonferenz in Bonn. „Die Krise haben wir gemeistert."

Unterm Strich schloss der Logistikkonzern im vergangenen Jahr mit einem Jahresergebnis in Höhe von 644 Millionen Euro – ein Plus von mehr als zwei Milliarden Euro im Vergleich zu 2008.

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Der Konzern zeigt damit Stärke in Zeiten der Krise. Der betriebliche Gewinn lag bei rund 1,5 Milliarden Euro. Geplant waren 300 Millionen Euro weniger. Und auch die Aussichten für dieses Jahr stimmen den Konzernchef froh. „Wir gucken zuversichtlich in die Zukunft", sagte Appel. Es gehe beim Gewinn weiter aufwärts und wenn doch noch "etwas Unvorhersehbares" passiere, könne die gute Finanzposition jeden Einschlag auffangen.

Appel präsentiert den größten Logistikkonzern der Welt wie einen schweren Tanker, den kaum ein Unwetter erschüttern kann. „Wir haben alle wesentlichen Baustellen geschlossen", sagt Appel. Jetzt „tun wir das, was wir bei der Strategie 2015 vor einem Jahr verkündet haben". Prozesse vereinfachen, Kundenzufriedenheit erhöhen, Profitabilität steigern.

Tatsächlich zeigen die Zahlen, wie stabil der gelbe Riese in der Wirtschaftskrise dem Sturm standgehalten hat. Die ganz großen Probleme scheinen gelöst, nun will der Vorstand die Zukunftsthemen anpacken. Doch da weicht das Management vielen Fragen aus, antwortet mit Allgemeinplätzen und bleibt unverbindlich – ein Zeichen, dass viele Herausforderungen anstehen, auf die die Post noch keine Antworten weiß und die den Konzern überraschend stark unter Druck setzen könnten.

Beispiel Mehrwertsteuerprivileg: Es wird kippen, so viel ist klar. Spätestens ab Juli, so sieht es ein Regierungspapier vor, müssen Zustellunternehmen 19 Prozent Mehrwertsteuer für Geschäftspost an den Staat abführen. Wie stark das Ergebnis der Post dadurch belastet wird? Der Vorstand will darauf nicht antworten. Das seien „wettbewerbsrelevante Informationen", so Appel. Wie stark die Preise für Geschäftskunden steigen werden? Das „diskutieren wir noch", so Appel. Ob die Post rechtlich gegen das Gesetz vorgehen werde? Da „prüfen wir noch, ob das sinnvoll ist", so Appel.

Fehlende Antworten auf wichtige Fragen bekommen die Journalisten im Post-Tower auch auf vielen anderen Ebenen.

Beispiel Mindestlohn: Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Stundenlohn in Höhe von 9,80 Euro, mit der Wettbewerber auf Distanz gehalten wurden, Ende Januar gekippt. Ob die Post nun einen Branchenlohn anstrebe? „Wir haben uns noch keine Meinung dazu gebildet", so Appel.

Beispiel Brief: Im Juni startet der Konzern den mit viel Trubel angekündigten Online-Brief, der nicht weniger als den Verlust der Sendungsmengen im Briefgeschäft (auch in 2009 steht ein Minus von drei Prozent) wettmachen soll. Wie hoch werden Umsatz, Preise und Marge ausfallen? Das wolle er „nicht in der Öffentlichkeit diskutieren", sagt Jürgen Gerdes, der als Brief-Vorstand für das Thema zuständig ist.

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