Logistik: Düstere Aussichten bei der Post

KommentarLogistik: Düstere Aussichten bei der Post

Eigentlich ist Post-Chef Frank Appel für klare Worte bekannt. Doch auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz gab er sich zugeknüpft - ein klares Zeichen, dass die Probleme größer sind als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Zwar hat Appel seine „Hausaufgaben gemacht", wie er es selber gerne sagt. Mit dem abgeschlossenen Rückzug der Deutschen Post aus dem inneramerikanischen Express-Geschäft hat er zunächst einmal den größten Brocken aus dem Weg geräumt, der ihn den ersten Konzernverlust seit Börsengang beschert. Obwohl noch verhandelt wird, wer die Pakete und Dokumente aus Europa weiter an die Endkunden in den USA fahren soll und dabei auch andere Unternehmen außer UPS in Frage kommen, gilt das Kapital unterm Strich beendet. Auch der Postbank-Deal gilt seit gestern als abgeschlossen. Das sind klare Erfolge. Dazu äußert sich Appel gerne.

Doch am Horizont künden sich Gewitterwolken an, die den Konzern heftiger als erwartet treffen könnten. Und Appel äußert sich hier nur sehr vage.

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Da ist zum Beispiel das Briefgeschäft, das Appel immer wieder gerne als „krisenfest" bezeichnet. Doch der Ergebnisrückgang im vergangenen Jahr spricht eine andere Sprache. Das operative Ergebnis sank um 261 Millionen Euro. Allein im vierten Quartal sank es um 26 Prozent. Damit ist klar: Der seit 2008 geöffnete Briefmarkt hat den Konzern voll erfasst. Um Volumen im Firmenkundengeschäft zu halten, mussten Preise gesenkt werden, gab Appel auf Nachfrage zu. Und Breitband-DSL übt einen „signifikanten Druck auf die Erträge aus", so Appel. Oh ja, der Gewinnerbringer Nummer eins, der fast 80 Prozent zum operativen Ergebnis beiträgt, bröckelt anscheinend schneller als erwartet.

Die anderen Bereiche – Express, Speditionsgeschäft und Logistik – sind noch weit davon entfernt, das sinkende Briefgeschäft beim Gewinn zu ersetzen. Hier hat die Krise im vergangenen Jahr voll reingeschlagen. Expresssendungen gingen im letzten Quartal um zwei Prozent zurück, Luftfracht um 16 und Seefracht um 14 Prozent. Und 2009? Appel bleibt klare Aussagen schuldig. Prognosen für 2009 gibt er nicht ab, spricht aber von einer „globalen Rezession". Mit anderen Worten: Den Logistikkonzern wird es knüppeldicke treffen.

Es sieht nicht gut aus um den Konzern. Zwar hat Appel für 2008 seine Hausaufgaben gemacht, doch die Prüfung steht erst bevor: Er muss das Unternehmen sicher durch die Krise manövrieren. Ob die eine Milliarde Euro, die er zusätzlich zu den ohnehin beschlossenen Einsparungen bis 2010 einsparen möchte, ausreichen, wird sich zeigen. Ganz viel hängt davon ab, wie lange und wie heftig die Wirtschaftskrise ausfallen wird. Allzu lange sollte sie nicht dauern, denn die kapitalintensiven Geschäftsfelder wie Brief und Express belasten den Konzern erheblich.

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