Logistik: Premiere im Polarmeer

Logistik: Premiere im Polarmeer

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Die "Beluga Projects" ist baugleich mit den Schiffen, die die Nordostpassage queren

Die Bremer Schwergutreederei Beluga Shipping nutzt weltweit als Erste die Seeroute durch das nördliche Polarmeer. Packeis und Wetter gefährden das riskante Geschäft.

Die Farbe Weinrot in der Seekarte bedeutet Gefahr. Ein 370 Kilometer langes Seegebiet im Ostsibirischen Meer ist mit einer ein Meter dicken Eisschicht überzogen. Der Kapitän des Schiffes „Beluga Fraternity“ schaut skeptisch auf den „Ice-Report“, den ihm die Zentrale in Bremen jeden Mittwoch auf die Kommandobrücke mailt. „Wir sind zwar bestens vorbereitet, aber wir machen das zum ersten Mal“, sagt der 36-jährige Aleksander Antonov. „Daher wissen wir letztlich nicht, was auf uns zukommt.“

Der schlimmste Fall, weiß Antonov, wäre eine Kollision mit Packeis.

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Genau das muss die Bremer Schwergutreederei Beluga Shipping in den kommenden Tagen verhindern. In dieser Woche brechen die „Fraternity“ und zwei weitere Schiffe von Beluga durch die Nordostpassage entlang der russischen Nordküste auf. Zwei von ihnen starten in Korea in Richtung Europa, das dritte kommt aus Antwerpen und nimmt Kurs auf Russland. Es wäre die weltweit erste kommerzielle Fahrt durch ein Gebiet, das nur sechs bis acht Wochen im Jahr eisfrei ist. Ein Wagnis mit ungewissem Ausgang.

400.000 Euro Ersparnis pro Fahrt

Beluga-Chef Niels Stolberg liebt solche Risiken. Schifffahrt sei ein „konservatives Geschäft“, sagt er. Unternehmer müssten den Mut haben, „neue Wege zu gehen“. Vor 14 Jahren gründete er Beluga, witterte eine Nische im Schwergutmarkt und charterte zwei Schiffe. Heute gehören ihm 66 Schiffe. 1.600 Mitarbeiter und ein Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro machen ihn zum Weltmarktführer im Geschäft mit Lasten, die nicht in Container passen. Innovationen wie Drachen, die Treibstoff sparen, sind bei Stolberg Programm — solange sie sich rechnen.

Gewinne soll auch die Nordostpassage einbringen. Eine Fahrt von Ulsan in Südkorea nach Antwerpen ist rund ein Drittel kürzer als die ursprüngliche Route durch den Suezkanal. Dadurch spart die Reederei zehn Reisetage und mehr als 400.000 Euro pro Fahrt. Sind die Seewege sechs Wochen im Jahr eisfrei und schickt Beluga drei bis vier Frachter durch die Passage, spart das Unternehmen bis zu sechs Millionen Euro.

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