Logistik: Radikaler Schnitt mit großem Risiko für die Deutsche Post

KommentarLogistik: Radikaler Schnitt mit großem Risiko für die Deutsche Post

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Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post World Net, vor einem DHL-Flugzeug

Der Name „Deutsche Post World Net“ hat seit heute einen entscheidenden Schönheitsfehler. Von einem „Weltnetz“ kann beim Bonner Logistikkonzern nicht mehr ganz die Rede sein.

Das Unternehmen zieht sich ab kommenden Februar aus dem inneramerikanischen Geschäft zurück und verzichtet fortan auf das nationale Luft- und Boden-Express-Geschäft. Wer Pakete von Washington nach Seattle oder San Francisco nach Chicago von einem auf den anderen Tag verschicken will, muss sich einen neuen Anbieter suchen: Die Konkurrenten UPS oder FedEx stehen parat und dürften sich freuen.

Kurzfristig gesehen entspricht die Entscheidung des Post-Chefs Frank Appel einer notwendigen und sauberen, wenn auch radikalen Lösung. Appel löst sich von einem hochdefizitären Geschäft. DHL fährt in den USA täglich fünf Millionen Dollar Verlust ein, insgesamt belaufen sich die Verluste in diesem Jahr auf 1,3 Milliarden Dollar. Die operativen Kosten verringern sich ab kommendem Jahr von rund 4,2 Milliarden Euro auf weniger als 770 Millionen Euro. Das klingt zunächst einmal positiv.

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Gleichzeitig emanzipiert sich Appel von seinem Vorgänger Klaus Zumwinkel, der Anfang des Jahres wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung vom Vorstandssitz zurückgetreten ist. Appel geht mit den Schritten auf klare Distanz zu seinem Vorgänger, der den Einstieg in das US-Geschäft zu verantworten hat. Insgesamt belaufen sich die angesammelten Verluste aus dem amerikanischen Abenteuer auf rund 7,5 Milliarden Euro – inklusive des Kaufs des Kuriergeschäfts der US-Fluggesellschaft Airborne 2003, aller Jahresverluste sowie der Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von drei Milliarden Euro für die Abwicklung des inneramerikanischen Geschäfts. Appel habe sich darauf konzentriert, „dringende Themen aus der Vergangenheit anzupacken", sagt er – ein klarer Seitenhieb gegen Zumwinkel.

Langfristig könnten die Folgen für die Post dramatisch sein

Die Emanzipation ist hart erkauft. Insgesamt verlieren knapp 15000 Mitarbeiter ihren Job – 5400 Arbeitsplätze davon wurden bereits realisiert. Das Niederlassungsnetz von 412 wird auf 103 reduziert. Alle 18 nationalen Sortierzentren werden geschlossen. Appel hat den Zeitpunkt der Verkündung geschickt auf die Zeit nach der US-Präsidentschaftswahl gelegt. Dennoch: Die radikalen Maßnahmen werden in naher Zukunft noch reichlich Gegenwind in den USA erzeugen. Der Imageverlust könnte immens sein.

Mehr noch: Langfristig können die Folgen der Entscheidung für die Post dramatisch sein. Derzeit ist noch nicht absehbar, wie die Kunden von DHL auf die radikalen Maßnahmen reagieren. Unternehmen, die ihre Express-Sendungen bislang sowohl international als auch innerhalb Amerikas mit DHL verschicken, müssen sich für die Zukunft einen anderen nationalen Versender suchen. Es ist wahrscheinlich, dass viele Kunden dann auch ihren internationalen Transport nicht mehr per DHL versenden lassen.

Das Absurde: Auf der heutigen Pressekonferenz liefert das Unternehmen die Argumente für die Risiken gleich mit. In den Presseunterlagen beschreibt das Management die Bedeutung des US-Marktes für DHL: „48 Prozent der wichtigsten Kunden von DHL" befinden sich „in den USA", heißt es dort. Weiter: „55 Prozent der Entscheidungsträger der wichtigsten Kunden" seien ebenfalls in den USA beheimatet. Seit Jahren weisen die Vorstände und Top-Manager der Deutschen Post auf die große Bedeutung des amerikanischen Standbeins hin.

Postchef Appel gibt selbst zu, dass er das inneramerikanische Geschäft „gerne betreiben würde". Aber „wenn das profitabel nicht geht", müsse sich das Unternehmen „auf andere Märkte konzentrieren". Kurzfristig mögen die Zahlen für ihn sprechen. Das Unternehmen wird zwar dieses Jahr wahrscheinlich einen Jahresverlust ausweisen. Dafür sind die operativen Kosten erst einmal reduziert. Langfristig muss Appel aber zeigen, wie er Kundenschwund vermeiden und Neugeschäft in den USA gewinnen möchte. Eine zukunftsfeste Vision für das US-Geschäft sieht anders aus als nur Kosten zu senken. Das US-Geschäft bleibt die große Unbekannte des Konzerns.

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