Lübbe-Chef Thomas Schierack: "Mit aller Macht"

Lübbe-Chef Thomas Schierack: "Mit aller Macht"

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Thomas Schierack ist Geschäftsführer beim Lübbe-Verlag

Thomas Schierack, Geschäftsführer beim Lübbe-Verlag, über die Angst der Verleger vor Google, die Gefahren durch E-Books und einen möglichen Pakt mit dem Suchmaschinenriesen.

WirtschaftsWoche: Herr Schierack, ist Google die gierige Krake, vor der Verleger und Autoren Angst haben müssen?

Schierack: Google nutzt seine vorhandene Marktmacht aus, indem es die kompletten Bestände von Bibliotheken in den USA einscannt und digital in Besitz bringt. Im Einzelfall kann es sein, dass Google sich dann auch über das gegebenenfalls noch bestehende Urheberrecht hinwegsetzt und Verlage und Autoren quasi enteignet. Das Agreement, das in Amerika geschlossen werden soll, dürfte nach deutscher Rechtsauffassung ein Vertrag zulasten Dritter sein, den unser Gesetz eigentlich nicht kennt.

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Ihr Vorwurf betrifft die urheberrechtlich geschützten Bücher. Dieser Schutz erlischt aber 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Darf sich Google demnach bei älteren Werken und bei solchen, die nicht mehr verlegt werden, kostenlos bedienen?

Ich kann die Aufregung um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht gut verstehen. Dass Autoren und Rechteinhaber dagegen Einspruch erheben, ist nur logisch. Anders ist das aber bei rechtefreien und bei nicht mehr lieferbaren Büchern. Bei rechtefreien Büchern muss es ja einen Grund dafür geben, warum sie nicht mehr verlegt werden.

Weil sie keinen Leser mehr interessieren?

Oder weil zu wenige davon Kenntnis genommen haben. Scannt Google solch ein quasi verschollenes Buch nun ein, stellt es teilweise ins Internet und damit der Welt vor und zur Verfügung, kann es sein, dass der Autor damit erstmals überhaupt oder nochmals eine Leserschaft findet, die bereit ist, dafür zu bezahlen. Davon profitiert der Autor dann ja auch, weil Google ihm Erlöse für die digitale Nutzung zahlt.

Google macht das nicht, um armen Schriftstellern zu helfen.

Google ist ein börsennotiertes Unternehmen, sieht Geschäftsmöglichkeiten im Buchmarkt und will offenbar mit aller Macht hinein.

Greift Google damit nicht massiv Verlage und den stationären wie den Online-Buchhandel an und damit auch den E-Commerce-Riesen Amazon?

Mit der Strategie, millionenfach Bücher aus Bibliotheken einzuscannen, macht sich Google schon allein durch die schiere Menge zu einem der größten Player im Buchmarkt. Aber das ist nur die eine Säule des Geschäfts. Die zweite ist das sogenannte Partnerprogramm, bei dem Google Verlagen anbietet, Bücher kostenlos einzuscannen und eine vorher festgelegte Zahl von Seiten im Internet freizugeben. Leser können dann bei Google Bücher anschauen und anschließend entweder im Buchladen oder bei Online-Anbietern kaufen.

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