Luftfahrt: Berliner Indiskretionen setzen EADS unter Druck

KommentarLuftfahrt: Berliner Indiskretionen setzen EADS unter Druck

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Airbus-Chef Tom Enders (2. v.r) und EADS-Chef Louis Gallois (3. v.r) vor den Triebwerken eines Militärtransporters A400M

von Rüdiger Kiani-Kreß

Wenn jetzt ein Berichts über das Versagen der EADS beim Bau des Militärtransproters A400M an die Öffentlichkeit dringt, ist das keine Sensation, sondern Teil eines harten Pokerspiels.Jetzt braucht es eine Entscheidung der Regierungschefs.

Vielleicht war es Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einfach leid, ständig als Spielverderber da zu stehen. Guttenberg wurde vorgehalten, ein europäisches Vorzeigeprojekt wie den Airbus-Militärtransporter A400M aus kleinlichen Gründen wie marktwirtschaftlichem Denken abzuschießen - wo es ihm doch um mehr Vernunft beim Einkauf von Waffen ging. Oder er wollte zeigen, dass er ebenso hart pokern kann wie Airbus-Chef Thomas Enders. In jedem Fall ist es aber kein Zufall, dass gerade jetzt der Bericht über die Fehler des Luftfahrtkonzerns EADS und seiner Tochter Airbus beim Bau des A400M in die Presse gelangt ist.

In den vergangenen Wochen haben vor allem die EADS und ihr gewogene Stellen in Frankreich, Spanien und Großbritannien die Medien mit Belegen gefüttert, warum das Unternehmen die Mehrkosten beim Bau des Fliegers von elf Milliarden Euro unmöglich allein tragen kann und dass die Bestellländer eine Mitschuld tragen. Jetzt, einen Tag bevor die Nationen, die das Flugzeug bestellt haben, zum ersten Mal ernsthaft mit der EADS verhandeln, dringt der Bericht der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC) vom Spätherbst 2009 nach draußen.

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Der Bericht ist die passende Munition für die Position der Bundesrepublik, die als einziges Land EADS die zusätzlichen Ausgaben fast komplett der EADS aufbürden will. Die EADS habe die Kosten „Jahr für Jahr permanent und erheblich“ unterschätzt, zitiert das „Handelsblatt“, dem der Bericht zugespielt wurde. Zudem könne sich die EADS die Mehrkosten angesichts ihres Vermögens problemlos leisten.

Bitte? Ein Unternehmen mit acht Milliarden Vermögen kann 7,6 Milliarden Mehrausgaben bequem schultern? So naiv können nicht mal Politiker sein – und Wirtschaftsexperten wie PWC schon gar nicht. Ohne ein dickes Finanzpolster kann ein Flugzeughersteller selbst in guten Zeiten nicht leben. Und bei Airbus sind die Zeiten nicht gut. Neben dem A400M ist der Superjumbo A380 ebenso ein Milliardenrisiko wie der schwache Dollar.

Der Streit gefährdet eine wichtige Neuerung im Rüstungsgeschäft

Gerade dieses Argument könnte sogar nach hinten losgehen. Denn wenn die Mehrkosten wirklich bei 7,6 Milliarden liegen, wie der Bericht sagt, sind sie höher als die Ausstiegskosten, die Airbus auf sechs Milliarden schätzt.

Sicher die EADS hat bei dem Programm gewaltige Fehler gemacht und sich überschätzt. Doch inzwischen – wenn auch spät – geht der Konzern die Versäumnisse an und hat die Verantwortlichen abgelöst. Zudem will Airbus rund die Hälfte der Mehrkosten schultern.

Darum ist es scheinheilig, so zu tun, als wolle EADS die Mehrkosten komplett dem Steuerzahler aufhalsen. Zumal das Unternehmen die Sache nicht allein verbockt hat. Die Politiker haben Airbus zwar das Risiko übertragen, doch wollten letztlich trotzdem weiter mitreden. Sie haben Airbus zu einem ebenso unerprobten wie ungeliebten Triebwerk genötigt, im Nachhinein teure Änderungen verlangt und schließlich vorgeschrieben, in welchem Land wie viel von dem Flugzeug zu bauen ist.

Darum muss es zu einem Kompromiss kommen. Und wenn das die zuständigen Minister morgen nicht endlich hinbringen, dann müssen das nach mehr als einem Jahr Zank endlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy  tun.

Denn sonst bleibt nicht nur der dringend benötigte Militärtransporter auf der Strecke, sondern auch eine wichtige Neuerung im Rüstungsgeschäft: der Übergang zu Festpreisen für Waffensysteme. Bisher haben die Bestellländer immer die Mehrkosten übernommen. Das verführte zu Schlendrian, hatte aber seinen Grund. Schließlich geht es im Rüstungsbereich um die Vorhersage, welche Technik in 15 Jahren serienreif ist. Keiner hätte vom Computerhersteller Apple erwartet, dass der bereits 1995 die Eigenschaften seines wahrscheinlich bald vorgestellten Tablet-PCs zusagt. Bei Waffenproduzenten ist dieser Blick in die Glaskugel üblich – und geht leider meist daneben. Darum kommen Rüstungsprojekte meist später und deutlich teuerer als geplant.

Im Vergleich zum Standard sind das gut eine Viertel Aufpreis, das Airbus jetzt den Bestelländern aufhalsen will, noch harmlos. Der Airbus A380 oder Boeings Leichtbauflugzeug 787 Werden am Ende sogar doppelt so teuer wie geplant. Doch wenn die EADS nun die Mehrkosten des A400M allein schultern müsste, ist das ein Signal für alle künftigen Projekte. Dann kann sich eigentlich kein börsennotiertes Unternehmen mehr leisten, das Entwicklungsrisiko eines technisch anspruchsvollen Programm komplett zu übernehmen. Und das könnte für die öffentliche Hand noch teurer werden als ein Kompromiss beim A400M.

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