Luftfahrt: Bye, Bye, Tempelhof

Luftfahrt: Bye, Bye, Tempelhof

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Ein sogenannter 'Candy Bomber' DC-3 hebt am 30. Oktober 2008 vom Flughafen Berlin Tempelhof ab

Der Flughafen inmitten der Hauptstadt wird geschlossen. Wie es sich anfühlt, am letzten Tag noch einmal dort gewesen zu sein, beschreibt WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Schlesiger.

Heute durfte geklatscht werden. Selbst ausgewiesene Vielflieger, die sich dem Befreiungsklatschen nach den Landungen gerne verwehren und sich so innerlich von den Touristen auf dem Nachbarsitz distanzieren wollen, haben ordentlich applaudiert, als Michael Kittner, Kapitän des Germanwings-Sonderflugs 4U 1923, pünktlich um 10:50 Uhr in Berlin-Tempelhof aufsetzte. Noch einmal durften die 84 Passagiere an Bord dabei sein, ein letztes Mal durften sie auf dem Berliner Flughafen Tempelhof landen. Morgen ist damit Schluss. Tempelhof wird dicht gemacht.

Eine Entscheidung, die viele empört. Es sei unverständlich, „wie ein Flughafen geschlossen wird, ohne dass man weiß, wie das Areal weiter genutzt wird“, sagt Thomas Winkelmann, Chef der Billigfluglinie Germanwings. Tatsächlich gibt es bislang kein Nutzungskonzept. Ein paar Wohnhäuser und Bürogebäude sollen am Rande entstehen. Und gewiss ist, dass die Fläche mit zwei Start- und Landebahnen einen Kühlschrank-Klimaeffekt für die Stadt hat. Aber was das für die Zukunft bedeutet, weiß bislang keiner in Berlin.

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Und so kommen sie noch einmal, um einen letzten Blick zu wagen. Um die Zäune des Geländes herum stehen mehrere Dutzend „Spotter“, die dem Dauerregen trotzen und den Maschinen bei der Landung zuschauen. Bald müssen sie dafür nach Schönefeld – rund 30 Kilometer außerhalb der Stadt, wo 2011 der neue Flughafen Berlin Brandenburg International entsteht.

Es bleiben die Geschichten rund um den 1926 gegründeten Flughafen in Tempelhof. Hier startete die Lufthansa ihren Linienbetrieb, landeten die Alliierten mit ihren Rosinenbombern und kommen bis heute Promis mit ihren Privatjets. Auch Winkelmann hat eine Geschichte zu erzählen, nämlich, dass die Berliner der polnischen Fluglinie LOT einen Spitznamen vergeben haben: „Landet Och Tempelhof“. Der Grund: Mehrfach wurden LOT-Maschinen entführt und zur Landung in Tempelhof gezwungen. Das war eine Variante der DDR-Flucht.

Am heutigen Tag erteilen historische Flugzeuge dem Flughafen ihre letzte Ehre. Eine vierstrahlige Propellermaschine DC-6 von British Eagle aus den Sechzigerjahren steht mitten auf dem Rollfeld. Mehrere zweimotorige DC-2 sind gekommen und gehen für kurze Rundflüge in die Luft. Natürlich darf auch der Rosinenbomber nicht fehlen, eine betagte Ju-52, die zu Tempelhof gehört wie ein Tower zu Flughäfen.

Und noch eine Maschine steht auf dem Rollfeld – eine zweimotorige Dornier 328 von Cirrus Airlines. Sie wird die letzte sein, die den Abflug macht. Seit elf Jahren landet die kleine Linienfluggesellschaft im Tempelhof. Rund 30 Gäste dürfen sich heute um 21:50 in die Geschichtsbücher des Flughafens eintragen.

Und auch sie werden wohl klatschen, wenn sie wieder gelandet sind.

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