Luftfahrt: Chefwechsel sind gut für die Lufthansa

Luftfahrt: Chefwechsel sind gut für die Lufthansa

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Lufthansa-Chef Mayrhuber: Der Krise den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der bevorstehende Chefwechsel stärkt die Fluglinie – vorausgesetzt, die Arbeitsteilung zwischen Konzernlenker und Passagechef funktioniert.

Wenn der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa am kommenden Mittwoch die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber endlich offiziell macht, überrascht das allein wenig. Christoph Franz, derzeit Chef des Passagiergeschäfts, steht seit fast einem Jahr als Nachfolger fest. Klar ist auch, wer wiederum Franz’ Posten übernimmt und die Kernsparte leitet: Carsten Spohr, bisher Chef des Frachtbereichs Lufthansa Cargo. Aber der Wechsel verändert die umsatzstärkste Fluglinie der Welt von Grund auf. Denn Franz und mehr noch Spohr ähneln in Sprache, Gestik und Arbeitsstil so wenig dem scheidenden Konzernchef Mayrhuber, wie dies in einem so auf Konsens gebauten Unternehmen wie der Lufthansa eben möglich ist.

Lange Unterschätzt

Franz ist ein bestechender Analyst und Stratege, mehrsprachig und oft seiner Zeit voraus – wie in seiner Ära bei der Bahn, wo er 2003 ein Preissystem im Stil der Billigflieger einführen wollte, aber scheiterte. Doch obwohl in Frankfurt geboren, erfüllt er eher die Stereotype eines spröden Schweizers, dem Öffentlichkeit und mitreißende Kommunikation kaum liegen. Eigenschaften, die er schon besaß, bevor er zwischenzeitlich Swiss leitete. Eigenschaften, die den 50-Jährigen zum Lenker eines komplexen Konzerns qualifizieren, aber nur bedingt zum Chef des markengetriebenen Gefühlsgeschäfts der Passagiersparte. Ganz anders Spohr, der das Zeug hat, die Premiummarke Lufthansa zu personifizieren wie Michael O’Leary Ryanair oder Joachim Hunold Air Berlin. Denn wie die beiden kennt Spohr die Fliegerei in all ihren Facetten, auch weil er das Kapitäns-Patent besitzt. Dazu kommt seine Lebensnähe, die auf dem politischen Parkett ebenso funktioniert wie in der Lagerhalle. Der 44-Jährige redet lauter und klarer als sein Vorgänger, ohne durch Kunstworte wie Opportunitäten abzuschrecken. Darum haben viele Spohr lange unterschätzt, zumal er es auf keinem Posten länger als zwei Jahre aushielt und bis vor Kurzem nie eine Krise meistern musste. Die Zweifel hat er zerstreut, als er jüngst das von der Rezession besonders gebeutelte Frachtgeschäft in Rekordzeit zur Ertragsperle machte. Dabei half ihm auch seine Kommunikationsfähigkeit. Spohr hatte die Gewerkschaften bereits von Kurzarbeit im Frachtbereich überzeugt, da hatten die Verhandlungen im Passagiergeschäft nicht einmal begonnen.

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Der Gegensatz zwischen sprödem Konzernchef und charismatischem Leiter des Kerngeschäfts kann Unternehmen lähmen. Oder voranbringen, wenn Stratege und Umsetzer gemeinsam den Reformstau im Kampf gegen Billigflieger und -Linien aus den Golfstaaten auflösen.

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