Luftfahrt: Die Lufthansa setzt Zeichen

KommentarLuftfahrt: Die Lufthansa setzt Zeichen

Bild vergrößern

Logo der Lufthansa auf dem Flughafen von Frankfurt am Main auf den Leitwerken von Flugzeugen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der neue Chef des Lufthansa-Fluggeschäfts Carsten Spohr hat sich seinen Vorstand gebaut - und sich die Rolle als Gesicht der Airline reserviert. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kreß.

Auch in seinem neuen Job ist Carsten Spohr kein Mann der zögert. Noch bevor er zum Jahreswechsel das Passage genannte Fluggeschäft unter der Marke Lufthansa übernimmt, baut der heutige Leiter des Frachtgeschäfts den Vorstand der Airline gründlich um. Er holt sich drei neue Leute und behält mit dem bisherigen Finanz- und Personalverantwortlichen Roland Busch einen Vertrauten, der bereits bei der Cargo genannten Frachtsparte des weltgrößten Airlinekonzerns für ihn arbeitete. Dagegen haben nun die drei heutigen Passage-Vorstände neue Jobs. Karl Ulrich Garnadt folgt Spohr als Frachtchef nach, Chefpilot Jürgen Raps fliegt als Chefpilot in den Ruhestand und Thierry Antinori führt statt Vertrieb und Marketing nun die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines in Wien.

Die Tabula rasa in der Chefetage nutzt Spohr zu grundlegenden Veränderungen. So haben die Lufthansa-Organisationen an den Hauptdrehkreuzen in Frankurfurt und München nun mit dem Chefpiloten Kay Kratky und Thomas Klühr zwei verschiedene Vorstände. Damit arbeiten sie – Konkurrenz belebt das Geschäft – auch rein äußerlich fast schon wie zwei verschiedene Fluglinien. Dazu sind Vertrieb und Preismanagement nicht länger getrennt, sondern arbeiten unter dem heutigen US-Vertriebschef Jens Bischof.

Anzeige

Das hat letztlich seinen tieferen Sinn. Und der lautet, die Rolle von Spohr zu stärken. Denn bei dem laufen nicht nur alle Fäden zusammen. Er hat für sich drei der reizvollsten Rollen reserviert: Er ist zu allererst der Stratege. Denn die neuen unter ihm sind bisher vor allem als tatkräftige Macher und Umsetzer in Erscheinung getreten – und weniger als kreative Entwickler. Spohr hingegen hat bereits früher die Strategieabteilung geleitet und hat die Business Development genannte Abteilung direkt unter sicht angesiedelt. Dazu ist er Schlichter, der entscheidet, ob die Lufthansa nun stärker in Frankfurt, München oder abseits der Drehkreuze zulegt.

Am wichtigsten ist freilich die dritte Rolle: Spohr wird stärker denn je das Gesicht der Marke Lufthansa sein. Das liegt nicht nur daran, dass der Manager mit der Verkehrspilotenlizenz für die Konzernairbusse seit gut zehn Jahren der erste echte Chef des Passage ist, der kommt um zu bleiben. Vor ihm haben die Chefs das mit knapp 17 Milliarden Euro Umsatz mit Abstand größten Geschäftsfeld der Lufthansa entweder nebenbei geleitet – wie vor ihm Wolfgang Mayrhuber und Jürgen Weber – oder sich als Kurzzeitchef für die Konzernführung warmgelaufen, wie es seit anderthalb Jahren Christoph Franz tut.

Spohr hat sich hingegen die wichtigsten Funktionen mit Außenwirkung gesichert: das Produkt und das Marketing. Diese beiden Funktionen leitet künftig ein ihm direkt unterstellter Manager. Das bedeutet in der Praxis, wenn irgendwo ein neuer Sitz oder eine spektakuläre Aktion mit Öffentlichkeitswirkung vorzustellen ist, fällt Spohr die Aufgabe zu.

Das ist zum einen gut für die Lufthansa. Denn auch im Fluggeschäft lebt die Marke von Persönlichkeiten, die mit auffälligem Auftreten und flotten Sprüchen für Aufmerksamkeit werben. Das ist Angesichts der wchsenden Bedrohung durch Billigflieger und die Fluglinien vom Persischen Golf wie Emirates . Bislang hat Deutschlands größte Airline darauf verzichtet und das Feld weitgehend einem Kasper wie Michael O’Leary von Ryanair oder Joachim Hunold von Air Berlin mit dem Typ bodenständiger Selfmademan überlassen. Und bei allem Respekt, der neue Konzernchef Franz wäre in der Rolle als Mister Lufthansa nicht für jeden die erste Wahl. Spohr mit seiner flotten Ruhrgebietszunge, der spontanen Art und dem lauten Lachen schon eher.

Und auch für Spohrs Karriere muss diese Rolle kein Schaden sein. Zwar hätte er sicher nichts dagegen gehabt, spätestens in ein paar Jahren selbst Konzernchef zu werden, was ihm jetzt verbaut ist. Franz bleibt wohl mindestens gut zehn Jahre. Und ob Spohr trotz seiner laut verkündeten und gelebten Vorliebe für sein junges Familienleben so lange durchhält, bleibt abzuwarten.

Aber auch hier lehrt die Geschichte: die beiden letzten Vollzeitchefs der Passage – Frederick Reid und Karl-Friedrich Rausch - haben sich in dem, Job so profiliert, dass sie dann höhere Weihen anderswo bekamen: bei Delta Air Lines beziehungsweise der Deutschen Bahn.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%