Luftfahrt: Flugbranche fehlt der Schub im öffentlichen Auftritt

KommentarLuftfahrt: Flugbranche fehlt der Schub im öffentlichen Auftritt

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Landeanflug auf einen Flughafen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Internationale Luftfahrtmesse im Juni in Berlin, großes Podium der Initiative Luftverkehr im September und heute der Deutsche Luftverkehrs-Kongress mit Ministern, Managern und Zukunftsforschern: in diesem Jahr gibt die bundesdeutsche Flugbranche offenbar so richtig Gas in der Öffentlichkeit.

Das ist auch bitter nötig. Denn obwohl die Krise der vergangenen zwei Jahre praktisch vorüber ist, leidet die Branche derzeit unter einem kräftigem politischen Gegenwind durch die Passagiersteuer ab 2011, dem Emissionshandel ab 2012 und schließlich drohen an immer mehr Flughäfen empfindliche Beschränkungen durch Nachtflugverbote. Da tut es gut, wenn nun nicht nur Airbus-Chef Thomas Enders Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber oder Fraport-Chef Stefan Schulte, sondern auch mal   Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag Winfried Hermann sich in der Öffentlichkeit mal zur Flugbranche und ihren positiven Seiten äußern, etwa dass ein Exportland wie die Bundesrepublik ein dichtes Flugnetz braucht und die Branche eine zuverlässige Jobmaschine ist.

Das ist eine schöne Abwechslung, denn normalerweise machen sich Politiker unpopulär, wenn sie für Airlines und Flughäfen werben – und höchstens dann populär, wenn sie für die Flugzeughersteller eintreten. Dabei hänge die Jobs von von Herstellern und Airlines zusammen. Airbus auf Dauer vor allem da produzieren, wo die Kunden sitzen. Verkümmern die europäischen Linien und boomen die in Arabien oder Asien, werden auf Dauer auch dort die Flugzeuge hergestellt.

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Insgesamt ist die Kongress-Reihe aber leider zu wenig. Wenn die Branche wirklich auf Dauer wachsen will und ihre führende Rolle nicht an die neuen stark wachsenden Luftverkehrszentren am persischen Golf wie Dubai verlieren will, muss sie mehr und vor allem anders für sich werben.

Mehr Infozentren und Botschafter

Kongresse sind schön, doch sie erreichen in der Regel nur Journalisten, und von denen meist nur alle, die ohnehin schon von der Luftfahrt überzeugt sind. Was oft fehlt ist der Kontakt zu den Bürgern - außerhalb irgendwelcher Mediationsverfahren. Denn auch wenn kein Mensch gern in einer An- oder Abflugroute leben will, träumt am Ende doch jeder vom Flug in den Urlaub. Dafür muss die Branche werben, so wie die Autoindustrie trotz aller Staus und Umweltbelastungen am Ende doch bei fast allen für Freude am Fahren steht.

Dazu gehört zum einen der schon lange diskutierte Dachverband der Flughäfen, Fluglinien, Flugsicherung und Hersteller, die zwar heute in Berlin gemeinsam Veranstalter sind, aber im Alltag oft mehr gegen- als miteinander arbeiten und sich gelegentlich auch intern uneins sind. Wie sehr zeigt die Tatsache, dass die Flugsicherung für heute zu einer Pressekonferenz in einen Frankfurter Vorort eingeladen hat, obwohl es alle Fluginteressierten heute nach Berlin zieht.

Aber auch beim Marketing muss die Branche etwas aktiver werden, neben mehr Werbung zählen dazu möglicherweise mehr Informationszentren, die über Dinge wie Fernweh für den nötigen Ausbau werben. Bislang gibt es das nur in Frankfurt. Es liegt zwar ganz verschämt in der Ecke einer Passage, an der die Passagiere auf ihrem Weg zum Terminal oder dem Bahnsteig eher achtlos vorbei hetzen. Aber immerhin gibt es die Stelle. Allen anderen Flughäfen ist der Platz in ihren Terminals zu schade, und sei es auch nur, weil sie zur Finanzierung ihrer aufwändigen Bauten möglichst viel Läden und Imbisse brauchen.

Dazu müssen die Branche auch mehr in de Bevölkerung für sich werben. An vielen amerikanischen Flughäfen gibt es ein Heer von Freiwilligen, die sich um Passagiere kümmern und auch in ihrer Nachbarschaft als Flughafen-Botschafter wirken.

Das mag auf den ersten Blick sehr nach klein-klein aussehen. Doch auf Dauer hat die Branche keine Alternative.

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