Luftfahrt: Irre Zuschläge bei Flugreisen

Luftfahrt: Irre Zuschläge bei Flugreisen

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Melkkuh Geschäftsreisender: Flüge am Ende teurer als erwartet

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Zahl der Zusatzgebühren bei den Fluglinien wächst – aber auch der Widerstand von Geschäftsreisenden und Urlaubern.

Jay Leno erinnert sich an wenige seiner vielen Flüge so gut wie an einen im Juli. „Da hat sich ein Passagier verletzt und die Crew hat ihm geholfen“, erzählte der US-Talkmaster. „Aber zuerst haben die sicher eine Erste-Hilfe-Gebühr kassiert.“

Für Fernsehstar Leno war der Verbandszuschlag nur ein Witz, für Flugmanager ist er aber womöglich eine gute Idee. Schließlich sind Gebühren für Gepäck, Getränke und andere Nebenleistungen, die früher mal im Ticketpreis enthalten waren, derzeit das wichtigste Wachstumsfeld der Branche. Während die reinen Flugumsätze trotz des aktuellen Aufschwungs noch unter denen des Vorkrisenjahrs 2008 liegen, gehen die vornehm als Nebeneinnahmen bezeichneten Zuschläge durch die Decke.

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Bei Europas Fluglinien ist der Umsatz mit den Extras innerhalb der vergangenen fünf Jahre laut Schätzungen von Verbraucherverbänden von einer halben auf mehr als zwei Milliarden Euro gestiegen, in den USA sogar von weniger als einer auf gut vier Milliarden Euro, wie eine Studie des US-Verkehrsministeriums zeigt. Im ersten Quartal 2010, so die Studie, war es noch mal ein Drittel mehr als im Vorjahr. Das verärgert die Passagiere, weil die Flüge am Ende oft deutlich teurer werden als erwartet.

Gebühren für Kaffee und Brötchen

Erhöht haben die Fluglinien nicht nur klassische Gebühren etwa für Übergepäck und Umbuchungen, die bei Geschäftsreisenden dauernd vorkommen. Sie kassieren auch für immer mehr andere Dienste. Begonnen hat die Gebührenseuche, als der irische Billigflieger Ryanair Anfang der Neunzigerjahre für Kaffee und Brötchen die Hand aufhielt. Inzwischen berechnet nahezu jede Linie – mit wenigen Ausnahmen wie Emirates – ein ganzes Menü von Sonderleistungen, allen voran Ryanair mit nicht weniger als 38 Posten. Dazu zählen auch Dinge, um die kein Reisender herumkommt, wie Check-in und das Bezahlen des Tickets, falls der Kunde keines der wechselnden exotischen Kartensysteme wie Mastercard Prepaid nutzt.

Das Geld ist Balsam für die schwachen Bilanzen der Airlines. „Von den Einnahmen bleibt der überwiegende Teil als Gewinn hängen“, sagt Jürgen Ringbeck, oberster Flugexperte der Unternehmensberatung Booz & Company. Beispiel Übergepäck: Ein Kilo mehr an Bord erhöht die Spritkosten selbst auf einem Langstreckenflug nur um weniger als einen Euro. Ihren Kunden knöpfen die Airlines dafür aber bis zu 20 Euro ab. Einige verkaufen sogar ausschließlich Zusatzpakete von mehreren Kilo, die etwa beim Lufthansa-Partner United bis zu 150 Euro kosten können.

Ein Ende ist nicht absehbar. Der US-Billigflieger Spirit hat zum 1. August das kostenlose Handgepäck gestrichen und verlangt für Fensterplätze umgerechnet zwölf und für Gangplätze umgerechnet zehn Euro extra. Und ob die Ryanair-Idee, für den Gang zur Toilette einen Euro zu verlangen, wirklich nur ein Witz war, muss sich erst noch zeigen.

Doch inzwischen wächst mit der Liste der Extras auch der Widerstand dagegen. Denn die Gebührenwelle sorgt laut Studien des US-Reisebüroverbands ASTA nicht nur für durchschnittlich 20 Prozent höhere Flugpreise, sondern vor allem für Verwirrung und Unmut. „Welche Kosten letztendlich entstehen, ist für den Reisenden oder das Unternehmen bei der Buchung in der Regel nicht mehr absehbar“, sagt Andreas Wilbers, der die Gebührenflut im Auftrag des Deutschen Reiseverbandes untersucht hat.

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