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Luftfahrt: Lufthansa drohen Nachteile durch den EU-Emissionshandel

von Rüdiger Kiani-Kress und Silke Wettach (Brüssel)

Der EU-Emissionshandel in der Luftfahrt erweist sich als chaotisches Bürokratenwerk. Der Lufthansa drohen Nachteile gegenüber dem Rest der Branche.

Nachteile für Lufthansa durch Quelle: AP
Nachteile für Lufthansa durch den geplanten Emissionshandel Quelle: AP
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Nach sechs Jahren an der Spitze der Lufthansa (LH) strahlt Wolfgang Mayrhuber meist jene Gelassenheit aus, die man Bewohnern seiner österreichischen Heimat nachsagt. „Sich groß aufregen“, sagt der 62-Jährige, „bringt doch oft gar nix.“ Zu den wenigen Dingen, die Mayrhuber trotzdem in Wallung versetzen, gehören die wachsenden Umweltauflagen für seine Branche. „Das sind meist nur grün angestrichene Steuererhöhungen“, schimpft Mayrhuber.

Der Ärger des Österreichers dürfte in diesen Tage sicher noch ein wenig gewachsen sein. Dafür sorgt der Plan der EU, vom Jahr 2012 an die Fluglinien für den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid zur Kasse zu bitten – indem sie in bestimmten Umfängen Emissionsrechte erwerben müssen, wie seit 2005 Energieerzeuger oder Zementwerke. Die Vorbereitungen dazu starten in diesen Tagen.

Und die, das zeigt sich schon jetzt, haben es in sich. Nicht nur, dass die Fluglinien mit einem Wust unklarer Vorschriften überzogen werden, deren praktische Umsetzung chaotischer kaum sein könnte. Zugleich verzerren die künftigen Emissionsregeln massiv den Wettbewerb zwischen den Gesellschaften und gehen vor allem zulasten deutscher Airlines. Kein gutes Omen für den Rest der Wirtschaft. „Nach den Fluglinien“, prophezeit Guido Haarmann von der Unternehmensberatung Accenture, „folgen so gut wie sicher weitere Branchen.“

Der Handel mit Emissionsrechten in der Luftfahrt ist ein typischer Fall für gut gedacht, aber schlecht gemacht. „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der Menschheit und lässt sich nur lösen, wenn Unternehmen und Verbraucher viel weniger Treibhausgase ausstoßen“, sagt EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. „In der EU ist der Kohlendioxidausstoß durch Flugzeuge mittlerweile doppelt so hoch wie noch im Jahr 1990, und er wird weiter zunehmen.“

Emissionshandel könnte Erzrivalen Emirates und Etihad helfen

Um die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen, müssen alle Flugunternehmen – ob Lufthansa oder Privatjet-Linie – von 2012 an Erlaubnisscheine für das Kohlendioxid nachweisen, das die Triebwerke ihrer Flugzeuge ausstoßen. Die Vorschrift gilt für Airlines, die in der EU landen wollen. Diese erhalten zunächst Rechte für 82 Prozent der durchschnittlichen Emissionen der Jahre 2004 bis 2006 gratis. 15 Prozent müssen die Airlines bei der EU ersteigern. Den Rest müssen sie an einer Art Börse zukaufen, wo Unternehmen der eigenen oder einer anderen Branche Emissionsrechte veräußern, etwa weil sie den Ausstoß an Kohlendioxid gesenkt haben. Ab 2013 sinkt der Gratisanteil um zwei Prozent.

Doch das System, das bereits 2003 angekündigt wurde, ärgert die Airlines von Anfang an. „Wir sind für weniger als zwei Prozent der von Menschen gemachten Klimagase verantwortlich“, klagt Mayrhuber. Trotzdem sollen die Airlines dafür bezahlen, während Branchen wie die Schifffahrt oder die Landwirtschaft kostenlos davon-kommen. Und das, obwohl die Fluggesellschaften ein eigenes Interesse haben, den Kohlendioxidausstoß zumindest indirekt zu senken. „Flugbenzin ist unsere größte Kostenposition“, sagt der LH-Chef. Wir haben also allen Grund, Verbrauch und damit die Umweltbelastung zu drücken.“ Statt- dessen befürchtet er nun Mehrkosten von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr.

Ebenso fuchst Mayrhuber, dass der Emissionshandel seinen arabischen Erzrivalen Emirates und Etihad hilft, die ihm dank staatlicher Unterstützung bereits heute mit Kampfpreisen Kunden abjagen. Denn das System erfasst nur Flüge von und nach Europa. Emirates und Co. benötigen deshalb künftig nur für Flüge von und nach Dubai oder Abu Dhabi Emissionsrechte – Weiterflüge nach China oder Indien fallen nicht unter das Regime. Dagegen muss die Lufthansa für den ganzen Flug etwa von Frankfurt nach Peking bezahlen.

Gesteigert wird der Unmut vieler Airline-Manager durch die zähe Arbeitsweise der Brüsseler Bürokraten. Das Programm ist deutlich hinter dem Plan. Bis Ende August sollten alle Fluglinien ihren zuständigen nationalen Behörden nachweisen, wie sie ihren Kohlendioxidausstoß messen und belegen wollen. Wer den Termin nicht einhält, so die bisherige Planung, soll ab 2012 keine Gratiszertifikate bekommen.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.09.2009, 15:15 UhrAnonymer Benutzer: @Prof. Dr. Medenbach

    Deine Sprache ist genau wie A. Hilter, nur anderes ausgedruckt als "DEUTSCHE LEbENSRÄUME"...

  • 04.09.2009, 20:32 UhrAnonymer Benutzer: Prof. Dr. Medenbach

    interessanterweise hat man anscheinend in berlin bis heute noch nicht gemerkt, dass EU-Entscheidungen fast immer deutsche Unternehmen und/oder Deutschland benachteiligen.

  • 04.09.2009, 16:30 UhrAnonymer Benutzer: Wenigflieger

    Als lebten wir in einer Glaubensdiktatur wird die Frage, ob es tatsächlich einen menschengemachten Klimawandel gibt, und ob dieser, egal ob nun natürlich oder von Menschen beeinflußt, überhaupt überwiegend positive oder negative Folgen hat, gar nicht mehr gestellt.

    Hier wird eine Glaubenslehre verabsolutiert und uns allen Abgaben aufgezwungen wie eine Kirchensteuer. Auch denen, die nicht an diese These vom menschengemachten Klimawandel glauben, bzw. die Widersprüche dieser Theorie erkennen.

    Die beständige Verteuerung von Energie trifft vor allem die niedrigen Einkommen in allen Lebensbereichen. Deren Lebensstandard sinkt drastisch, während sich Wohlhabende problemlos ihren Lebensstil weiterhin leisten können.

    Und das alles dank Kyoto und dem Ökodogmatismus, der die Emissionen gar nicht reduziert, sondern letztlich nur den Ort ihrer Entstehung verlagert.

    Eine kritische Hinterfragung dieser Politik der Wohlstandvernichtung findet in den Medien leider fast garnicht statt. Als lebten wir in einer Diktatur, deren heilige Dogmen nicht in Frage gestellt werden dürfen.

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