Luftfahrt: Lufthansa stutzt Eurowings für Konzernumbau

KommentarLuftfahrt: Lufthansa stutzt Eurowings für Konzernumbau

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Lufthansa-Flugzeug beim Start: Die Fluglinie kann nun Brussels Airlines und die britische BMI übernehmen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa-Tochter Eurowings legt mehr als die Hälfte ihrer Flugzeuge still und baut rund 600 Stellen ab.Damit forciert die Fluglinie den Umbau in Richtung Billig(erer)-Flieger – und setzt ein Signal im drohenden Arbeitskampf mit den Piloten.

Wenn ein Unternehmen ein Deutschland auf dramatische Umbrüche nicht mit harten Einschnitten, sondern mit Corpsgeist und Konsenskultur reagierte, dann war das bisher die Deutsche Lufthansa. Trotz aller Umbrüche der vergangenen Jahre regelte die Kranichlinie Streitigkeiten bisher weitgehend einvernehmlich. Schließlich war das Untenehmen in einer Wachstumsbranche und kam ohne Entlassungen aus. Zudem galt Aufsichtsratschef Jürgen Weber als Garant der Kontinuität.

Das ändert sich nun unter Christoph Franz, dem neuen Chef der fliegenden Lufthansa. Seit er im vorigen Jahr vom Chefposten der LH-Tochter Swiss zum Favoriten für die Nachfolge von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber aufstieg, hat er alle Hoffnungen auf „Weiter so!“ fast schon mit Genuss zerstört. Auf einmal waren nicht länger Air France oder British Airways die Hauptgegner, sondern Billigflieger wie Ryanair und Air Berlin oder Fluglinien aus den Golf-Staaten wie Emirates, Etihad oder Qatar, denen man sich Lufthanseaten jahrelang als „Qualitätslinie“ haushoch überlegen fühlten.

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Und jetzt macht Franz Ernst. Als erste Maßnahme seines Climb 2011 genannten Programms will er binnen Jahresfrist 19 Jets aus der Flotte der Regionaltochter Eurowings kicken. Es ist der wohl größte Einschnitt, seit Weber Anfang der 90er Jahre die Lufthansa haarscharf an der Pleite vorbeiflog.

Flottenabbau ist nur der erste Schritt

Die Gründe sind die gleichen wie damals, die Kosten laufen davon und das Geschäft bricht ein. Nur steht das Unternehmen dank der schier endlosen Kette kleiner Umbauten der vergangenen 15 Jahre heute etwas weniger unter Zeitdruck als damals.

Der Wandel ist überfällig. Die Eurowings-Minis flogen für Lufthansa Strecken abseits der Drehkreuze Frankfurt und München wie Düsseldorf - Genf sowie Zubringer zur Langstrecke aus kleinen Orten wie Erfurt oder Paderborn. Die Routen wollte Lufthansa trotz aller Verluste unbedingt im Programm haben, weil an ihren Drehkreuzen München und Frankfurt weniger Menschen wohnen als in London oder Paris, den Hauptflughäfen ihrer Konkurrenten British Airways und Air France. Doch auch wenn mit Eurowings und ihren niedrigeren Gehältern die Zahlen etwas weniger rot waren, als wenn Lufthansa das selbst betrieben hätte. Franz sind die Verluste wohl zu groß geworden.

Wie genau die Lücken gestopft werden, ist noch nicht klar. Im Unternehmen ist zu hören, ein Teil der Routen werde ausgedünnt oder gestrichen, ein Teil werde durch größere Maschinen betrieben. Damit wird die Lufthansa nicht nur kleiner. Sie tut einen deutlichen Schritt in Richtung ihrer Konkurrenten Air Berrlin und Easyjet. Sie wird dadurch nicht zum Billigflieger, aber Billigerer-Flieger.

Denn die größeren Maschinen fliegen zwar jeden Passagier billiger als die kleinen. Doch Geld zu verdienen kann die Lufthansa nur, wenn sie die Flieger füllt mit mehr Sonderangeboten. Zudem muss Franz auch die durchschnittliche Flugzeit seiner Jets am Tag auf ein ähnliches Niveau bringen wie die Billigflieger. Das bedeutet, dass die Maschinen in den Drehkreuzen weniger Zeit am Boden verbringen und Umsteiger notfalls länger auf Anschlüsse warten müssen.

Doch das wird relativ leicht im Vergleich zum dritten Punkt auf Franz Agenda. Er muss den Beschäftigten Zugeständnisse abringen. Sie werden wohl mehr arbeiten müssen oder weniger Geld bekommen. Doch dagegen wehren sich besonders die Piloten. Derzeit läuft Konzernweit eine Urabstimmung unter den Piloten über unbefristete Streiks. Dabei geht es vor allem um die Frage, wer im Konzern künftig welche Routen fliegt und wie die Arbeit bezahlt wird.

Das Ende jedenfalls scheint jedenfalls klar. Den Umbau muss Franz hinkriegen. Sonst wird die Lufthansa aufhören zu waschen und – wie zuvor Alitalia und andere- in einem schleichenden Tod Billigfliegern, den Golflinien und anderen das Feld überlassen.

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