Luftfahrt: Lufthansas Kreditkartengebühr kostet die Wirtschaft dreistelligen Millionenbetrag

Luftfahrt: Lufthansas Kreditkartengebühr kostet die Wirtschaft dreistelligen Millionenbetrag

von Hans-Jürgen Klesse

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat wegen der neuen Kreditkartengebühren Ärger mit seinen Firmenkunden: Die Einführung der Entgelte belastet die Wirtschaft mit einem dreistelligen Millionenbetrag, befürchtet der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), in dem über 500 deutsche Unternehmen organisiert sind.

Die Gebühren – je nach Streckenlänge zwischen fünf und 18 Euro – werden ab 2. November für Tickets erhoben, die mit Kreditkarte bezahlt werden, bei rabattierten Firmentarifen im Rahmen der sogenannten Lufthansa-Firmenförderung kommt die Gebühr erst ab 31. März kommenden Jahres. Betroffen sind nicht nur Flüge von Lufthansa sondern auch die der Konzern-Töchter Swiss, BMI, Brussels Airlines und Austrian.

Was den VDR besonders ärgert: Noch auf der Herbsttagung des Verbandes im November hatte die Lufthansa versichert, dass es kein Kreditkartenentgelt geben werde. Die Fluggesellschaft bestreitet das: Airlines stünden grundsätzlich unter Druck, ihre Vertriebskosten weiter zu senken, die Gebühren würden nur einen Teil der tatsächlichen Kreditkartenkosten decken. Der VDR hält das Argument für vorgeschoben: „Das Entgelt steigert die Kosten um bis zu zwei Prozent, obwohl das von der Lufthansa an die Kreditkartenfirmen zu entrichtende Disagio höchstwahrscheinlich niedriger ist“, klagt VDR-Präsident Dirk Gerdom. Brancheninsider wie Hans Lehrburger, Reisemanagement-Experte und Inhaber der Nürnberger Unternehmensberatung HLC Consulting, stützen die VDR-Einschätzung, sie schätzen den von den Kartenunternehmen erhobenen Abschlag auf 0,7 bis ein Prozent: „Die Kreditkartengebühren sind deutlich höher als die Aufwendungen und darum reine Abzockerei“, schimpft Lehrburger.

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Nach Berechnungen des Beraters muss ein mittelständisches Unternehmen mit einem jährlichen Flugumsatz von rund einer Million Euro durch die Gebühr mit Mehrkosten von gut 21 000 Euro rechnen. Die aktuelle VDR-Geschäftsreiseanalyse beziffert die Flugkosten aller deutscher Unternehmen für das vergangene Jahr auf knapp 11,5 Milliarden Euro, mindestens zwei Drittel davon entfallen nach Ansicht von Experten auf Lufthansa. Zwar verzichtet die Kranich-Airline auf die Ticket-Gebühr, wenn die Ticketkosten über die neue Debit-Karte der Kreditkartentochter AirPlus bezahlt werden. „Das verschlechtert aber die Liquidität der Unternehmen und verursacht Finanzierungskosten sowie hohe interne Aufwendungen im Rechnungswesen, weil die Ticketrechnungen täglich eingehen und sofort abgebucht werden“, sagt Berater Lehrburger. Bei der bisher üblichen Kartenzahlung wird gilt meist ein Zahlungsziel von 21 Tagen. Theoretisch können die Firmenkunden zwar auch zu der früher gängigen Überweisung nach Rechnungsstellung zurückkehren, eine praktikable Lösung sei das aber nicht, warnt Lehrburger: „Das würde zusätzliche Kosten bei den Reisebüropartnern verursachen, etwa durch höhere Sicherungsbürgschaften, die dann an die Firmenkunden weiterbelastet werden müssten.“

Zudem gewährt Lufthansa Firmenrabatte nur dann, wenn per Kreditkarte bezahlt wird. „Unternehmen, die ihre Tickets auf Rechung beziehen, fliegen aus der Firmenförderung raus“, warnt Berater Lehrburger. Vor allem für Großkunden mit Ticketumsätzen von mehreren Millionen Euro im Jahr hat die Gebühr noch einen weiteren negativen Zusatzeffekt: „Wird das Disagio aus dem Ticket-Endpreis herausgerechnet und extra erhoben, wird dem verhandelbaren Gesamtvolumen für Großkundenverträge ein nicht unerhebliches Teilvolumen entzogen“, klagt VDR-Chef Gerdom. Die Folge: „Viele werden in eine niedrigere Rabattstaffel rutschen, ohne dass sie sich dagegen wehren können“, prophezeit Lehrburger, „die können nur mit den Zähnen knirschen.“

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