Luftfahrt: Probleme bei Airbus gehen weit über Militär-Flugzeug A400M hinaus

Luftfahrt: Probleme bei Airbus gehen weit über Militär-Flugzeug A400M hinaus

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der europäische Flugzeughersteller Airbus droht sich mit seiner Programmvielfalt zu übernehmen. Zumindest für den Militärtransporter A400M bereitet Airbus-Chef Enders nun einen Entwicklungsstopp vor.

Wie die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen erfuhr, befürchtet Airbuschef Thomas Enders ein finanzielles und personelles „Overstretching, „durch zu viele gleichzeitig Ressourcen fressende Entwicklungsprogramme“. Enders wird nach Informationen der WirtschaftsWoche am kommenden Dienstag beim Neujahrsempfang in Sevilla eine hochkritische Lage für Airbus schildern. So drohen Airbus nicht nur beim Militärtransporter A400M Mehrausgaben. Auch beim Airbus-Jumbo A380 laufen die Kosten weiter aus dem Ruder. „

Die Produktion des Flugzeugs stagniert, weil der Hochlauf wegen weiterhin vieler Probleme in der Produktion noch immer nicht geschafft ist“, sagt ein Manager: „Es drohen erhebliche Zusatzkosten und das Flugzeug scheint ein Fass ohne Boden zu sein“, fügt er hinzu. Beim Langstreckenflugzeug A350 fürchten Skeptiker im Unternehmen, „dass auch dieses Projekt in die Krise gerät“.

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Zudem wird nach Unternehmensschätzungen – wie 2009 - auch 2010 der Gewinn durch den schwachen Dollar um eine Milliarde Euro gedrückt. Airbus erwartet aufgrund der Probleme und Verzögerungen sowie der zurückgehenden Erträge der krisengeschüttelten Airlines außerdem massive Abbestellungen. Gleichzeitig muss Airbus bis 2013 fünf Milliarden Euro in die Entwicklung des neuen Langstreckenfliegers A350 stecken.

Zusammen mit den Kosten für den A380 und dem A400M ist so viel Geld in Entwicklungen gebunden, dass die Belastungen höher werden könnten als die flüssigen Mittel. „Die Probleme könnten das Unternehmen mit der Unerbittlichkeit eines Schraubstocks erdrücken“, sagt Denis Gönner, Luftfahrtexperte der internationalen Unternehmensberatung Celerant, der WirtschaftsWoche.

Ausstiegsszenario beim A400M

Auch deshalb bereitet sich Enders konkret auf den Entwicklungsstopp des Militärtransporters A400M vor. Sollten sich die sieben Bestellerländer – vor allem Deutschland, Frankreich und Großbritannien – nicht bis Ende Januar darauf einigen, einen wesentlichen Anteil an den Mehrkosten zu übernehmen, will Enders wichtige Mitarbeiter und Entwicklungsgelder vom A400M abziehen und für den ebenso wichtigen Langstreckenjet A350 verwenden.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche von hochrangigen Managern gibt es bereits ein konkretes Ausstiegsszenario und konkrete Vorbereitungen. So gibt es bereits eine Liste von rund 100 Ingenieuren, die am 1. Februar vom A400M abgezogen werden und in die Entwicklung des A350 versetzt werden. Nach internen Berechnungen wäre ein Ausstieg aus dem A400M für EADS trotz fälliger Zahlungen günstiger als eine Fortsetzung der Entwicklung auf eigene Kosten. Sollten die Bestellerländer nicht die geforderten 5,3 Milliarden Euro Mehrkosten tragen, die EADS einfordert, „wäre es für uns billiger, das Projekt einzustellen, auch wenn wir dann einige Milliarden Anzahlungen zurückerstatten müssten“, sagte ein hochrangiger Airbus-Manager der WirtschaftsWoche.

Offenbar nimmt vor allem Frankreich die Drohung ernst. Wie das Magazin erfuhr, drängt Frankreich darauf, Deutschland als Sprecher der Bestellernationen abzulösen, heißt es in Pariser Rüstungskreisen. „Bisher hat Deutschland zur Lösung nichts beigetragen außer Hinhaltetaktik und fruchtlosem Briefverkehr.“ Darüber hinaus habe Frankreich dafür gesorgt, dass die Bestellerländer übernächste Woche nicht in Berlin, sondern in London tagen. Angeblich wird sogar bereits an einem Kompromiss gearbeitet, der EADS und Airbus mehrere Milliarden Euro Hilfe anbietet.

Derzeit streiten die sieben europäischen Bestellerländer mit Airbus und untereinander, wer wie viel der neun Milliarden Euro bezahlt, die der A400M über das ursprüngliche Budget von 20 Milliarden Euro hinaus mindestens kostet. Airbus will nach den bereits abgeschriebenen 2,4 Milliarden höchstens weitere 3,6 Milliarden Euro übernehmen. Nach Ansicht von Konzernmanagern könnte das verkorkste A400M-Programm zu den jetzigen Konditionen Airbus killen, weil es nicht nur Geld kostet, sondern auch Management- sowie Ingenieurkapazität bindet, die Airbus dringend für andere Programme braucht.

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