Luftfahrt: Ryanair: Die kürzeste Hauptversammlung der Welt

Luftfahrt: Ryanair: Die kürzeste Hauptversammlung der Welt

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Ryanair-Chef Michael O'Leary

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der irische Billigflieger hat sein Aktionärstreffen genauso abgespeckt wie seinen Service. Für Rechenschaftsbericht, Neuwahlen, Brandrede und Personenkult um Airlinechef Michael O'Leary brauchte der Flugdiscounter in dieser Woche in Dublin weniger als eine Stunde. Eine Reportage von Wirtschaftswoche-Redakteur Rüdiger Kiani-Kreß.

Die jungen Herren in den dunklen Anzügen sind ganz besonders entspannt an diesem Mittwoch im Radisson Blu Hotel am Flughafen Dublin. Einer macht ein paare schnelle Scherze über die Börse und die Regierung und dann ruft jemand im Hintergrund „Gentlemen“ und die Herren horchen auf. Einer nimmt sich noch ein Glas Wasser von dem spärlich gedeckten Tisch und dann gehen alle in den Konferenzraum.

Die lockere Runde erwartet kein Seminar oder eine Informationsveranstaltung. Sie gehen zur Hauptversammlung eines europäischen Großunternehmens, das an der Börse fast sechs Milliarden Euro wert ist. Europas Billigmarktführer Ryanair hat seine Investoren geladen, um über das vergangene Jahr und seine Rekorde zu berichten. Das hat den Flugdiscounter mit fast 67 Millionen Passagieren zur drittgrößten Fluglinie Europas gemacht – nur Air France und Lufthansa sind dank ihrer Zukäufe noch größer. Die Iren haben mit gut zehn Prozent die höchste Umsatzrendite der Flugbranche in Europa. Und ganz nebenbei will Ryanair noch ein paar milliardenschwere Beschlüsse fassen.

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Aber wie alles andere ist beim irischen Flugdiscounter auch die Hauptversammlungen anders. Wer im Alltag dauernd die Regeln bricht, kann offenbar unmöglich einen normalen Aktionärstreff abhalten. Andere Unternehmen dieser Größe und mit einer der bekanntesten Marken Europas würden eine zumindest mehrere hunderttausend Euro teure Leistungsschau für die Anteilseigner abziehen in einer Riesenhalle mit einer imposanten Bühne und vielen Imbissständen. Dazu eine eigenen Presselounge, damit Reporter nur ja keinen Aktionär ansprechen. Nur so glauben Dax-Konzerne und andere, die umfangreichen Regeln für börsennotierte Konzerne erfüllen zu können.

Verwaltungsrat ohne Krawatte

Ryanair hingegen veranstaltet eher ein Familientreffen. Statt hunderter Aktionäre, zig Investmentbänkern, Analysten und  Journalisten sind nur rund 40 Leute hier. Eine handvoll Leute tragen den typischen dunklen Anzug eines Bankers, die meisten aber sind ältere Damen und Herren. Und im Gegensatz zu einer guten deutschen Hauptversammlung hockt hier vor Beginn keiner hinter Geschäftsbericht und Bergen von Papier. Der Ryan-Aktionär plaudert locker und scherzt.

Dass es nicht wie geplant um 10 Uhr losgeht wäre in Deutschland undenkbar. Hier stört hier keinen. Erst um fünf nach zehn kommt ein sportlicher Mann mit Jeans, Sakko und weit offenem Hemd herein. „Hi Leute“, sagt er kurz mitten im Raum. Dann geht er hinter den Tisch mit den Namenschildern und packt hinter „Michael O`Leary“ ein paar Unterlagen und die Lesebrille, die gerade noch wie bei einem Italienurlauber in den Haaren steckt. Der Mann ist der Vorstandsvorsitzende, Großmaul und Enfant Terrible der Flugbranche mit Vorschlägen wie gebührenpflichtigen Toiletten an Bord oder Ticketzuschläge für Übergewichtige. Und ihm, O'Leary, gehören vier Prozent des Unternehmens.

„Leute“, sagt er kurz – und sofort ist alles so schnell still, wie sich das jeder Schullehrer wünschen würde. „Leute, danke für die Geduld. Unsere Verwaltungsratssitzung hat leider was länger gedauert und jetzt muss ich noch kurz vor eine Fernsehkamera. Sie wissen ja, ich kann an keiner vorbei gehen, wenn um unser Unternehmen geht.“

Kurzes Lachen im Publikum. „Aber nicht zu lange“, ruft ein Aktionär scherzend.

Als O’Leary raus ist, kommen mehrere ältere Herren herein. Sie begrüßen ein paar der Banker und setzen sich an den Tisch mit den Namensschildern. Der Verwaltungsrat also. Alle tragen dunkle Anzüge aber nur acht eine Krawatte. Die drei Ausnahmen entpuppen sich als Ryanair-Vorstände.

Endlich stürmt O'Leary im Laufschritt durch den Raum, sagt „Sorry“ und setzt sich.

Dann eröffnet der Verwaltungsratschef David Bonderman die Sitzung. Der Mann ist eine Investmentlegende und einer der einflussreichsten Leute im Fluggeschäft, weil er mit seinem Private Equity Fonds TPG Group in der notorisch defizitären Branche ein Vermögen gemacht hat, mit ein paar glücklichen Investments wie Ryanair oder der Sanierung etwa der US-Linie Continental Airlines.

Doch eine eindrucksvolle Erscheinung ist der Milliardär aber nicht. Seine Haare stehen wirr ab. „Wenigstens hat er diesmal nicht wieder einen halb durchgewetzten Anzug an“, sagt einer der Aktionäre.

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