Luftfahrtkonzern: EADS auf Messers Schneide

KommentarLuftfahrtkonzern: EADS auf Messers Schneide

von Rüdiger Kiani-Kreß

Trotz der Krise hatten der Luftfahrtkonzern EADS und seine Tochter Airbus ein relativ gutes Jahr. Doch die tiefen Probleme des Unternehmens sind nicht verschwunden, sondern nur verschoben.

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EADS-Vorstandschef Louis Gallois (links) and Airbus-Chef Thomas Enders auf der Jahrespressekonferenz im spanischen Sevilla.

Auf den ersten Blick ist also noch mal gut gegangen. Noch Anfang des vorigen Jahres sah es beim europäischen Luftfahrtriesen EADS und seiner Ziviltochter Airbus nach einem rabenschwarzen Jahr aus, in dem der schwache Dollar, politisches Tauziehen und die Schwäche der Flugbranche dem Unternehmen massive Probleme und Milliardenverluste bringen könnte. Doch auf seiner Jahrespressekonferenz im spanischen Sevilla präsentierte Konzernchef Louis Gallois Superlative so weit das Auge blickt. Rekord-Auslieferungen bei Airbus, wachsende Aufträge in Bereichen abseits von Airbus und relativ gute Zahlen nicht zuletzt dank der geringen Belastungen bei Kundenfinanzierung.

Doch das täuscht. Die Probleme, die sich Anfang des vorigen Jahres abgezeichnet haben, sind keineswegs verschwunden, sondern nur verschoben. Nach wie vor arbeitet das Vorzeigeunternehmen EADS auf Messers Schneide. Der A400M und der Superjumbo A380 sind ein Milliardengrab und keinen Schritt näher daran Gewinn zu machen. Der Dollar bleibt schwach und drückt den Konzerngewinn. Die Fluglinien haben nach wie vor weniger Geld denn je.

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Hochmut der Gründerjahre

Das alles sind nicht die Fehler der heutigen Konzernführung, die die Beschlüsse bestenfalls mitgetragen hat, sondern ein Produkt des Hochmuts der Gründerjahre, als Boeing scheinbar alles falsch und besonders Airbus scheinbar alles richtig machte. Die Führungsspitzen von EADS und Airbus haben sich offenbar für Supermänner gehalten, die anstatt die Hausaufgaben zu machen sowie das Unternehmen zusammenzuführen lieber Prestigeprojekte ohne Aussicht auf große Gewinn angestoßen haben wie den A400M und A380. Nun wächst der Frust unter den Mitarbeitern, weil die Hauptprogramme wie der kleine A320 oder der neue Leichtbauflieger A350, mit denen der Konzern sein Geld verdient, unter den Nacharbeit an den Verlustprojekten leiden.

Dagegen tritt nun Enders an mit der Vorgabe „die Fehler von damals nicht zu wiederholen und Probleme nicht aus Bequemlichkeit zu ignorieren oder in die Zukunft zu verschieben.“ In seltener Konsequenz und Entschlossenheit arbeitet er an Milliardeneinsparungen. Bei politischen Unternehmen wie EADS und Airbus ist das keine Kleinigkeit, gegen alte Gewohnheiten wie nationale Zöpfe oder Aufträge, die kein Geld bringen, anzugehen.

Noch kein Orden für den Airbus-Chef

Doch ein Orden gebührt Enders dafür eigentlich nicht, wenn er ihn denn überhaupt wollte. Denn das sind alles betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeiten. Wenn sich Enders echten Ruhm – und bei Erfolg den Chefposten des EADS-Konzerns – verdienen will, dann muss er neben Betriebswirtschaft auch zwei andere Dinge ändern, nämlich den Einfluss der Politik zurückdrängen und sein Unternehmen von einer Spielwiese der Politiker zuerst zu einem europäischen und dann zu einem Weltkonzern machen.

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