Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer: "Fünf Prozent Kunden weniger sind nicht dramatisch"

Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer: "Fünf Prozent Kunden weniger sind nicht dramatisch"

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Stefan Lauer

Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer will seine defizitären Zukäufe sanieren und trotz der Krise keine Leute entlassen.

WirtschaftsWoche: Herr Lauer, dank der Übernahme der Austrian Airlines ist die Lufthansa seit gut einer Woche die größte Fluglinie der Welt. Gleichzeitig stecken Sie wie der Rest der Branche in der wohl tiefsten Krise ihrer Geschichte. Bereuen Sie Ihre Zukäufe?

Lauer: Nicht im Geringsten. Wir haben ja nicht aus irgendwelchen Launen heraus gekauft, sondern weil dies Teil unserer langfristigen Strategie ist. Unsere Branche braucht eine Konsolidierung, und wir wollen dabei eine aktive Rolle spielen. Daran hat die aktuelle Krise nichts geändert. Schiere Größe haben wir dabei nicht als Ziel gehabt. An ihr macht sich Branchenführung nicht fest.

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Wegen der Krise will Ihr Erzrivale Air France mehrere Tausend Leute entlassen. Müssen Sie da nicht nachziehen?

Nein. Wir suchen nach intelligenten Lösungen. Wir haben mit unseren Sozialpartnern immer andere Lösungen gefunden, das gelingt hoffentlich auch diesmal.

Sie haben aber doch ein Sparprogramm namens Climb 2011 aufgelegt, das auch Stellenstreichungen vorsieht.

Dabei geht es vor allem darum, die Kosten erheblich zu senken. Zum Beispiel, indem wir in der Verwaltung, aber auch in anderen Bereichen noch effizienter und produktiver werden. Das bedeutet nicht notwendigerweise Entlassungen.

Air France plant Entlassungen, obwohl deren Minus kleiner als Ihres mit zehn Prozent weniger Umsatz und rund fünf Prozent weniger Passagieren ist?

Jeder muss seinen eigenen Weg definieren. Wir sollten Entlassungen vermeiden, wenn es bessere Möglichkeiten gibt, kostengünstiger und produktiver zu werden.

Welche denn? 

Fünf Prozent weniger Kunden ist kein dramatischer Mengenabriss. Deutliche Rückgänge haben wir aber bei den Erlösen pro Passagier. Unsere Maschinen sind nach wie vor gut besetzt, wir verdienen allerdings rund 20 Prozent weniger. Entlassungen wären daher die falsche Antwort.

Bezahlen die Kunden denn auch künftig für Ihre Qualität? Viele Ihrer früheren Premiumkunden werden auf Dauer nur noch Economy oder gleich Billigflieger buchen.

Im Europageschäft haben wir diesen Trend bereits vor der aktuellen Krise gesehen. Auch Geschäftskunden wechseln heute die Fluglinie, wenn sie pro Flug einige Euro sparen können. In unserem Langstreckengeschäft werden wir dagegen weniger Veränderungen sehen. Hier erwarten wir, dass nach der Krise unsere Kunden zum großen Teil wieder zurückkommen. Das gilt umso stärker, je länger die Strecke ist. Wer nach einem zehnstündigen Nachtflug in der Economyclass am Zielort Geschäfte machen soll, wird das auf Dauer nicht durchhalten. Es sei denn, man verlängert die Dienstreise.

Aber buchen die auch Lufthansa? Auf der Langstrecke jagen Ihnen Golf-Fluglinien wie Emirates oder Etihad und andere asiatische Wettbewerber die Kunden ab.

Unter anderem deshalb müssen wir in Europa aktiv konsolidieren und wichtige Märkte an uns binden.

Aber Ihre Zukäufe wie AUA leiden doch noch deutlich stärker als Lufthansa unter Konkurrenten wie Emirates mit niedrigeren Preisen und einem Service, den viele Kunden als besser empfinden.

Ich bezweifle, dass die Golf-Carrier mit ihren zum Teil deutlich längeren Flugzeiten einen besseren Service bieten als wir. Die Fluggesellschaften in unserem Lufthansa-Verbund können da jederzeit mithalten. Wenn unsere Kunden von Dutzenden Städten in ganz Europa mit nur einmal Umsteigen an ihr Ziel reisen können, ist das ein großer Produktvorteil. Wir haben ein deutlich größeres Netz, bieten kurze Reisezeiten, guten Service und verfügen über etablierte Marken sowie professionelle Mitarbeiter.

Wäre es nicht billiger, die Kunden aus den jeweiligen Ländern nach Frankfurt zu fliegen als gleich die ganze Linie zu kaufen?

Nein, das wäre in vielen Fällen nicht kundengerecht. In Zürich, Wien oder Brüssel gibt es ja Eigenbedarf für Langstreckenflüge. Zwar nicht immer ausreichend für ein weltweites Netz, aber die Nachfrage ist vorhanden.

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