Luftverkehr: Der teure Wettbewerb um die Billigflieger

Luftverkehr: Der teure Wettbewerb um die Billigflieger

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Passagiere besteigen eine Boeing 737 der irischen Fluggesellschaft Ryanair

Mit Rabatten, Subventionen und niedrigen Gebühren locken kleine Flughäfen Ryanair & Co. Doch die Billigflieger sind für Kommunen und Länder ein teurer Spaß.

Im Lübecker Flughafen sind die Ryanair-Flyer das bunteste Element. "Günstige Flüge ab Lübeck" bewirbt der Billigflieger seine Ziele Stockholm und London, natürlich im knalligen Gelb-Blau, den Unternehmensfarben. Ansonsten dominiert hier das Grau der Abfertigungshalle weite Teile des Check-in-Bereichs. Im fast menschenleeren Shoppingschlauch wird der Flug in die Metropolen Europas für nur 18,99 Euro inklusive Steuern und Gebühren angepriesen. Ab Lübeck in der Tat ein Schnäppchen und für Passagiere kaum teurer als das Taxi vom Flugplatz zum Holstentor.

Doch die Angebote haben ihren Preis. Während der irische Billigflieger im vergangenen Geschäftsjahr 300 Millionen Euro verdiente, wird zunehmend klar, wer den tatsächlich zahlt. Selbst wenn sie noch Kofferzuschläge oder Buchungsgebühren addieren, sind es nicht die Passagiere. Es sind Kommunen und Bundesländer, die am Ende mit Millionen dafür aufkommen, wenn regionale Flughäfen Verluste machen. Sie haben die irische Fluggesellschaft mit Ausbauinvestitionen und niedrigen Abfertigungsgebühren angelockt. So sollte auch der lokale Tourismus und die Wirtschaft vom Boom der Billigflieger profitieren. Nun aber zeigt sich, dass nur die wenigsten Konzepte auch eine Zukunft haben. Auch die Stadt Lübeck muss dies gerade erfahren, zumal sie auch noch Klagen von Ryanairs Konkurrent Air Berlin abwehren muss.

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Alle glauben daran, dass ausgerechnet ihr Flughafen eine große Zukunft hat

Erst vergangene Woche sorgte der Bundesgerichtshof dafür, dass ein Prozess der zweitgrößten deutschen Fluglinie gegen die Stadt Lübeck neu aufgerollt wird. Um Ryanair zu ködern, sei die Stadt dem Billigflieger mit unrechtmäßigen Rabatten entgegengekommen, so der Vorwurf von Air Berlin. Bekäme die deutsche Fluggesellschaft im neuen Anlauf Recht, würde der Rabatt als illegale Beihilfe eingestuft und Ryanair damit von der Brüsseler EU-Kommission bestraft. Seit Jahren sieht sich auch die Ryanair-Basis Frankfurt-Hahn mit ähnlichen Vorwürfen – in diesem Fall von der Lufthansa – konfrontiert. Ryanair bestreitet die Vorwürfe. Die Wettbewerbsbehörde in Brüssel zählt indes sechs Vorfälle, in denen Ryanair ein Beihilfeverfahren gegen Mitgliedsstaaten ausgelöst hat. Andernorts gewährte die Lokalpolitik enorme Anschubfinanzierungen, damit Fluggesellschaften überhaupt Starts und Landungen erwägen.

In Erfurt handelte sich das Land wiederholt Rügen des Landesrechnungshofs ein, das Management hält unverdrossen am "Tor für Thüringen" fest. In Rostock-Laage sprach die CDU-Fraktion der Bürgerschaft bereits 2009 ganz offen von Subventionen in Höhe von 50 Millionen Euro. Und im bayerischen Memmingen soll der Freistaat Bayern weitere Millionen in den Ausbau des Flughafens stecken, damit Ryanair der Stadt erhalten bleibt. Eines eint diese Lokal- und Landespolitiker: ein unbeirrbarer Glaube daran, dass ausgerechnet ihr Flughafen vor einer glänzenden Zukunft steht.

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