Luxus: Die Edel-Uhrenhochburg Glashütte tickt anders

Luxus: Die Edel-Uhrenhochburg Glashütte tickt anders

Der eine entwirft neue Zeitmesser, der andere internationalisiert sein Geschäft - die Edeluhrmacher in Glashütte ticken anders als viele deutsche Luxushersteller.

Munterer Blues

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Nomos-Chef Uwe Ahrendt

Das frühere Ladenlokal liegt zwischen einem Obst- und Gemüsegeschäft und einem kleinen Café, dass nur samstags und sonntags öffnet. Die Scheiben sind mit weißer Sichtschutzfolie verklebt. Ausgerechnet hier, auf 210 angemieteten Quadratmetern, entwirft Christine Hutter wieder Grossmann-Uhren - den letzten Zeitmesser dieser Marke hatte der sächsische Uhrmacher Moritz Grossmann vor 124 Jahren hergestellt. Finanziert von privaten Schweizer Investoren, beschäftigt die bayrische Unternehmerin zurzeit drei Mitarbeiter, Ende des Jahres sollen es sieben sein, in ein paar Jahren 50.

Escada insolvent, Porsche vom Absatzeinbruch gezeichnet – von Kater- oder gar Endzeitstimmung ist im sächsischen Glashütte, der deutschen Edeluhren-Hochburg, keine Spur. Im neu eröffneten Restaurant „Drogerie“ laben sich die Größen der örtlichen Uhrmacherbranche an Knoblauch-Pasta. Es scheint wichtigere Themen zu geben als Probleme der Luxusindustrie.

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Uhren aus dem alten Bahnhof

Tatsächlich ticken die Uhren in Glashütte etwas anders als bei Escada und Co. Hier gibt es sie, die Hersteller, die unter dem Dach eines finanzstarken Luxuskonzerns die Krise aussitzen können. Die Edeluhrenmarke A. Lange & Söhne etwa gehört zur Schweizer Richemont Holding, die jährlich fünf Milliarden Euro umsetzt und die neben weiteren Uhren (Cartier, IWC) auch edle Bekleidung (Chloé) und Jagdwaffen (Purdey) im Programm hat. Die Marken Glashütte Original und Union wiederum sind im Eigentum der Swatch Group, die außer Massenware auch die Marken Omega und Breguet vertreibt und fast vier Milliarden Euro jährlich einnimmt.

Auch findet sich in dem 7500-Einwohner-Städtchen die Sorte Unternehmer, die konsequent gegen den Trend handelt. Im alten Bahnhof, in dem heute der mittelständische Uhrenbauer Nomos seinen Sitz hat, betreibt Unternehmenschef Uwe Ahrendt die Internationalisierung der Marke. Ausgerechnet zum Höhepunkt der Krise beginnt er, seine Uhren auch nach China zu exportieren. Dabei haben gerade die wegbrechenden Exporte den Uhrenherstellern die Geschäfte vermasselt. Nach Schätzung von Heinz W. Pfeiffer, dem früheren Chef der Marke Glashütte Original, stürzte der Absatz von Nobelzeitmessern im Ausland seit Krisenbeginn um 50 bis 75 Prozent ab. Nomos setzt trotzdem vermehrt auf Exporte, weil die für das Unternehmen nur Zusatzgeschäft sind. Der selbstständige Mittelständler verkauft immer noch 80 Prozent seiner feinen Uhren in Deutschland, dank der stabilen Binnennachfrage trifft ihn der Nachfrageeinbruch draußen in der Welt wenig.

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