Luxusbranche: Deutsche entdecken den Reiz der Luxusmode neu

Luxusbranche: Deutsche entdecken den Reiz der Luxusmode neu

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Louis-Vuitton-Laden in München: Bei Edelmarken besteht ein regelrechter Run auf exklusive Lagen in deutschen Großstädten

von Lothar Schnitzler

In der Krise nehmen die Deutschen Abstand von handfestem Luxus wie Autos und Möbeln – und entdecken die Mode.

Warum nur einen Laden, wenn es auch zwei sein können? Nach dieser Logik gingen Luxusmarken wie Botega Veneta, Prada, Gucci und Louis Vuitton in den vergangenen Monaten in München zu Werke – und sind in der bayrischen Landeshauptstadt nun doppelt vertreten.

Ausgerechnet in der Krise entdecken die internationalen Luxushersteller und -händler Deutschland als Luxusland. Tiffany eröffnete in Düsseldorf auf dem Höhepunkt der Rezession einen Shop. Der niederländische Edelschuhhersteller Floris van Bommel macht in diesen Tagen in Berlin einen Laden auf – das italienische Modelabel Prada in den kommenden Monaten.

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"Alle wollen nach Deutschland"

Bislang galt Deutschland als schwieriger Markt für Edles und sündhaft Teures. Die Teutonen hatten den Ruf, wenig anfällig für die Verlockungen von Gucci, Prada und Co. zu sein. Ein, maximal zwei Läden im gesamten Land reichte den meisten Herstellern völlig. Das ist vorbei. „Alle wollen nach Deutschland“, sagt Philip Beil, Luxusexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger, „der Run auf die wenigen exklusiven Standorte ist groß.“

Mit von der Partie sind die Luxuskaufhäuser. Der Berliner Nobelhändler Andreas Murkudis eröffnete einen weiteren Laden zu den bestehenden fünf in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. Zugleich eröffnet Murkudis seinen Vertrieb im Internet. Der Luxusstore Apropos, lange Zeit nur in Köln vertreten, wagte den Sprung nach Düsseldorf. Der Sylter Modenarr und Geschäftsmann Karl-Otto Peiffer eröffnete im Sommer als siebten Laden auf der Nobelmeile im Ferienort Keitum einen Fay-Hogan-Laden. Immobilienclan Jagdfeld installierte im Keller des familieneigenen Luxuskaufhauses Quartier 206 an der Berliner Friedrichstraße einen Laden für junge Modedesigner. Und einige Hundert Meter weiter machte der kanadische Designer Campbell McDougall mit dem Darklands 2.0 seine zweite Boutique auf.

Deutschland überrascht Branche mit Stabilität

Deutschland, der Luxusmarkt Nummer drei nach den USA und Japan, hat die Branche während der Wirtschaftsflaute mit einer erstaunlichen Stabilität überrascht. Luxushändler und -hersteller betrachten Deutschland inzwischen als entscheidenden Markt. Das ist das Ergebnis einer bisher unveröffentlichten Studie von Roland Berger, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Die Unternehmensberater befragten 60 führende Manager der großen internationalen Produzenten und Händler nach ihrer Einschätzung.

Überraschend: Vor allem in der Mode und bei den Accessoires sehen die Experten hierzulande ein enormes Wachstumspotenzial. „Deutschland ist für uns einer der wichtigsten Märkte überhaupt“, sagt Longchamp-Deutschland-Chef Bernard Manche. Der französische Taschenmacher hat erst im Dezember eine Boutique an der Düsseldorfer Königsallee bezogen – die achte in Deutschland. Jetzt sucht der Franzose mit Hochdruck – „je früher, je besser“ – einen geeigneten Standort in München. Die Deutschen seien mehr als früher bereit, Geld für Dinge wie Lederwaren auszugeben.

Bislang tendierten deutsche Luxusliebhaber zu investiven Gütern, also langlebigen Gebrauchsgegenständen mit handfester Funktion, etwa Autos oder Möbel. Für flüchtige Dinge wie Mode oder Handtaschen waren die Deutschen schwer zu begeistern. Noch immer kommt Deutschland als Markt für Edelmode mit einem Umsatzanteil von etwa drei Prozent nur auf Platz acht weltweit und gehört damit auf diesem Feld zu den Entwicklungsländern. Bei Luxuskarossen oder Edelmöbeln dagegen halten die Deutschen den zweiten Platz hinter den USA.

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