Luxushotels: Schlafen wie ein Kaiser

Luxushotels: Schlafen wie ein Kaiser

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Medici-Pomp: Im Four Seasons Florenz gibt es Lüster, Fresken und Farben

von Thorsten Firlus

Weltweit widmen Hotelketten Paläste und ehemalige Residenzen zu Luxushotels um statt neue Häuser zu bauen. Denn Charme und Atmosphäre stehen bei den Gästen ganz oben auf der Wunschliste. Welche Herbergen in Denkmälern Abwechslung im Einerlei der Hotellerie bieten.

Zwei Jahre empfing das Hotel keine Gäste, stattdessen zerlegten Handwerker die Einbauten. Die meisten Concierges, Köche und Zimmermädchen arbeiteten in anderen Betrieben. In der Eingangshalle wurde das Holz aufbereitet, in den Zimmern wurden Bäder herausgerissen und Wände versetzt. Mehr als 100 Millionen Euro investierten die Eigner in das denkmalgeschützte Gebäude von 1889. Seit einem Jahr strahlt der Schriftzug Savoy nun wieder in seinem typischen Grünton über der Vorfahrt des renommierten Hotels.

Und viele der Mitarbeiter sind wieder zurückgekehrt, denn nicht allein die Auswahl der Antiquitäten, des Blumenschmucks oder Kronleuchter machten das Haus aus. „Es sind die Mitarbeiter, die den Unterschied machen“, sagt Direktor Kiaran MacDonald. Die Operation ist gelungen, das Haus strahlt in neuem altem Glanz, die „Seele“ des Hauses hat die Zeit überdauert. Das zeigt sich auch daran, dass das Hotel nach zwei Jahren wieder gut belegt ist. Und auch in der Rangliste der besten Stadthotels der Welt landet das Savoy nach der Wiederöffnung auf Anhieb auf Platz 11. Das Ranking ermittelt die Sieger auf Basis von Umfragen unter Hoteliers, Reiseagenten, Auswertung von Führern und internationalen Zeitschriften.

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Hotelketten setzen auf den Umbau von Palästen

Nicht allein die Maxime „Location, Location, Location“ der Immobilienbranche hilft Hotels, sich aus der Masse hervorzuheben. „Charme, Charme, Charme“ aus vergangenen Zeiten hilft enorm. Weltweit setzen Hotelketten statt auf Neubauten auf den Umbau von Palästen, ehemaligen Residenzen, sogar Gefängnissen oder Industriebauten. „Hotels in Denkmälern haben in der Regel sehr gute Standorte, entweder zentral in Städten oder reizvoll in Landschaften. Und sie bieten eine Atmosphäre, die ein Standard-Neubau nicht bieten kann“, sagt Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Im Hotelranking sind allein vier der zehn besten Stadthotels denkmalgeschützt, andere wie das Mamounia in Marrakesch zumindest hinter historischen Mauern versteckt.

Lustwandeln im Privatgarten

Fast musealen Charakter hat das Four-Seasons-Hotel in Florenz, das Platz 3 in der Rangliste Stadthotels belegt. Es besteht aus zwei Renaissancepalästen, und in einigen der 116 Zimmer, vor allem aber in den öffentlichen Bereichen, wurde die Medici-Vergangenheit mit originalen Fresken wiederbelebt. In der engen, laut pulsierenden Stadt punktet das Four Seasons neben einer eigenen kleinen Kapelle mit einem großzügigen Privatgarten, in dem Gäste verschnaufen oder auch ihre Oldtimer ausstellen können. Dank der historischen Grundrisse brechen viele Zimmer aus dem üblichen Raster der internationalen Hotellerie – Diele, Bad rechts, Doppelbett, Schreibtisch gegenüber – aus. Im Four Seasons am Borgo Pinti kann der Gast einer Suite in der Mitte des Raumes seine Badewanne besteigen und durch die Fenster auf die Bäume schauen.

Zu Bett im Ratssaal

Im Londoner Stadtteil Shoreditch müssen sich selbst geübte Reisende neu orientieren. Was früher Amtszimmer und Ratssaal waren, sind heute Gästezimmer, Suiten und Saal für Hochzeiten und Feierlichkeiten. Das Gebäude des Town Hall Hotel ist verwinkelt und verlangt ein wenig Orientierungssinn. Der Hotelentwickler Loh Lik Peng aus Singapur, von Haus aus Anwalt, hat im ehemaligen Rathaus am Patriot Square Elemente der Edwardischen Epoche zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit der zurückhaltenden Ästhetik modernen Hotelsdesigns unserer Tage zusammengeführt. Brautpaare können sich heute dort das Ja-Wort geben, wo früher die Politiker über das Wohl und Wehe des Stadtteils im Osten Londons entschieden.

Kaum ein Zimmer ist geschnitten wie das andere, in einigen sind die alten Kamine verblieben, und die Montfort Suite verlangt vom Bewohner fast ein wenig Mut: In die ehemalige, fast zehn Meter hohe Council Chamber wurden auf drei Ebenen Garderobe, Bad und Bett eingefügt. Dennoch bleibt Platz für einen Konferenztisch für 20 Personen. Verloren mag sich der Gast fühlen, wenn er in dieser Halle abends alleine ist. Loh Lik Peng ist sich jedoch sicher, dass keiner, der einmal im Town Hall übernachtet hat, wieder ein Standardhotel buchen möchte.

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