Luxusmarken-Übernahme: Noble Zurückhaltung auf indischen Websites über Tatas Coup

Luxusmarken-Übernahme: Noble Zurückhaltung auf indischen Websites über Tatas Coup

Eigentlich müssten indische Medien vor Stolz platzen: Vor wenigen Tagen hat sich der indische Autokonzern Tata Motors mit Jaguar und Land Rover gleich zwei Ikonen des britischen Auto-Adels einverleibt. Doch der Jubel über Tatas Coup fällt in der indischen Online-Welt seltsam verhalten aus.

Es ist eine TV-Werbung ganz nach westlicher Machart: Ein Angler sitzt zufrieden auf einem selbst konstruierten Hochsitz mitten im Wasser. Seelenruhig liest er unter seinem Sonnenschirm in einem Buch und wartet auf Beute. Plötzlich fegt ein heftiger Windstoß seine Angler-Utensilien vom Stuhl, eine Sturmwelle durchnässt ihn bis auf die Haut. Auslöser des heftigen Windes ist ein vorbeibrausender Kleinwagen: Ein Tata Indica, den es jetzt laut dem Clip auch in Turboversion gibt.

Dieses Werbevideo des indischen Herstellers Tata Motors ist nicht nur witzig anzusehen. Es trägt auch einen Kern des neuen Selbstverständnisses von Tata in sich. Denn der in den USA und Europa bislang unbekannte Autohersteller ist in den letzten Monaten wie ein Wirbelwind durch westliche Medien gefegt. Anfang des Jahres stellte Tata sein Billigstauto Nano vor, das schlappe 1700 Euro kosten soll. Vor wenigen Tagen hat Tata nun zwei britische Automobil-Ikonen übernommen: Den kränkelnden Sportwagenhersteller Jaguar und den gesunden Geländewagen-Spezialisten Land Rover.

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Beide Ereignisse waren veritable Coups des indischen Herstellers. Tata ist nun der vermutlich einzige Autokonzern der Welt, der Neuwagen zum Preis von 1.700 bis 100.000 Euro im Programm hat. Zudem dürfte es der ehemaligen Großmacht England bitter aufstoßen, dass ausgerechnet ein Konzern aus ihrer ehemaligen Kolonie Indien sich zum Retter ihrer Nobelkarossen aufschwingt.

Tatas Coups wären eigentlich Grund genug für indische Medien, sich in verbalem Patriotismus zu üben und Konzernchef Ratan Tata für seine Großtat zu preisen.

Doch das Echo auf indischen Websites fiel eher verhalten aus. Der Indian Car Blog schrieb davon, dass Tata nun einen weiteren Edelstein in seiner Krone habe. Die indische Economic Times konstatierte, dass Tata nun in die Erste Liga der Automobilbauer aufgestiegen sei. Und die angesehene Times of India betitelte ihren Artikel mit der einleuchtenden Zeile Tatas’ Triumph. Doch alle Medien wiesen darauf hin, dass Tatas größte Herausforderung nun darin bestehe, den Wert der beiden globalen Marken Jaguar und Land Rover zu erhalten.

Dazu, so meinen indische Kommentatoren, müsse Tata auch die Kosten bei Jaguar in den Griff kriegen. Die Times of India weist darauf hin, dass der Umgang mit britischen und europäischen Gewerkschaften schwierig zu meistern sei. Und der indische Business Standard kann nicht so recht erkennen, wie Tata und Jaguar strategisch zusammenpassen sollten.

Uneingeschränkte Jubelmeldungen gibt es nur wenige: India eNews versteckt sich verschämt hinter Analysten, die Tatas Deal als Ehre für Indien ansehen. Die Economic Times hat ihr Ohr offenbar hart am Online-Leser: Auf ihrer Website bietet sie ein Online-Formular, auf dem man Ratan Tata zu seinem Coup gratulieren kann. Und ein indischer Blog lässt sich immerhin zu der Formulierung hinreißen, dass Tata „Indien wieder einmal stolz“ macht.

So richtig heftig geht’s aber nicht zur Sache – die Inder haben sich von den Engländern offenbar einiges an Understatement abgeschaut.

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