Luxusmodekonzern: Überleben von Escada hängt an einem seidenen Fädchen

Luxusmodekonzern: Überleben von Escada hängt an einem seidenen Fädchen

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Der Vorstandsvorsitzende des Modekonzern Escada, Bruno Sälzer

Escada hat sich nun von drei Marken getrennt. In Rekordzeit baut Vorstandschef Bruno Sälzer den Luxusmodekonzern Escada um. Doch zuerst hängt Escadas Schicksal an seinen Anleihegläubigern.

Die Welt kann so schön bunt sein. Im zweiten Stock des Escada-Hauptquartiers in Aschheim bei München hängen Stoffe mit floralen Mustern, Textilien mit eingeprägter Struktur, dazu allerlei Accessoires: Die Kreativen des Damenmodelabels schnitzen an der Kollektion für Herbst 2010.

Escada-Chef Bruno Sälzer betrachtet das alles mit gemischten Gefühlen – was er sieht, gefällt ihm zwar sichtlich. Doch wirklich genießen kann er es nicht. Denn ob die Escada-Kundinnen in aller Welt die Einfälle seiner Modeschöpfer je zu Gesicht bekommen, hängt an einem seidenen Fädchen. Escada läuft die Zeit davon.

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Nach der Hauptversammlung Ende April, in der Sälzer unverblümt die drohende Insolvenz des angeschlagenen Unternehmens heraufbeschwor, zählt in den kommenden sechs Wochen weniger das Können der Designer als die Überzeugungskraft des Vorstandschefs. Für Sälzer kommt es bis voraussichtlich Ende Juni darauf an, die Gläubiger einer 200 Millionen Euro schweren Anleihe aus dem Jahr 2005 dazu zu bringen, sich auf neue Konditionen einzulassen.

Escadas großes Problem ist der Bond

Denkbar sind zwei Varianten: Sie können ihre Anteile in eine neu zu begebende Anleihe mit verlängerter Laufzeit umtauschen und zugleich auf einen Teil der Rückzahlung verzichten. Oder sie können bei der alten Anleihe bleiben und, wie zu hören ist, schlechtere Konditionen in Kauf nehmen, etwa deutlich niedrigere Zinszahlungen. Das Kalkül: Für die Anleger wäre ein Teilverzicht immer noch besser als im Fall einer Pleite ein Totalausfall.

„Das große Problem von Escada ist der Bond“, sagt Sälzer im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Entscheidend ist, wie lange die Finanz- und Wirtschaftskrise noch dauert – je länger, desto ungewisser ist es aus Sicht der Kredit gebenden Banken, ob Escada den Bond zurückzahlen kann.“

Auf der Hauptversammlung hatte Sälzer noch gesagt: „Aktionäre, Anleihegläubiger und die finanzierenden Banken sind gefordert“. Jetzt wird klar: An erster Stelle muss die Anleihe stehen. Auch wenn die Rückzahlung erst im April 2012 fällig ist: Die Gläubiger müssen mitziehen, sonst gibt es weder von den Aktionären noch von den Banken frisches Geld. Und ohne das ist Escada im Sommer laut Sälzer pleite. Im vergangenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen bei einem um 15 Prozent auf 582 Millionen Euro gefallenen Umsatz einen Verlust von 70 Millionen Euro. 200 Millionen Euro Anleiheforderungen in der Bilanz schrecken da jeden Kreditgeber ab.

Sälzers wohl einzige Hoffnung besteht darin, die Anleihe neu zu strukturieren. Wie das Angebot konkret aussehen könnte, darüber brüten er und seine Experten zurzeit: „Das Paket muss so einfach sein, dass es jeder auch noch nach ein paar Glas Bier versteht“, sagt ein Beteiligter. Ende Mai, Anfang Juni soll das Angebot stehen. Im Umfeld von Sälzer heißt es, die institutionellen Anleger hätten ihre Papiere sicher bereits teilweise abgeschrieben – die Anleihe notiert nur noch bei etwa 29 Prozent ihres Nominalwertes.

Von den Gläubigern hängt viel für Escada ab

Die Aussicht auf eine Besserung der Lage müsste sie nun, so das Kalkül, für das Umtauschangebot erwärmen. Den direkten Kontakt zu den Anlegern will Sälzer suchen, wenn die Konditionen festgezurrt sind. Gegenüber der WirtschaftsWoche wollte sich keiner der Investoren – darunter Fondsgesellschaften wie Pioneer und Hansainvest, die bis zu 2,5 Prozent der Anleihe haben – äußern. Für Sälzer heißt das: Er steht vor einer schwarzen Wand. Machen zu wenige Anleihegläubiger mit, brechen auch die anderen Teile der Refinanzierungsstrategie zusammen, nämlich eine Kapitalerhöhung der Aktionäre und neue Kredite von den Banken.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sälzer versucht das Unternehmen zu retten.

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