Macau: Familienfehde in Chinas Zockerparadies

Macau: Familienfehde in Chinas Zockerparadies

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Ein Spieler sitzt im Casino an einem einarmigen Banditen

von Matthias Kamp

Stanley Ho ist einer der reichsten Tycoone des Fernen Ostens. Bislang lebte die Familie ruhig und zurückgezogen. Jetzt kämpfen die drei Frauen und 16 Kinder des 89-jährigen Casinokönigs und Milliardärs in aller Öffentlichkeit ums Erbe.

Wer mit dem Schnellboot von Hongkong nach Macau fährt, erblickt als eines der ersten Gebäude das Grand Lisboa. Einer Lotuspflanze nachempfunden, erhebt sich der mächtige Casino- und Hotelbau über der Hafenbucht der früheren portugiesischen Kolonie. 400 Zimmer hat der Prachtbau. In den unteren Etagen stehen die Baccara- und Roulettetische. Vor der Tür bieten Prostitutierte ihre Dienste an. Die Neonreklamen des Hochhauses tauchen die Umgebung in grelles Licht.

Das Grand Lisboa ist das Flaggschiff im Reich des Casinokönigs Stanely Ho. Es hat den Chinesen reich gemacht. Auf gut drei Milliarden US-Dollar wird Hos Privatvermögen geschätzt. Bislang liefen die Geschäfte des Tycoons gut, man hörte wenig. Doch seit einer Woche rumpelt es kräftig im Imperium des Milliardärs – die Familie streitet um die Verteilung des Vermögens.

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Zunächst tauchte Anfang vergangener Woche ein von Ho unterschriebener Brief auf. In diesem soll er erklärt haben, er übertrage seinen 32-prozentigen Anteil an seinem Unternehmen Sociedade de Turismo e Diversoes de Macau (STDM) auf seine dritte von vier Frauen sowie auf die fünf Kinder aus seiner zweiten Ehe. STDM kontrolliert die Tochtergesellschaft SJM Holdings, die wiederum 20 von Macaus 33 Spielbanken steuert. STDM gehören darüber hinaus 33 Prozent des Flughafens in Macau und ein 14-prozentiger Anteil an der Fluggesellschaft Air Macau. Zu Hos Imperium gehören außerdem die Fährgesellschaft, deren Boote Macau mit Hongkong und dem chinesischen Festland verbinden sowie eine Reihe von Restaurants und Apartmentanlagen. Kerngeschäft ist aber das Glücksspiel. Hier Hat Ho in Macau einen Marktanteil von 32 Prozent.

Kurz nach Bekanntwerden des Briefes meldete sich der Anwalt des Milliardärs zu Wort. Ho sei nicht klar gewesen, erklärt dieser, was er unterschrieben habe. Ihm liege eine Videobotschaft des an den Rollstuhl gefesselten 89-Jährigen vor, in der er sagt: „Gebt mir meinen Anteil zurück.“ Die PR-Agentur Brunswick hingegen behauptet, Ho habe den Deal durchgewunken, er sei mithin rechtskräftig. Brunswick vertritt die Familienmitglieder, die von der angeblichen Anteilsübertragung profitiert haben. Fast gleichzeitig meldete sich Hos vierte Frau: Sie könne nicht verstehen, erklärt sie aufgebracht, dass sie und die fünf Kinder leer ausgegangen sind. Die erste Ehefrau des Tycoons ist verstorben. Schließlich kündigt Hos Anwalt an, man werde vor Gericht ziehen, um sich den Anteil zurückzuholen. Nächster Schritt in dem bizarren Streit: Brunswick erklärt, der kranke Ho habe die Klage wieder zurückgezogen. Der Anwalt des Milliardärs behauptet das Gegenteil.

Ho gehört zum alten Schlag der asiatischen Tycoone, die nach Ende des zweiten Weltkriegs reich geworden sind. Sein wohlhabender Vater verlor sein gesamtes Vermögen beim Börsencrash 1929. Ho war damals 13. Er begann seine Karriere, in dem er während des Krieges Luxusgüter von Macau in die Volksrepublik China verkaufte. 1961 gründete er sein Unternehmen STDM. Kurze Zeit später sicherte er sich von der protugiesischen Verwaltung in Macau das Glücksspielmonopol – eine Lizenz zum Gelddrucken.

Macau läuft Las Vegas den Rang ab

Auch als 2002 – 1999 gaben die Portugiesen Macau an China zurück – das Monopol fiel und die Konkurrenz aus las Vegas in Macau Spielbanken eröffnete, klingelte Hos Kasse weiter. Denn mit dem Boom auf dem chinesischen Festland und den von Peking eingeführten Reiseerleichterungen setzte ein regelrechter Run auf Macau ein. Jedes Jahr versuchen nun Millionen von Chinesen aus dem Hinterland in der Stadt im Osten ihr Glück zu machen.

Bereits vor fünf Jahren löste Macau Las Vegas als weltweit wichtigste Glücksspielmetropole ab. Fast 24 Milliarden US-Dollar setzten die Casinos der Stadt 2010 um – viermal soviel wie die Spielbanken auf dem Strip in Las Vegas.  Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Entwicklung in China hat sich die frühere portugiesische Kolonie aber auch immer mehr zu einer Drehscheibe für Geldwäsche, Drogenhandel und organisierte Kriminalität aus dem Festland entwickelt. Es kommt nicht selten vor, dass in Macau Beamte aus Stadtverwaltungen in China öffentliche Haushaltsgelder in Millionenhöhe verzocken.

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