Machtkampf bei Metro: Abgang der Alpha-Rüden

Machtkampf bei Metro: Abgang der Alpha-Rüden

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Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes (l.), und Jürgen Kluge.

von Henryk Hielscher

Wenige Tage nach der Ankündigung von Metro-Chef Eckhard Cordes seinen Vertrag nicht zu verlängern, räumt auch sein Rivale, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Kluge, das Feld. Deutschlands größter Handelskonzern schlittert in die Führungskrise - mit tatkräftiger Unterstützung der Großaktionäre.

„Machtkampf der Alpha-Rüden“ lautete vor gut einem Jahr die Schlagzeile, als erste Hinweise über eine Auseinandersetzung zwischen Eckhard Cordes, Chef des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden, Haniel-Chef Jürgen Kluge, auftauchten. Damals reagierte das Duo noch mit Ironie: Man würde sich nun gegenseitig regelmäßig anknurren, witzelte Cordes. Tenor: Das Verhältnis zwischen Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzendem des größten deutschen Handelskonzerns sei ungetrübt. Die vergangenen Wochen haben das komplette Gegenteil bewiesen: Nun will nicht nur Cordes das Feld räumen. Auch sein Rivale Kluge gab gestern seinen Abschied als Aufsichtsratschef von Metro bekannt. Kurz: Die Alpha-Rüden treten ab – und hinterlassen einen Konzern im Führungschaos.

Um die Lage wieder in den Griff zu bekommen, bemüht sich Mehrheitsaktionär Haniel nun um Schadensbegrenzung. Der neue Metro-Chef solle zügig ausgewählt werden, heißt es in Eigentümerkreisen. Die Gespräche mit Kandidaten würden jetzt intensiviert. Zudem soll der Repräsentant des Familienclans Haniel, Franz Markus Haniel, in den Metro-Aufsichtsrat zurückkehren. Damit würde sich eine Situation ergeben wie vor dem Amtsantritt Kluges. Bei Mai 2010 führte Franz Markus Haniel den Vorsitz über das Kontrollgremium und gab das Amt dann an Kluge ab.

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Distanz zu Haniel

Doch auch die Rolle von Franz Markus Haniel ist längst nicht mehr unumstritten. Unter seiner Ägide wurden die Streithähne Cordes und Kluge verpflichtet, er schwieg sich lange zur strittigen Vertragsverlängerung von Cordes aus. Nun sollen nach Informationen des Magazins „Capital“ auch Teile des zweiten Metro-Großaktionärs, der Familie Schmidt-Ruthenbeck, auf Distanz zu Franz Markus Haniel gehen. Er sei nicht mehr der richtige Gesprächspartner, wenn der Pool-Vertrag Bestand haben solle, berichtete das Magazin. Der Vertrag legt fest, dass die beiden Familien bei Metro im Einklang handeln und so die Mehrheit besitzen. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet, die Familie Schmidt-Ruthenbeck überlege intern, ob sie aus dem Pool-Vertag mit den Haniels aussteige. Dies sei kein Thema, hieß es dagegen bei dem Familienunternehmen Haniel.

Sollte die Situation eskalieren, hätte dies wohl verheerende Rückwirkungen auf Haniel. Die Ruhrgebietsdynastie hatte im August 2007 ihre Metro-Beteiligung von 18,6 auf 34,2 Prozent aufgestockt und so gemeinsam mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck auf einen Schlag die Mehrheit. Der Coup kostete gut drei Milliarden Euro, trieb die Verschuldung nach oben und das Kreditrating nach unten. Gelohnt hat sich die Transaktion bisher nicht. Sollte nun auch noch der Pool-Vertrag wanken, würde die teuer erkaufte Mehrheit in Gefahr geraten und damit der Durchgriff auf den Konzern.

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