Macquarie-Chef Nicholas Moore: "Viel Geld gespart“

Macquarie-Chef Nicholas Moore: "Viel Geld gespart“

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Nicholas Moore ist Chef der australischen Bank Macquarie.

Rund 477 Millionen Euro hat die australische Investmentbank Macquarie im vergangenen Jahr verdient. Nach 17 Jahren ist der Gewinn damit erstmals gesunken - um rund 52 Prozent.

Dennoch: Im Branchenvergleich jedoch stehen die Australier, die hierzulande vor allem als Infrastrukturinvestor bekannt sind, damit alles andere als schlecht da. Viele Konkurrenten haben Milliardenverluste gemeldet und mussten zum Teil mit staatlicher Hilfe aufgefangen werden. Im Interview erklärt Macquarie-Weltchef Nicolas Moore, wie er die Krise für sein Unternehmen nutzen will und was er in Deutschland vorhat.

WirtschaftsWoche: Herr Moore, Macquarie investiert in Flughäfen, Autobahnen, Gasnetze und ähnliche Infrastrukturprojekte. Auch die Konjunkturprogramme, die die Regierungen jetzt weltweit auflegen, sehen Investitionen in die Infrastruktur vor. Segen oder Fluch?

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Moore: Regierungen investieren üblicherweise in die Infrastruktur, wenn das Wachstum nachlässt, weil es eine gute Möglichkeit ist, die Wirtschaft anzukurbeln. Unsere Erfahrung zeigt, dass Regierungen eher bereit sind, bestehende Vermögenswerte zu verkaufen und bei neuen Projekten auch private Investoren einzubinden, wenn sie selber in neue Projekte investieren und bestehende Vermögenswerte verkaufen wollen.

In Deutschland machen einige Gemeinden aber schlechte Erfahrungen mit Geschäften, bei denen sie Objekte wie Schulen, Abwasseranlagen oder Verkehrsbetriebe an private Investoren verkauft und anschließend zurückgeleast haben. Sinkt die Bereitschaft, öffentliche Güter in private Hände zu geben?

In Zeiten wie diesen steigt üblicherweise die Zahl der verschiedenen Versorgungsmodelle, sowohl mit privaten als auch mit öffentlichen Anbietern. Es muss nicht alles privatisiert werden. Und es gibt keine Zauberformel. Regierungen müssen mit ihren Gemeinden entscheiden, welcher Weg für sie der richtige ist. Ich glaube aber nicht, dass die Krise den grundsätzlichen Trend zur Privatisierung stoppt. Dafür sind die Vorteile zu offensichtlich.

Derzeit rufen viele Unternehmen nach staatlicher Hilfe. Damit erwecken sie nicht den Eindruck, die Privatwirtschaft könnte es besser.

In der Vergangenheit haben Regierungen immer wieder unterschiedliche Positionen vertreten, in welchem Ausmaß der Privatsektor öffentliche Dienstleistungen bereitstellen soll und darf. Jede Privatisierung im Infrastrukturbereich wird über eine öffentliche Ausschreibung vergeben. Das hat historisch jeweils zur besten möglichen Lösung geführt – und dem Steuerzahler viel Geld gespart.

Einige Bürger haben Angst davor, die Grundversorgung privaten Unternehmen zu überlassen, die nach Rendite streben.

Diese Märkte sind allesamt streng reguliert. Sie können da nicht tun und lassen, was Sie wollen und es gibt einen großen Druck, das beste Ergebnis abzuliefern. Das ist uns auch häufig gelungen.

Wie verändert die Krise die Art, wie Sie investieren?

Wir werden nichts grundsätzlich verändern, wir passen unser Geschäftsmodell nur in Randbereichen an. Unsere Bilanz ist sehr solide. Nur elf Prozent unseres operativen Ertrags stammt aus dem Infrastrukturfonds-Geschäft. Auch wenn es der Bereich ist, für den wir in Europa bekannt sind und auf den wir sehr stolz sind, steht er doch nur für einen kleinen Teil unserer Aktivitäten. Wir halten derzeit rund 41 Prozent unserer Aktiva in Barmitteln und finanzieren uns auf der Passivseite zu 51 Prozent über Eigenkapital und langfristige Darlehen.  Unsere Bilanz ist sehr solide. Auch wenn wir Minderheitsanteile kaufen, wollen wir auch Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen haben, weil wir das Kapital im Auftrag unserer Investoren managen. Niemand würde uns schließlich Geld dafür geben, damit wir dieses nur investieren und dann abwarten.

Wie sicher ist Ihr Geschäftsmodell?

Wir sind ein stark diversifizierter, internationaler Finanzdienstleister.  Wir sind also in der erfreulichen Situation, dass wir Kredite an andere Unternehmen vergeben können und selber kein weiteres Kapital benötigen. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir diese Zeiten nutzen können, um neue Kunden zu gewinnen.

Welche Rolle spielt Deutschland für Macquarie?

Wir sehen hier gute Chancen und arbeiten weiter daran, unsere Dienstleistungen für deutsche Unternehmen auszubauen. Unsere Fonds werden weiter in Europa investieren und Deutschland ist dafür einer unserer Kernmärkte.Sind die deutschen Stromnetze noch ein attraktives Ziel für Sie?Deutschland ist ein riesiger Markt. Das gesamte Stromnetz ist für uns interessant, aber es gibt noch viele weitere potenzielle Ziele.

Welche sind das?

Neben Infrastruktur sind viele Bereiche interessant, die ausreichend defensiv sind, also etwa auch Telekommunikation und Medien, der Gesundheitsbereich sowie der gesamte Energiesektor inklusive erneuerbarer Energien.

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